WM 2018: Ter Stegen oder Neuer - Das Rennen um die Nummer eins

Die innere Zerrissenheit von Marc-Andre ter Stegen ist förmlich zu spüren. Zum einen wünscht er Manuel Neuer natürlich, dass dieser "rechtzeitig zurückkommt". Denn er habe absoluten Respekt vor desse Leistungen. Doch auf der anderen Seite ist die Aussicht auf die Nummer eins geradezu verführerisch. Deswegen hält es ter Stegen mit Franz Beckenbauer: "Wir schauen mal, wie es weitergeht."

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Wäre das WM-Aus Neuers vor ein paar Monaten noch ein Untergangsszenario gewesen, raubt die Verletzung seiner Nummer eins Joachim Löw derzeit nicht den Schlaf. Er hat ja Marc-Andre ter Stegen.
Löw lobte den Schlussmann des FC Barcelona:

Der steinige Reifeprozess des Marc-Andre ter Stegen

Danach sah es bei ter Stegens Anfängen im DFB-Trikot nicht aus. Haarsträubende Fehler blieben in größerer Erinnerung als ein gehaltener Elfmeter von Lionel Messi. Mit dem fünfmaligen Weltfußballer wurde er in spanischen Medien zuletzt immer häufiger verglichen. "Messi mit Handschuhen", war dort zu lesen. "Der Vergleich hinkt", sagt ter Stegen mit Nachdruck. Messi sei noch einmal eine ganz andere Liga.
Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich der 25-Jährige auch beim großen FC Barcelona durchgesetzt. Der gebürtige Gladbacher, der zum Start ins WM-Jahr auch am Freitag in Düsseldorf gegen Spanien das deutsche Tor hüten wird, musste einige Rückschläge einstecken:
Ter Stegen hat aber nicht nur zwischen den Pfosten noch einmal einen Sprung gemacht. Auch als Mensch hat er sich in Spanien weiterentwickelt. Er spricht inzwischen fließend die Sprache, und er scheint in sich zu ruhen. "Er ist gelassen, ruhig und fokussiert", fasst Löw seine Eindrücke zusammen. Mit anderen Worten: Auf ter Stegen, der auch fußballerisch nach Neuer der beste deutsche Torhüter ist, wäre in Russland Verlass.

Neuers Wettlauf mit der Zeit ist ter Stegens Chance

Unabhängig von einer Rückkehr Neuers will ter Stegen "auf die WM gut vorbereitet sein". Er selbst könne sich nur schwer in Neuers Lage hineinversetzen, da er noch nie so lange ausgefallen sei. "Spieler wie Manuel können schnell in den Rhythmus zurückkommen. Dafür hat er viel zu viel Qualität", sagte ter Stegen, aber: "Natürlich wird er sich auch erst einmal reinarbeiten müssen."
Und darin besteht ter Stegens Chance. Löw sagte auf der DFB-Pressekonferenz:
Ebenso wie der Bundestrainer blicken auch die Teamkollegen der Entwicklung gelassen entgegen. Sie haben inzwischen großes Vertrauen in ter Stegen. "Er spielt auf konstant hohem Niveau. Mit seinen Fähigkeiten mit dem Ball am Fuß ist er fast der elfte Feldspieler", sagte Toni Kroos und fügte mit Blick auf die Rivalität zwischen Real Madrid und Barcelona augenzwinkernd an: "Für meine Begriffe macht er fast zu wenig Fehler."
Neuers Wettlauf mit der Zeit wird also auch die deutsche Nummer zwei weiter aufmerksam verfolgen. "Er weiß selbst, wie er vorgehen muss. Jeder Ratschlag von mir wäre Quatsch", sagte ter Stegen, der weiß, dass Joachim Löw gefordert ist: "Was der Trainer am Ende entscheidet, liegt bei ihm."
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