Vor 30 Jahren: Die Feuer-Hölle von Bradford

Am 11. Mai 1985 starben 56 Menschen bei einem Feuer im Stadion von Bradford City. Auch 30 Jahre später ist eine der größten Stadion-Katastrophen Englands noch nicht zu den Akten gelegt.

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Fotocredit: Eurosport

Als TV-Kommentator John Helm die ersten Flammen bemerkt, hat gerade die 41. Spielminute begonnen. "Da ist ein Feuer am Rand der Tribüne", sagt Helm, ganz rechts im Bild steigt schwarzer Rauch empor. Es ist der Beginn einer Katastrophe.
Drei Minuten später steht die gesamte Tribüne des englischen Fußball-Drittligisten Bradford City in Flammen, von einer Eckfahne zur anderen. Brennende Menschen laufen in Panik auf den Rasen, am Ende sind 56 Fußball-Fans tot. Einige sterben noch auf ihren Sitzen, so schnell breitet sich das Feuer aus.
Brandursache nie völlig geklärt
Wer sich die Bilder von der Stadion-Katastrophe am 11. Mai 1985 anschaut, braucht auch 30 Jahre später noch starke Nerven. Den Angehörigen der Opfer gelang es über Jahre, die verstörenden Filmaufnahmen unter Verschluss zu halten.
Wie genau es an jenem Samstag zu der Katastrophe kam, ist bis heute nicht geklärt. Wahrscheinlich war es eine achtlos weggeworfene Zigarette, die den angehäuften Müll unterhalb der uralten Holztribüne entzündete. Der starke Wind tat sein Übriges. Besonders bitter: Die Tribüne sollte nach dem Spiel abgerissen werden.
Denn eigentlich war der 11. Mai als Festtag geplant. Der Aufstieg der "Bantams" in die 2. Liga stand fest, das Valley-Parade-Stadion war zum letzten Heimspiel gegen Lincoln mit 11.000 Zuschauern fast ausverkauft, sogar Vertreter der Partnerstädte Mönchengladbach und Hamm waren angereist. Sie alle wurden Zeugen eines Dramas.
Verschlossene Türen als Todesfalle
Als Todesfalle erwiesen sich vor allem die verschlossenen Türen auf der Rückseite der Tribüne. Andere Zuschauer hatten mehr Glück. "Hunderte Fans entkamen ihrer eigenen Einäscherung, indem sie sich auf das Spielfeld retteten", schrieb der Spiegel und lobte beinahe prophetisch das Fehlen von Zäunen. Vier Jahre später in Sheffield waren es eben jene Zäune, die für die nächste Stadionkatastrophe sorgen sollten.
Heute sind die Wunden in Bradford noch immer nicht verheilt. Erst im April äußerte Martin Fletcher, der in den Flammen seinen Vater, Onkel sowie Großvater verlor, in einem Buch Zweifel an der offiziellen Version. Fletcher nennt acht verschiedene Brände in Gebäuden, die alle dem damaligen Bradford-Boss Stafford Heginbotham gehörten oder mit ihm im Zusammenhang standen. In den meisten Fällen kassierte Heginbotham Geld von der Versicherung.
Neue Untersuchung gefordert
Fletcher beschuldigt den inzwischen verstorbenen Heginbotham zwar nicht direkt, fordert aber eine neue Untersuchung des Unglücks. Andere Angehörige haben sich angeschlossen, auch Politiker. Sie alle erhoffen auf eine ähnliche Wende wie bei den jüngsten Untersuchung zur Katastrophe in Sheffield, wo die Polizei nach mehr als 25 Jahren Versäumnisse eingestand.
Die Toten von Bradford wird das nicht zum Leben erwecken, das weiß auch Fletcher. Das Andenken wird dennoch bis heute bewahrt. Am Stadion erinnern gleich zwei Gedenktafeln an jenen fatalen Tag, im Stadtzentrum steht ein Denkmal, in allen Stadien der Premier League gab es jüngst eine Schweigeminute.
Und John Helm? Der TV-Kommentator hat sich die Bilder aus Bradford bis heute nicht angeschaut, seine eigenen Worte nie wieder gehört. "Das kann ich einfach nicht", sagt Helm, der von neun Weltmeisterschaften berichtet und doch den 11. Mai 1985 nie mehr vergessen wird: "Ich hoffe, dass ich nie wieder in meinem Leben mit solch einer Situation konfrontiert werde."
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