Nations League: Frankreich - Deutschland | Antoine Griezmann dreht Spiel - DFB-Team droht Abstieg
Von Celine Jäntsch
Publiziert 16/10/2018 um 22:37 GMT+2 Uhr
Deutschland hat in der Nations League auch in Frankreich verloren und droht aus der Liga A abzusteigen. Beim 1:2 (1:0) in Paris drehte Antoine Griezmann (62., 80./Foulelfmeter) das Spiel für den Weltmeister. Toni Kroos hatte das auf fünf Positionen veränderte DFB-Team in Führung gebracht (16./Handelfmeter). Siegt die Niederlande am 16. November gegen Frankreich, ist Deutschland abgestiegen.
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So lief das Spiel:
Im Duell des amtierenden gegen den ehemaligen Weltmeister startete die DFB-Elf besser in die Partie. In der auf fünf Positionen geänderten Startaufstellung im 3-4-3-System standen mit Leroy Sané, Nico Schulz und Serge Gnabry gleich drei schnell Flügelspieler, die die französische Defensive immer wieder vor Probleme stellte.
So war es dann auch Leroy Sané, der in der 13. Minute einen Elfmeter für das Team von Joachim Löw herausholte. Der Manchester-City-Akteur wurde im Strafraum bis zur Grundlinie geschickt, Presnel Kimpembe grätschte dazwischen und berührte die Kugel mit dem Oberarm – Schiedsichter Milorad Mazic aus Serbien entschied auf Strafstoß.
Diese Gelegenheit ließ sich Toni Kroos nicht nehmen - der Mittelfeldmann von Real Madrid hatte allerdings etwas Glück, das Hugo Lloris im Tor der Franzosen seinen Flachschuss ins rechte Eck nur berührte, nicht parierte (14.).
In der Folge zeigte die deutsche Mannschaft immer wieder ansehnliche Kombinationen. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Sané und Timo Werner sorgte immer wieder für Gefahr. Letzterer konnte allerdings einen Pass von Sané im Strafraum nicht mehr erreichen, sonst hätte es nach 19 Minuten womöglich schon 2:0 für die deutsche Elf gestanden.
Die Chancenverwertung der Deutschen blieb weiterhin mangelhaft. Nach einer Ecke hatten Niklas Süle und Matthias Ginter den zweiten Treffer auf dem Fuß, Lloris konnte den Ball im letzten Moment noch um den Pfosten lenken (24.).
Der Gastgeber hingegen blieb im ersten Durchgang erstaunlich blass. Nur selten blitzte die Torgefährlichkeit des Weltmeisters auf. Kurz vor der Halbzeit schickte Antoine Griezmann seinen Kumpel Kylian Mbappé im Strafraum steil, Manuel Neuer war im letzten Moment zur Stelle (39.).
Im zweiten Durchgang wurde Frankreich aktiver. Kurz nach Wiederanpfiff ließ Mbappé seine Schnelligkeit aufblitzen und Niklas Süle stehen – der herausgeeilte Neuer machte diese Großchance mit einer Fußabwehr zunichte (52.).
Der deutschen Mannschaft war der Kräfteverschleiß nun anzumerken, vor allem die Außenbahnspieler Schulz und Thilo Kehrer suchten nicht mehr so oft den Weg nach vorne.
Stattdessen glich Frankreich aus. Lucas Hernández flankte vom linken Strafraumeck auf den Kopf von Griezmann, der aus zehn Metern sehenswert über Neuer hinweg ins Tor köpfte (62.).
Nun war das Löw-Team gefordert. Gnabry prüfte Lloris mit einem guten Abschluss vom Strafraumrand – viel mehr sprang für die DFB-Elf allerdings nicht mehr heraus.
Stattdessen bot sich dem Weltmeister die Chance, das Spiel zu drehen: Blaise Matuidi ging im Strafraum in den Zweikampf mit Mats Hummels. Der Bayern-Verteidiger setzte zur Grätsche an, traf allerdings weder Ball noch Gegner.
Stattdessen stieg Matuidi seinem Gegenspieler auf den Unterschenkel und rutschte dann weg – Schiedsrichter Mazic entschied trotzdem auf Strafstoß. Griezmann ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und verwandelte in die rechte Eck zum 2:1 (80.).
Mit Julian Brandt und Thomas Müller kamen in der Schlussphase noch einmal frische Kräfte, der Ausgleich gelang den Gästen dennoch nicht mehr.
Die Stimmen zum Spiel:
Reinhard Grindel (DFB-Präsident): "Die Mannschaft ist natürlich sehr enttäuscht, weil sie sich nicht belohnt hat für ein sehr gutes Spiel. Wir hätten einfach das zweite Tor nachlegen müssen. Es war eine sehr gute Mannschaftsleistung. Der Elfmeter ist natürlich bitter. Aber wir können die Gruppe A noch halten, auch wenn wir Schützenhilfe brauchen. Ich finde, dass wir ein Stück Umbruch gesehen haben, der Mut macht für die Zukunft. Was diese junge Mannschaft heute gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen. Man kann mit Zuversicht auf die nächsten Wochen schauen."
Joachim Löw (Trainer Deutschland): "Ich bin über das Ergebnis enttäuscht. Das 1:2 hätte nicht sein müssen. Aber auf der anderen Seite waren wir mit dem Weltmeister auf Augenhöhe, hätten das zweite Tor machen müssen. Wir sind für das sehr gute Spiel nicht belohnt worden. Nach dem 0:3 gegen die Niederlande war klar, dass wir Veränderungen vornehmen müssen. Diese Entscheidungen habe ich aus voller Überzeugung getroffen."
Antoine Griezmann (Frankreich): "Wir waren am Anfang überrascht, dass Deutschland hinten mit einer Dreierkette gespielt hat. Also mussten wir uns in der Kabine etwas besprechen und zwei, drei taktische Dinge umstellen. Danach wurde es besser. Wir sind Weltmeister geworden, weil jeder für den anderen mitgearbeitet hat - so war es auch heute. Nur so gewinnt man Spiele."
Manuel Neuer (Deutschland): "Es fühlt sich immer schlecht an, wenn man verliert. Das ist bitter und enttäuschend, vor allem, weil man gefühlt alles im Griff gehabt hat. Jogi und sein Team hatten einen klaren Plan, der grundsätzlich auch aufgegangen ist."
Nico Schulz (Deutschland): "Wir haben ganz gut gespielt, hinten ganz gut gestanden. Es ist für uns natürlich enttäuschend, dass wir hier nicht gewonnen haben. Wir haben wenig zugelassen, das ist gegen Frankreich auch nicht so einfach."
Serge Gnabry (Deutschland): "Ich denke, dass wir in keinster Weise schlechter waren als Frankreich. Wir haben das Spiel gut gestaltet. Hintenraus war es schwer. Wenn wir die Konter besser ausspielen, können wir sogar 2:0 in Führung gehen."
Der Tweet zum Spiel:
Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach und am Ende gewinnen die Franzosen?
Das fiel auf: Fünferkette überzeugt
Gegen die konterstarken französischen Weltmeister setzte der Bundestrainer auf eine Fünferkette, in der vor allem Thilo Kehrer und Nico Schulz als Außenverteidiger in der ersten Hälfte für Gefahr nach vorne sorgten. In der Zentrale sicherte das Bayern-Duo Mats Hummels und Niklas Süle im Verbund mit Matthias Ginter ab – was lange Zeit sehr gut funktionierte. Vor allem Süle überzeugte als Ersatz für den angeschlagen abgereisten Jérôme Boateng. Insgesamt fiel auf, dass die seit der WM so anfällige Defensive durch die dreifache Innenverteidigung gestärkt und sicherer erschien als zuletzt. Ein taktisches Konzept, das auch in Zukunft gegen starke Gegner wieder für Erfolg sorgen könnte.
Die Statistik: 6
Es ist bereits die sechste Pleite für die DFB-Elf im Jahr 2018 – vielleicht aber doch die unverdienteste und die, die Hoffnung machen könnte, auf Besserung. Dennoch: Sechs Länderspielpleiten in einem Jahr gab's in der Geschichte des DFB noch nie.
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