Nationalmannschaft - Taktik-Revolution nach WM-Debakel: Löw baut radikal um

Joachim Löw steht vor einem Neuanfang. Vor dem Auftakt der Nations League gegen Weltmeister Frankreich (Donnerstag, 20:45 Uhr im Liveticker) fordert der Bundestrainer seine Mannschaft deshalb mental heraus. Auch taktisch reagiert er. Denn wie der Weltmeister-Coach von 2014 fast nebenbei erwähnte, wird er die Struktur seines Teams an einer wichtigen Stelle grundlegend ändern.

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Fokussiert und voller Tatendrang. So präsentierte sich Joachim Löw einen Tag vor dem Spiel gegen Frankreich. Das Aufeinandertreffen mit dem Weltmeister soll ein Neustart werden.
Nachdem der Umbruch noch vor Wochenfrist bei Löws großer Analyse-PK eher überschaubar daherkam, wird nun deutlicher, wie der Bundestrainer seine Mannschaft verändern will. Taktik und EInstellung stehen auf dem Prüfstand. Löw plant in beiden Feldern gravierende Änderungen.
Das Auftreten in Russland war enttäuschend - vor allem für ihn persönlich. Jetzt setzt Löw seine Mannschaft unter Druck und stellt fürs Erste fest:
Zwei Übungseinheiten absolvierte der Bundestrainer mit seinem leicht modifizierten Kader. Das Thema Defensive stand im Vordergrund. Es ist das Reizthema, seit in Russland auf diesem Segment gar nichts klappte. Der Titelverteidiger agierte fast körperlos, das Vorrundenaus war eine logische Folge.

Ballbesitzfußball hat ausgediehnt

Allein deswegen ist es Löw ein Anliegen zu erwähnen, dass es "richtig in die Zweikämpfe" ging - eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Der Ex-Weltmeister muss diese Eigenschaft erst wieder erlernen.
"Bei der WM sind wir viel in Konter gelaufen. Wir müssen das Tor auf Teufel komm raus verteidigen. Das ist eine wichtige Voraussetzung", meint Löw und verabschiedet sich fast wehmütig von der ihm so ans Herz gewachsenen Offensiv-Dominanz-Taktik der vergangenen Jahre.
Löw weiter:
Was dermaßen verklausuliert harmlos klingt, ist nichts anderes als eine Revolution. Löw will nichts mehr wissen vom behäbigen Ballgeschiebe der letzten zwei Jahre. Die Mannschaft soll wuchtiger ins Offensivspiel kommen. Das klappt nur, wenn aus einer stabilen Defensive heraus das Umschaltspiel mit mehr Power forciert wird.
Besonders die Außenverteidiger erhalten einen veränderten Arbeitsauftrag. Zuletzt waren Joshua Kimmich (rechts) und Jonas Hector (links) fast ausschließlich in der gegnerischen Hälfte aktiv, drückten durch diese extreme Spielweise die offensiveren Außen nach Innen. Folge: Das Zentrum war extrem verdichtet, die Räume eng und gleichzeitig die defensiven Flanken sperrangelweit offen.

Dreierkette ein Thema?

Hier setzt der Bundestrainer an. Bislang plant er mit einer Viererkette. Für andere Systeme ist er aber offen. Man stellt sich auch taktisch variabler auf.
"Eine Dreierkette zu testen, wäre natürlich denkbar. Aber das ist im Spiel nicht das alles Entscheidende. Wichtig wird sein, dass alle Spieler in der Defensive arbeiten", fordert Löw.
Für Neuling Nico Schulz wird es schon gegen Frankreich ernst. Aller Voraussicht nach wird der Hoffenheimer gegen den Weltmeister sein Debüt geben. Er ist der einzige Linksverteidiger im Kader.
"Wir hatten jetzt zwei Trainingseinheiten", sagt Löw. "Die Spieler, die zum ersten Mal dabei sind (Schulz, Kai Havertz und Thilo Kehrer, Anm. d. Red.), haben sich gut eingefunden und einen guten Eindruck gemacht. Sie haben eine gute Basis im technischen und im spielerischen Bereich. Es ist geplant, dass alle drei zu einem Einsatz kommen."
Kehrer und Havertz werden also spätestens am Sonntag gegen Peru ihr Debüt für Deutschland geben.
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