Saudi Pro League: Jordan Henderson verlässt Saudi-Arabien nach nur fünf Monaten - Stars sind unzufrieden
Publiziert 19/01/2024 um 15:29 GMT+1 Uhr
Jordan Henderson flüchtet nach nur fünf Monaten wieder aus Saudi-Arabien und schließt sich Ajax Amsterdam an. Auch Karim Benzema will weg, Roberto Firmino ist ebenfalls unglücklich. Die Saudi Pro League hat ihren Reiz bereits wieder verloren. Offenbar vermissen die europäischen Stars neben dem sportlichen Niveau vor allem Fankultur und volle Stadien. Warum Geld im Fußball eben nicht alles ist.
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Quelle: Eurosport
Jordan Henderson blickt stolz in die Kamera. In seiner Hand ein Fußball, auf seiner Brust prangt das Emblem des niederländischen Rekordmeisters Ajax Amsterdam.
"Amsterdam! Ich bin so froh, hier zu sein. Ich kann es kaum erwarten, euch alle zu treffen", steht unter dem Foto, das den Wechsel Hendersons in die Eredivisie auf Instagram ankündigt.
Vor gerade einmal 25 Wochen postete der frühere Liverpool-Kapitän ganz ähnliche Zeilen, als er seinen Vertrag bei Al Ettifaq in der Saudi Pro League unterschrieb.
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"Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich bei Ettifaq unterschrieben habe. Vor uns liegt eine neue Herausforderung, ich kann es kaum erwarten, loszulegen. Willkommen in Saudi-Arabien."
25 Wochen, fünf Monate, in denen die Freude über den Schritt in die Wüste Tag für Tag geschwunden sein muss. Henderson wollte so schnell wie möglich weg. Sein Abschied könnte der Anfang vom Ende des Projekts von Saudi-Arabiens Fußball-Liga sein.
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Jordan Henderson
Fotocredit: Getty Images
Henderson spielte vor weniger als 1000 Zuschauern
Als der 33-Jährige im vergangenen Sommer für 14 Millionen Euro Ablösesumme wechselte, brach bereits einmal die mediale Hölle über den englischen Nationalspieler herein. Anlass hierzu war sein jahrelanges Engagement für die LGBTQ+-Community – nun wechselte ausgerechnet er in einen totalitären Staat, in dem Homosexualität mit dem Tod bestraft werden kann.
Neben den kolportierten 40 Millionen Euro Jahresgehalt versprach sich Henderson auch mehr Spielzeit in der Saison vor der Europameisterschaft in Deutschland. Unter Jürgen Klopp in Liverpool kam der Mittelfeldakteur in der Vergangenheit zu immer weniger Einsatzminuten.
In den 17 Spielen für seinen neuen Klub hat ihn die Realität allerdings schnell eingeholt. Im Schnitt sahen sich gerade einmal 7.854 Zuschauer die Heimspiele im Prince Mohamed bin Fahd Stadion an. Beim Auswärtsspiel bei Al-Riyad kamen gar nur 696 Zuschauer, das Spiel bei Al-Fayha wollten nur 610 Fans sehen.
Henderson, der mehr als zehn Jahre für den FC Liverpool gespielt hat, war den Geist von Anfield gewohnt. Der Mythos, der die Reds umgibt, entstand nicht zuletzt durch die Fan-Kultur, die legendäre Tribüne "The Kop", 57.000 Zuschauer bei jedem Heimspiel, die dem Team lebenslange Treue geschworen haben.
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Jordan Henderson verlässt den FC Liverpool
Fotocredit: Getty Images
Auch Benzema und Firmino unglücklich
Henderson, so schreibt es "The Athletic", habe während einer Länderspielpause Freunden gegenüber das schlechte sportliche Niveau in der Saudi Pro League angeprangert. Auch die hohen Temperaturen seien ein Problem gewesen, seine Familie habe sich zudem nie richtig eingelebt.
Mit den Konsequenzen seiner Entscheidung im Sommer muss der früher so beliebte Fußballer nun leben. In den Länderspielen mit Englands Nationalmannschaft wurde er von den Fans gnadenlos ausgebuht, ob sein Wechsel zu Ajax – aktuell nur Fünfter in den Niederlanden – ihm einen Platz im EM-Kader der Three Lions sichert, bleibt abzuwarten.
Fakt ist: Henderson ist nicht der einzige hochkarätige Star, der in der Wüste unglücklich ist. Auch Karim Benzema, Weltfußballer von 2022, will seinen Verein Al-Ittihad Gerüchten zufolge bereits wieder verlassen.
Der Franzose, ebenfalls im Sommer in die Wüste gewechselt, konnte trotz zwölf Treffern und fünf Vorlagen in wettbewerbsübergreifend 20 Partien die in ihn gesetzten Erwartungen nie wirklich erfüllen.
Benzema zum FC Arsenal?
Zuletzt sorgte der 36-Jährige für Wirbel, weil er den Trainingsauftakt seines Klubs wegen eines angeblichen Wirbelsturms in seinem Urlaubsort Mauritius verpasste. Benzema wird inzwischen mit einem Wechsel zum FC Arsenal in die Premier League in Verbindung gebracht.
Und auch bei Roberto Firmino, früherer Mannschaftskamerad Hendersons beim LFC, wird über eine Rückkehr nach England spekuliert.
Der Brasilianer hat nach starkem Auftakt bei Al-Ahli inzwischen sein Kapitänsamt sowie seinen Stammplatz verloren. Über Weihnachten wurde er bei einem Spiel an der Anfield Road als Zuschauer gesichtet und mit den Worten zitiert: "Es ist schön, wieder zu Hause zu sein."
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Karim Benzema hat es sich bei seinem neuen Arbeitgeber bereits verschärzt.
Fotocredit: Eurosport
Saudi-Arabiens Liga ist Mittel zum Zweck
Auf dem Weg zur Fußball-WM 2034 im eigenen Land sind diese Schlagzeilen Gift für das ambitionierte Saudi-Arabien. Das Königreich ist der einzige Bewerber für die Ausrichtung des Turniers, möchte in zehn Jahren Millionen von Fußball-Fans begrüßen und von sich überzeugen.
Seit vielen Jahren investieren die Verantwortlichen in zahlreiche Sportarten, um das eigene Image aufzupolieren, immer wieder dem Wüstenstaat deshalb "Sportswashing" vorgeworfen. Im vergangenen Sommer sorgten Transfers in die Pro League in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro für Aufsehen.
Rentiert hat sich das Ganze bislang aber offensichtlich nicht. Zwar hat sich der Bezahlsender "DAZN" die Rechte für die Übertragung der Spiele in Saudi-Arabien für die aktuelle Saison gesichert, das Zuschauerinteresse ist dem Vernehmen nach aber gering. Auch, wenn das Ismaninger Unternehmen bislang noch keine Quoten veröffentlicht hat.
Desinteresse ist das Schlimmste, was den Verantwortlichen in Saudi-Arabien passieren kann. Da helfen auch keine Weltstars und deren schillernde Namen, schon gar nicht, wenn diese aus Unzufriedenheit das Land möglichst schnell wieder verlassen wollen.
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Cristiano Ronaldos Wechsel zu Al-Nassr war der erste Paukenschlag für die Saudi Pro League.
Fotocredit: Getty Images
Gerrard verlängert seinen Vertrag
Immerhin, mit Steven Gerrard hat ein namhafter Trainer seinen Vertrag in der Saudi Pro League gerade erst verlängert. Der Engländer, in dessen Mannschaft bis vor kurzer Zeit eben auch Henderson spielte, unterschrieb ein bis 2027 gültiges Arbeitspapier bei Al-Ettifaq.
Das Versprechen der Klub-Bosse: Noch mehr Spieler zu verpflichten. Das zumindest berichtet "The Athletic". Der Abgang von Henderson dürfte also schon bald mit neuen Akteuren kompensiert werden.
Auffällig ist allerdings, dass es in der aktuellen Winter-Transferperiode erst einen einzigen bekannteren Spieler aus Europas Top-Ligen in die Wüste zog. Renan Lodi von Olympique Marseille, der fortan beim Neymar-Klub Al-Hilal kickt, versprüht jedoch längst nicht den Glanz eines Cristiano Ronaldos, Benzemas oder Hendersons.
Den Reiz im Fußball, selbst im rundum kommerzialisierten Profi-Geschäft, machen am Ende eben doch andere Dinge aus als das große Geld.
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