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Sperre und Geldstrafe: Petersen in Manipulationsaffäre verurteilt

Sperre und Geldstrafe: Petersen in Manipulationsaffäre verurteilt
Von SID

08/03/2019 um 14:04Aktualisiert 08/03/2019 um 14:46

Der Nordostdeutsche Fußballverband sieht es als erweisen an, dass Andreas Petersen den Versuch der Spielmanipulation unternommen hat. Der Vater von Nationalspieler Nils Petersen wird gegen das Urteil in Berufung gehen. Sein Anwalt kritisierte die Art und Weise der Urteilsverkündung. Ein chinesischer Sportvermarkter soll im Mittelpunkt des Skandals stehen.

Aus dem angeblichen "Jux" ist bitterer Ernst geworden: Andreas Petersen, Vater von Nationalspieler Nils Petersen, ist in der Manipulationsaffäre verbandsintern schuldig gesprochen worden.

Der Sportdirektor des Regionalligisten Germania Halberstadt bekam vom Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) wegen unsportlichen Verhaltens in zwei Fällen eine Funktionssperre von zwölf Monaten und eine Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro aufgebrummt.

Petersen bezeichnet Aktion als "Jux"

Am Freitag gab der NOFV auf der Verbandsinternetseite weitere Details preis. Das Sportgericht hält es nach zwei Verhandlungstagen für erwiesen, dass der 58-jährige Petersen im Vorfeld des Ligaspiels beim SV Babelsberg 03 am 30. November zwei ihm bekannte Babelsberger Spieler telefonisch Geldzahlungen in Aussicht gestellt habe, wenn sie schlecht spielten. Die Spieler hätten dies abgelehnt.

Petersen, der den Versuch der Manipulation stets zurückgewiesen und von einem "Jux" gesprochen hatte, wird das Urteil nach Erhalt der schriftlichen Begründung aller Wahrscheinlichkeit nach anfechten. Solange die Möglichkeit einer Berufung vor dem Verbandsgericht besteht, ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Petersens Anwalt Horst Kletke ist höchst pikiert über die Vorgehensweise des NOFV. "Es ist ein Unding, dass Teile der Urteilsbegründung schon in der Öffentlichkeit sind, bevor die Betroffenen davon in Kenntnis gesetzt werden", sagte Kletke dem SID: "Auch das wird zur gegebenen Zeit juristisch zu bewerten sein."

Anwalt zeigt sich von Art der Verkündung überrascht

Petersen habe "unbefugt Einfluss auf das Spiel" nehmen wollen, "um seinem Verein Vorteile zu verschaffen", begründete der Vorsitzende Stephan Oberholz die Entscheidung des NOFV-Sportgerichts. Einer härteren Strafe entging der frühere Trainer offenbar nur wegen der psychischen und wirtschaftlichen Belastungen durch den Prozess. "Daher haben wir keine noch längere Sperre oder eine dauerhafte Sperre beziehungsweise den Ausschluss aus dem Verband verhängt", erklärte Oberholz.

Ein Funktionsverbot bedeutet, dass Petersen ein Jahr lang kein Amt im NOFV, seinen Mitgliedsverbänden sowie deren Vereinen und Kapitalgesellschaften bekleiden dürfte. Seine ehrenamtliche Arbeit bei Germania Halberstadt lässt Petersen zurzeit aus gesundheitlichen Gründen ruhen.

In seinem Verein zeigte man sich überrascht. "Nach dem ersten Verhandlungstag bin ich ehrlich gesagt verwundert über das jetzige Urteil", sagte Klub-Präsident Erik Hartmann dem SID, der über die weitere Zukunft von Andreas Petersen im Verein nicht spekulieren wollte:

"Wir warten die Verbandsgerichtsbarkeit und auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab. Grundsätzlich hege ich keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Herrn Petersen."

Der NOFV betonte, dass sich keine Erkenntnisse darauf ergaben, dass Petersen mit Kenntnis oder im Auftrag seines Vereins gehandelt habe. Auch der Zusammenhang mit Wettspielen "ergab sich sind".

Chinesischer Vermarkter im Mittelpunkt des Skandals

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt zurzeit wegen des Verdachts der Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben. Im Zentrum steht ein chinesischer Sportvermarkter, der als offizieller Kooperationspartner von Germania Halberstadt fungiert. Auch Nationalspieler Nils Petersen machte Werbung für ein von den Chinesen organisiertes Jugendturnier.

Die Affäre um den dubiosen Vermarkter hält die ganze Regionalliga Nordost in Atem. Die Firma soll sich Ende November auch mit Mitarbeitern des Regionalliga-Spitzenreiters Chemnitzer FC getroffen haben. Unter dem Vorwand, im Stadion eine Loge anmieten zu wollen.

Zur "Refinanzierung" soll der Vermarkter laut "Bild"-Zeitung "sichere Siege" vorgeschlagen und bei Umsetzung eine Zusatzprämie in Höhe von 60.000 Euro in bar pro gewonnenem Spiel in Aussicht gestellt haben.

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