Nations League: DFB-Team trotz Gruppensieg mit klarer Mission: Darum geht es für Leroy Sané und Co. gegen Ungarn

Die deutsche Nationalmannschaft steht vor dem letzten Länderspiel des Jahres in Ungarn bereits als Sieger der Nations-League-Gruppe A3 und somit als Viertelfinalist fest. Der sportliche Wert der Begegnung wirkt auf den ersten Blick also überschaubar. Doch das Gegenteil ist der Fall: Bundestrainer Julian Nagelsmann und einige Edel-Reservisten erhoffen sich nämlich nachhaltige Erkenntnisgewinne.

Belanglos-Kick in Ungarn? Nagelsmann packt Spieler bei der Ehre

Quelle: SID

Julian Nagelsmann war merklich entspannt, als er am Montagabend im Presseraum der Puskás Arena Platz nahm, um sich den Fragen der anwesenden Journalisten zu stellen.
Verständlich, immerhin schlug der Bundestrainer mit dem Rückenwind des beflügelnden 7:0-Sieges gegen Bosnien und Herzegowina und dem damit sicheren Sieg in der Nations-League-Gruppe A3 in Budapest auf.
Da auch Gegner Ungarn (Platz drei hinter dem DFB-Team und den Niederlanden) an seinem Tabellenplatz nichts mehr ändern kann, ist das letzte Länderspiel des Jahres (20:45 Uhr im Liveticker) also nicht von allzu großer sportlicher Relevanz. Könnte man zumindest meinen.  
Doch Perfektionist Nagelsmann denkt nicht daran, die Zügel schleifen zu lassen – und einige seiner Spieler wären gut beraten, das Duell in der ungarischen Hauptstadt als willkommenes Schaufenster zu begreifen.
Worum es für das DFB-Team gegen Ungarn noch geht:

1) Entwicklung als Motivation

Nagelsmann machte auf der Pressekonferenz keinen Hehl daraus, dass eine großartige "extrinsische Motivation" aufgrund der in Stein gemeißelten Tabellenkonstellation nicht gegeben ist.
Also muss ein intrinsischer Antrieb her. "Wir ziehen die Motivation daraus, dass wir uns entwickeln wollen", erklärte der 37-Jährige und erinnerte an die verhältnismäßig wenigen Spiele, die er mit seinem Team auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bestreiten wird.
Die Mannschaft habe diesen Umstand laut Nagelsmann bereits "verinnerlicht". Der Bundestrainer weiter: "Wir haben keine große Zeittoleranz, wir dürfen nicht viel liegenlassen. Wir wollen gewinnen, aus Eigeninteresse."
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Julian Nagelsmann (M.) tütete mit seinem Team den Gruppensieg in der Nations League ein

Fotocredit: Getty Images

Nagelsmann, der in Abstimmung mit den jeweiligen Klubs einige Stammkräfte wie Florian Wirtz oder Jamal Musiala voraussichtlich schonen wird, nimmt sein Team dementsprechend in die Pflicht. "Siege sind immer wichtig für unser Verständnis. Wir sehen uns nicht so häufig, wir können nicht so viel ausprobieren", so Nagelsmann, der auch den Fans "im Stadion und an den Flat-Screens" zum Jahresabschluss noch einmal etwas bieten möchte.
Ein weiterer Sieg würde das erfreuliche Jahr 2024 (zehn Siege, drei Remis und nur eine Niederlage - im EM-Viertelfinale gegen Spanien) standesgemäß abrunden - und Trainer sowie Spieler mit einem positiven Gefühl in die beinahe viermonatige Länderspielpause verabschieden.

2) Sané darf sich zeigen

Leroy Sané wurde zu Saisonbeginn wieder einmal von einer Verletzung (Leisten-Operation) zurückgeworfen. Bei seinem Klub FC Bayern sprang die Konkurrenz um Neuzugang Michael Olise, Serge Gnabry und Kingsley Coman in die Bresche, in der Nationalmannschaft machten vor allem die beiden Ausnahmekönner Musiala und Wirtz die Absenz des Offensivmannes vergessen.
Mittlerweile hat sich Sané zurückgekämpft, zuletzt stand er gegen den FC St. Pauli erstmals in dieser Bundesliga-Saison in der Startelf, beim aktuellen DFB-Lehrgang profitierte er erst von der Verletzung Denis Undavs (Oberschenkelzerrung) und rückte nach.
Beim Schützenfest gegen Bosnien und Herzegowina durfte der gebürtige Essener schließlich ab der 58. Minute als Joker Werbung in eigener Sache betreiben.
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Leroy Sané und Kai Havertz (l.) jubeln gemeinsam gegen Bosnien und Herzegowina

Fotocredit: Getty Images

Ein Vorhaben, das durchaus gelang: Technisch anspruchsvoll verarbeitete der Bayern-Star einen hohen Ball von Kai Havertz und schob schließlich – unter gütiger Mithilfe von Bosnien-Schlussmann Nikola Vasilij – zum zwischenzeitlichen 6:0 ein.
"Er hat einen ähnlichen Eindruck bei uns gemacht wie bei Bayern zuletzt", sagte Nagelsmann, der Sané attestierte "frischen Wind ins Spiel" gebracht zu haben. "Ich erwarte Konstanz von ihm, das ist alles", formulierte der DFB-Coach seine Ansprüche an den Münchner, der er noch aus gemeinsamen Tagen in der bayrischen Landeshauptstadt bestens kennt: "Er ist ein Weltklassespieler. Dass er alles mitbringt und alles kann, ist seit Jahren bekannt."
Für Sané gehe es einzig und alleine darum, Rhythmus zu bekommen - sowohl bei seinem Verein als auch in der Nationalmannschaft. Den ersten Schritt auf seine Konstanz-Mission wird Sané gegen Ungarn gehen können: Nagelsmann stellte dem 28-Jährigen einen Einsatz von Beginn an in Aussicht.

3) Schon Nübels letzte Chance

Nach Manuel Neuers DFB-Rücktritt und aufgrund von Marc-André ter Stegens langwieriger Verletzung (Kreuzbandriss) konkurrieren derzeit mit Oliver Baumann und Alexander Nübel zwei formstarke Torhüter um den Platz zwischen den Pfosten.
Bis zur nächsten Länderspielpause im März möchte Nagelsmann eine Entscheidung zwischen dem Hoffenheimer und der Stuttgarter Bayern-Leihgabe treffen. Zu viel Rotation auf der Torwartposition sei Nagelsmann zufolge nämlich "nicht so dankbar".
Gegen Bosnien durfte sich Baumann beweisen, der frühere Freiburger wahrte in der alten Heimat die viel zitierte weiße Weste - auch, weil er eine bosnische Großchance durch Armin Gigovic sehenswert per Fußabwehr vereitelte (45.+1).
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Alexander Nübel (M.) und Oliver Baumann (r.) kämpfen um den Platz im DFB-Tor

Fotocredit: Getty Images

"Oli hat sehr gut gespielt", lobte Nagelsmann den 34-Jährigen, der das Rennen um die ter-Stegen-Vertretung laut "Bild" aktuell gegen Nübel anführt - auch weil er gegen die Niederlande (1:0) ebenso gegentorlos geblieben war, während der Stuttgarter in Bosnien-Herzegowina (2:1) hinter sich greifen musste. Nübel erhält in Ungarn somit die letzte Chance, doch noch an dem Routinier vorbeizuziehen.
"Ich bin mir sicher, dass Alex das morgen gut machen wird", prophezeite Nagelsmann. Diese Aussicht werde die Entscheidung nicht leichter machen. Im Großen und Ganzen schätze er sich allerdings glücklich, über derlei hoch qualifizierte Alternativen zu verfügen.
"Mir wird nicht Angst und Bange, wir werden eine gute Nummer eins und Nummer zwei haben, bis Marc-André zurückkommt", sagte der Bundestrainer. Mit Stefan Ortega (Manchester City) und Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) hat der DFB-Coach aber auch noch weitere Möglichkeiten in der Hinterhand.
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Nagelsmann nach 7:0: "Ich bin kein Heilsbringer"

Quelle: Perform


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