Youngster der Woche: Rhian Brewster - Wie das Schicksal so spielt ...
Rhian Brewster ist eines der größten Nachwuchstalente Englands. Im Halbfinale der U17-WM in Indien zerlegte der Liverpool-Youngster Gegner Brasilien quasi im Alleingang. Mit einem Hattrick schoss Brewster die Three Lions ins WM-Finale (Sa., 16:30 Uhr live bei Eurosport 1) und begeisterte auch Liverpool-Coach Jürgen Klopp: "Er ist ein echter Vollstrecker, körperlich fit, technisch begabt."
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Man möchte ihnen irgendetwas zurufen, aufbauende Worte, ihnen sagen, dass alles nicht so schlimm ist.
Etliche in weiße Trikots gehüllte Männer sinken zu Boden, jeder für sich allein. Bitterliche Tränen, tröstende Umarmungen, während eine rot-gelbe Jubeltraube sich im Hintergrund aufmacht, um die ausufernden Feierlichkeiten einzuleiten.
Spanien hat soeben in einem denkwürdigen Finale der U17-Europameisterschaft England bezwungen. Im Elfmeterschießen, der fußballerische Inkarnation des Zufallsprinzips.
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Auch, weil an diesem Freitagabend im kroatischen Varazdin einem der Three-Lions-Protagonisten die Nerven versagen. Rhian Brewster, bis dahin mit drei Treffern maßgeblich am Einzug ins Endspiel beteiligt, vergibt entscheidend.
Nein, der Wunsch, fruchtenden Beistand spenden zu können, versiegt bei Trainern, Betreuern und Familie. Es sind die Minuten des Alleinseins, die viele gestandene Fußballer schon erlebt haben. Brewster ist noch kein Arrivierter, sondern ein 17-jähriges, verheißungsvolles Talent des FC Liverpool.
Steven Gerrard als Elfmeter-Mentor
Um das prägende Erlebnis zu verarbeiten, sucht das Talent im Anschluss Rat bei Reds-Legende Steven Gerrard. "Wir haben uns nach der Europameisterschaft unterhalten", verrät Brewster im Gespräch mit der offiziellen Webseite von Liverpool und ergänzt:
Prominenter Zuspruch, der offenbar seine Spuren hinterlässt, dem Jungen neues Selbstvertrauen einhaucht. Denn: Fünf Monate später steht Brewster mit eben jener Nachwuchsauswahl der Engländer erneut in einem Finale (Sa., 16:30 Uhr live bei Eurosport 1 und im kostenlosen Livestream), in einem noch bedeutenderem, im Endspiel der WM in Indien.
Der Anteil des Youngsters am neuerlichen Erfolg des ansonsten so gebeutelten "Mutterland des Fußballs" könnte dabei größer nicht sein. Nach seinen drei Toren im Viertelfinale gegen die USA (5:1), zerlegt er Brasilien beim 3:1 in der Runde der letzten Vier quasi im Alleingang, als er abermals dreifach einnetzt. Die Insel feiert ihren neuen Goldjungen.
In London geboren und aufgewachsen, schließt Brewster sich als Siebenjähriger der Talentschmiede des FC Chelsea an, geht weitere sieben Jahre für den Hauptstadtklub auf Torejagd. Dass er letztlich doch im englischen Nordwesten landet, ist vor allem seinen eigenen Ansprüchen geschuldet. "Ich habe keinen Weg gesehen, dass ich bei den Blues wirklich Chancen haben werde", wird der Angreifer von der LFC-Homepage zitiert.
"Ich hatte viele Angebote, aber als das aus Liverpool kam, war es eine einfache Entscheidung. Dieser Verein gibt jungen Spielern oft eine Chance", begründet Brewster seinen Wechsel zum ehemaligen Rekordmeister. Um ihrem Sohn den Start in der Hafenstadt zu erleichtern, zieht die Mutter zunächst mit nach Liverpool, kehrt aber später wieder nach London zurück, Rhian kommt bei einer Patenfamilie unter.
Der Schritt scheint sich gelohnt zu haben. Während bei Chelsea - das hat die Vergangenheit häufig genug gezeigt - ambitionierte Eigengewächse gerne jahrelang verliehen werden, und auch nach ihrer Rückkehr keine realistische Möglichkeit haben, Anschluss nach ganz oben zu finden, setzt man in Liverpool vermehrt auf den Nachwuchs.
Neben einer Kadernominierung bei den Profis, kommt Brewster derzeit zumeist in der U23 zum Einsatz. In der Premier League 2 glänzte der Goalgetter bislang als dreifacher Torschütze und legte in sechs Spielen vier weitere Treffer für seine Kollegen auf.
Sonderlob von Jürgen Klopp
Kein Wunder, dass die begeisterten Anhänger Trainer Jürgen Klopp bereits vehement auffordern, dem Juwel eine Chance zu geben. Und tatsächlich outet sich der ehemalige Dortmund-Coach als großer Fan Brewsters. Klopp erklärt im Liverpool Echo:
Neben den Attributen, die Klopp ausmacht, fußt Brewsters Aufstieg allen voran auf dessen Ehrgeiz:
Eine vorbildliche Einstellung, die das gepriesene Wunderkind dahin gebracht hat, wo es jetzt steht. Unbeeindruckt vom medialen Rummel um seine Person hat Brewster für das anstehende WM-Finale nur eines im Sinn: Die Schmach von Varazdin im Mai dieses Jahres vergessen zu machen. Wie das Schicksal so spielt, treffen die Engländer erneut auf Spanien. Und wenn man ihnen am Ende wieder beistehen will, ihnen sagen möchte, dass alles wieder gut wird, dann sollen nach Brewsters Gusto doch bitte die Tränen woanders fließen.
Er ist jedenfalls gewappnet, wird sich die Kugel in einem etwaigen Elfmeterschießen schnappen, einmal tief durchatmen und den Fokus auf den Schuss legen, so wie Gerrard es ihm geraten hat. Und wer weiß - wenn wieder in weiße Trikots gehüllte junge Männer auf den Rasen sinken, dann diesmal vielleicht vor grenzenloser Freude.
Rhian Brewster im Steckbrief:
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