Nicht bekannt ist, dass der griechische Fußballer Theofanis Gekas und der finnische Rennfahrer Kimi Räikkönen miteinander verbandelt sind. Wäre auch unnötig. Bei ihren Gesprächsrunden würde das Bonmot von Lothar Matthäus zur vollen Entfaltung kommen: "Ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen."

Genau wie Räikkönen, mythenumwanderter Schweiger der Motorsporthistorie, pflegt Gekas eine tendenziell abneigende Haltung zur Festrede. "Er legt keinen großen Wert auf Kommunikation", berichtete Heribert Bruchhagen, als er Boss bei Eintracht Frankfurt und Gekas sein Chef-Stürmer war. "Ich lasse lieber Tore sprechen", murmelte der Hellene in einem Anflug seltener Lippenbekenntnisse.

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"Ich bekomme ja sowieso keine guten Pässe"

Theonfanis Gekas wirkte stets wie ein Anachronismus des Fußballsports, mit seiner Vokuhila-Frisur aus den 80ern und dem bemerkenswert eingeschränkten Aktionsradius auf dem Platz. Gekas kultivierte die Lauffaulheit, um dann doch, so will es die Pointe, zumeist am Ende der Verwertungskette zu stehen.

Theofanis Gekas

Fotocredit: Imago

Schwierig wurde es halt, wenn die Kollegen keine halbwegs gescheiten Zuspiele zu liefern vermochten. "Warum bin ich eigentlich hier? Ich bekomme ja sowieso keine guten Pässe", meckerte er bei Hertha BSC, wo trotzdem sechs Treffer in 17 Einsätzen notiert wurden.

Ein Phänomen, der Mann. Und heute immer noch aktiv, mit 36.

Gekas begann eine Tingeltour wie Ailton

Gekas war schon ein halbstarker Teenager, als er sich ernsthaft mit dem Fußball auseinandersetzte. 2006 holte ihn der VfL Bochum von Panathinaikos Athen, prompt fiel er auf: mit seinen lustigen Haaren. 20 Bundesligatore und eine Prämierung als Schützenkönig später hatte die Branche ihre Meinung relativiert.

In seinen besten Tagen veredelte der Mann seinen Ruf als König der Effizienz. "Ich denke vor dem Tor nicht nach. Niemals. Das ist eine Gabe, die mir Gott gegeben hat", sagte er, was insofern passend war, weil "Theofanis" zu Deutsch bedeutet: "Gott ist erschienen." Echt jetzt.

Weniger göttlich, eher irdisch, verliefen seine Unternehmungen nach dem Bochumer Höhepunkt. Im Sommer 2007 ging Gekas nach Leverkusen, anständiges erstes Jahr, schwieriges zweites, und so begann eine Tingeltour, wie sie Ailton zur Ehre gereicht hätte.

FC Portsmouth, halbjähriger Aufenthalt, eine Minute Einsatzzeit. Dann Hertha, die fehlenden Pässe, Abstieg. Weiter zu Eintracht Frankfurt, wo er bis Winter 2012 blieb und mit Michael Skibbe so etwas wie einem Lieblingstrainer begegnete; dieser hatte ihn bereits nach Leverkusen geholt.

Gekas und der Vergleich mit Gerd Müller

Zu "11Freunde" sagte Skibbe:

Gekas ist einer der wenigen Stürmer seiner Art. Ich finde, dass er in seinem Bewegungsapparat und seiner Schlitzohrigkeit ein wenig Gerd Müller ähnelt.

Und Gekas, sonst schlaff wie schläfrig, erwiderte angeregt: "Wenn etwas von Müller gezeigt wird, schaue ich mir das fasziniert an!"

Theofanis Gekas im Trikot von Eintracht Frankfurt

Fotocredit: Imago

133 Mal Bundesliga, garniert mit 55 Toren und - da schau her - elf Vorlagen, danach wurde der Reisekoffer ausgebeult. Samsunspor, Levante, Akhisarspor, Konyaspor, wieder Akhisarspor, Eskisehirspor (2015, dritte gemeinsame Station mit Skibbe), im Januar 2016 schließlich ein Kontrast, der FC Sion in die Schweiz.

Nur Deutsch wollte Gekas nie lernen...

Instinkte verlernt man nicht. 44 Spiele. 21 Tore. Aber weil Gekas halt Gekas ist, zog's ihn vor ein paar Wochen in die Türkei zurück, zum Zweitligisten Sivasspor. Drei Spiele. Zwei Tore.

Übrigens konnte er auch nach etlichen Jahren in Deutschland die Sprache nicht. Seine Begründung komprimierte das Profil dieses durchaus ulkigen Profis ansehnlich:

Ich werde fürs Toreschießen bezahlt wird, nicht für das Reden.

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