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Nations League - Joachim Löws Plan: Diese Spieler sollen gegen Niederlande knipsen

Löws Angriffsplan: Diese Spieler sollen gegen Oranje knipsen

13/10/2018 um 14:39

Wer schießt die Tore für Deutschland im zweiten Nations-League-Spiel gegen die Niederlande? Viele Optionen hat Bundestrainer Joachim Löw am Samstag (20:45 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) nicht, aber sein Team braucht dringend Treffer. Nach dem 0:0 im ersten Spiel gegen Weltmeister Frankreich muss ein Sieg her, um nicht in den Abstiegskampf zu geraten. Eurosport.de macht dem Angriffs-Check.

Der letzte Treffer eines echten Mittelstürmers im DFB-Team ist schon eine Weile her. Am 8. Juni 2018 traf Timo Werner beim Testspiel gegen Saudi-Arabien (2:1).

Danach war Flaute. Zumindest was die Treffer aus der Sturmspitze betrifft. In den fünf darauffolgenden Spielen erzielten mit Marco Reus, Toni Kroos und Julian Brandt drei Mittelfeldspieler sowie mit Nico Schulz ein Linksverteidiger die Tore.

Was auch daran lag, dass RB-Profi Werner in dieser Saison mit ein paar Formschwankungen zu kämpfen hatte. Seine ersten beiden Treffer gegen Hannover am 3. Bundesliga-Spieltag waren lediglich ein kurzes Aufflackern.

Toreffizienz im DFB-Team steigern

Danach traf er drei Mal nicht, ehe sich Werner am 7. Spieltag gegen Nürnberg mit seinem zweiten Doppelpack eindrucksvoll zurückmeldete. Rechtzeitig vor dem Spiel gegen die Niederlande, in dem Deutschland bereits unter Druck steht.

Aber Deutschlands Nummer eins im Sturm scheint die Nations League nicht richtig ernst zu nehmen. Bei "Sport 1" sagte Werner:

"Selbst, wenn wir absteigen würden, ändert sich ja nichts, wenn wir die EM-Qualifikation bestehen. Aber klar, dann wäre der Aufschrei wieder groß. Wichtig ist, dass wir durch die Quali durchmarschieren."

Seit seinem DFB-Debüt im März 2017 schoss Werner in 19 Länderspielen acht Tore - macht eine Quote von 0,42 Treffern pro Spiel. Nicht schlecht für einen 21-Jährigen. Aber bei der WM in Russland netzte er kein einziges Mal ein.

Bundestrainer Löw, der ihn seit zwei Jahren öfter im Stadion von RB Leipzig beobachtet hat, muss Werner wieder die nötige Stabilität im Nationalteam verleihen, damit der Angreifer seine Effizienz im DFB-Trikot steigern kann.

Timo Werner (Deutschland)

Timo Werner (Deutschland)SID

Dabei probierte Löw sogar eine neue Position für Werner aus, der sich die Bälle zuletzt weiter hinten abholte und über den linken Flügel kam, anstatt direkt ins Zentrum zu stoßen.

Werner bei "Sport 1" weiter:

"Wo genau ich vorne spiele, ist mir völlig egal. Die drei Positionen vorne drin sind in unserem System so flexibel, da kann jeder jede Position spielen und so wollen wir es auch. So, dass der eine mal über die Mitte und der andere über den Flügel kommt. Diese Variabilität erwartet der Bundestrainer auch von uns. Mir kommt das sehr entgegen, denn ich bin ein Spieler, der ungern einfach in der Mitte rumsteht und wartet. Ich suche auch gerne meine Wege nach außen und schaffe mir Platz."

Beim Nations-League-Auftakt gegen Frankreich (0:0) klappte dieses Experiment - mit Reus anstatt Werner in der Spitze - noch nicht. Auch deshalb wird Werner gegen die Niederlande wieder ins Sturmzentrum rücken.

Flankiert von Thomas Müller und Julian Brandt auf beiden Flügeln. Alternativ für Brandt wäre auch Leroy Sané denkbar, der die linke Seite beackert. Dann könnte Brandt ins Zentrum rücken, um den verletzten Marco Reus (Knieblessur) zu ersetzen.

Video - Zu lasches Training? Löw: "Mit Sicherheit nicht"

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Nur zehn Treffer in elf Spielen

Bleibt Brandt links, wäre Julian Draxler ein weiterer Kandidat fürs offensive Mittelfeld. Aber keiner dieser Spieler reicht im Moment auch nur annähernd an Reus heran, der sich zuletzt in überragender Form präsentierte.

Der BVB-Profi sollte eigentlich dabei helfen, das große Problem mit der Chancenverwertung beim viermaligen Weltmeister zu beheben, die Löw in den letzten Spielern immer wieder kritisierte.

In den vergangenen elf Länderspielen erzielte Deutschland lediglich zehn Treffer. Viel zu wenig für die hohen Ansprüche des Weltmeister-Teams von 2014.

Vor dem Spiel gegen die Niederlande in Amsterdam erklärte Löw:

"Wir müssen wieder die nötige Balance zwischen Abwehr und Angriff finden. Daran müssen wir weiter arbeiten. Wir müssen aus einer kompakten Defensive wieder schnell umschalten, das haben wir in der vergangenen Zeit etwas versäumt."

Löw weiter:

"Es ist richtig, dass wir zuletzt schon das Problem hatten, dass wir viele Chancen herausgespielt haben, aber das in der Verwertung, in der Effizienz manchmal nicht wie erhofft vor dem Tor realisieren konnten. Da hatten wir Probleme in manchen Spielen. Aber wir haben viele Spieler in der Offensive, die allemal in der Lage sind, um sich Chancen herauszuspielen, wenn sie richtig in Szene gesetzt werden, um wieder effizienter zu werden."

Im Gegensatz zu Werner, dessen Formkurve wieder nach oben zeigt, steckt Müller beim FC Bayern in der Krise. Der ehemalige Raumdeuter ist ein Abbild der aktuellen Situation beim Rekordmeister.

Leichtigkeit und Torgefahr sind abhanden gekommen. Am 29-Jährigen lässt sich die Torflaute im Nationalteam wohl am deutlichsten festmachen. Seinen letzten DFB-Treffer erzielte Müller im März 2018 gegen Spanien (1:1).

Joachim Löw

Joachim LöwGetty Images

Die WM 2018 war nach der EM 2016 das zweite torlose Müller-Turnier hintereinander. Löw stellt Müller trotzdem eine Startelf-Garantie gegen die Niederlande aus, obwohl er auch in den letzten fünf Bundesliga-Spielen kein Tor schoss.

Müller meinte kämpferisch:

"Wir sind alles Wettkampftypen und wollen drei Punkte gegen die Niederlande holen. Verlieren ist die Option, die wir nicht bevorzugen. Dementsprechend werden wir auch sehr viel investieren. Das gilt auch für mich."

Müller weiter:

"Wir haben jetzt die Zeit gehabt, um unsere geistige Frische wiederzufinden. Ich denke, dass man auch spürt, dass wir auf das Spiel am Samstag brennen."

Im 4-2-3-1-System von Löw könnte mit Brandt (22) auch ein Youngster die Kohlen aus dem Feuer holen. Der Leverkusener kann sowohl auf dem linken Flügel als auch im offensiven Mittelfeld spielen.

Seine Form passt. Beim letzten Testspiel gegen Peru erzielte Brandt die 1:0-Führung und markierte damit seinen zweiten Treffer im 20. Länderspiel. Für Bayer Leverkusen kommt er in der Bundesliga aber nur auf einen Assist.

Brandt: "Da habe ich Bock drauf"

Mit Blick auf die Nummer 10 auf dem DFB-Trikot erklärte Brandt in "Sport Bild":

"Ich weiß schon, was ich nun in der Nationalmannschaft auf dem Rücken trage. Es ist eine Nummer mit einer besonderen Bedeutung, und natürlich eine Ehre für mich."

Nach der verpatzten WM ist Brandt einer der neuen Hoffnungsträger im deutschen Team, der vor allem Tore vorbereiten soll: "Ich will ein Teil des Neuen sein, das vor uns liegt. Da habe ich Bock drauf."

Deshalb scheint ihm die Zehnerrolle in der Nationalmannschaft nach dem Özil-Rücktritt durchaus auf den Leib geschneidert zu sein - vor allem dann, wenn Reus wieder zurück ins Team auf die linke Offensivseite kehrt.

Bundestrainer Löw und Brandt

Bundestrainer Löw und BrandtEurosport

Weitere Spieler, auf die Löw seine Angriffshoffnungen setzt, sind Draxler und der bei der WM verschmähte Sané. Aber Draxler erzielte 2018 in sieben Spielen noch keinen einzigen Treffer für Deutschland.

Flügelflitzer Sané verfügt über ein unglaubliches Potenzial. Er will seine zweite Chance in der Nationalmannschaft nutzen, nachdem ihn Löw vor der WM in Russland überraschend aussortiert hatte.

Sané hofft auf mehr Einsatzzeiten

In seinen 13 bisherigen Länderspielen wurde der ManCity-Profi, der im Verein meist besser ist als im DFB-Team, sieben Mal ein- und drei Mal ausgewechselt. Ein Tor gelang ihm noch nivht. Nur ein Assist steht in seinen Statistiken.

Aber das Ziel ist klar: Auf der DFB-PK sagte der 22-Jährige:

"Ich hoffe, dass ich mehr Einsatzzeiten bekomme."

Wer letztendlich die Tore in der Nations League gegen die Niederlande schießt, ist Löw egal. Wahrscheinlich läuft alles auf Werner hinaus, der sich seine Bälle selber erkämpfen und mit Zuspielen gefüttert werden soll.

Wie gesagt, Bundestrainer Löw und seine Mannschaft benötigen dringend einen Sieg - und dafür braucht man Tore.

Voraussichtliche Mannschaftsaufstellungen:

Niederlande: Cillessen/FC Barcelona (29 Jahre/42 Länderspiele) – Dumfries/PSV Eindhoven (22/2), de Ligt/Ajax Amsterdam (19/9), van Dijk/FC Liverpool (27/21), Blind/Ajax Amsterdam (28/56) – Wijnaldum/FC Liverpool (27/50), de Jong/Ajax Amsterdam (21/2), Strootman/Olympique Marseille (28/42) – Promes/FC Sevilla (26/30), Depay/Olympique Lyon (24/40), Babel/Besiktas Istanbul (31/51). - Trainer: Koeman

Deutschland: Neuer/Bayern München (32/80) – Ginter/Borussia Mönchengladbach (24/20), Boateng/Bayern München (30/75), Hummels/Bayern München (29/67), Hector/1. FC Köln (28/40) – Kimmich/Bayern München (23/34) – Müller/Bayern München (29/96), Kroos/Real Madrid (28/88) – Brandt/Bayer Leverkusen (22/20), Werner/RB Leipzig (22/19), Sane/Manchester City (22/13). - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)

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