Fußball auf über 4000 Metern: WM-Qualifikation unter Extrembedingungen - Bolivien mit neuer Spielort
VonFelix Eck
Update 06/09/2024 um 13:39 GMT+2 Uhr
Neymar klagte: "Es ist unmenschlich", während er mit einer Sauerstoffmaske in der Kabine saß. Und auch Maradona machte bereits Bekanntschaft mit der dünnen Luft in Bolivien. Jetzt bekam die Nationalmannschaft aus Venezuela die Höhe in noch extremerer Form zu spüren. Der haushohe Favorit, der in der WM-Qualifikation nach sechs Spielen auf Platz vier stand, verlor in El Alto überraschend 0:4.
Bolivien gewinnt WM-Quali gegen Venezuela
Fotocredit: Getty Images
Höher als die Zugspitze und näher am Himmel als der 3800 m hohe Großglockner in den österreichischen Alpen: Das Stadion Estadio Municipal de El Alto in Bolivien liegt 4150 m über dem Meeresspiegel und ist eine der höchstgelegen Spielstätten der Welt.
Hier darf Bolivien seit neustem auch Länderspiele seiner Fußballnationalmannschaft austragen. Manche sehen darin einen unfairen Vorteil, Bolivien hingegen kontert mit einer Matte im Eingangsbereich des Spielfeldes: "Wir spielen, wo wir leben."
Das erste Spiel in El Alto bestritt Bolivien in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in der WM-Qualifikation gegen den haushohen Favoriten aus Venezuela. Die Hausherren lagen mit nur einem Sieg aus fünf Spielen auf dem vorletzten Platz, während die Mannschaft aus dem Norden Südamerikas den vierten Platz belegte.
Vor der Begegnung reiste der Gast bereits einige Tage früher in die Anden, um sich zu akklimatisieren und auf die Höhe einzustellen. Dies nutze dem Favoriten bei einer sehr überraschenden 0:4-Niederlage allerdings wenig.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/09/06/image-80fa2527-c0c3-4fde-8c2a-4254fc4b4a8d.jpeg)
Bolivien spielt in einem der höchsten Stadien der Welt
Fotocredit: Getty Images
Neymar braucht Sauerstoffmaske
Viele sehen in der Höhenlage der Stadien einen Vorteil für Bolivien. Bereits 2007 hatte die FIFA wegen Gesundheitsbedenken und eines möglichen Wettbewerbsvorteils eine Maximalhöhe für Länderspiele von 2750 m erlassen, diese allerdings schnell wieder rückgängig gemachte.
Damals sprach der Chef des Bolivianischen Fußballverbandes von einer "Fußball-Apartheid".
Zu den Kritikern gehört auch Brasiliens Superstar Neymar, der 2017 mit einer Sauerstoffmaske für Instagram posierte: "Es ist unmenschlich, hier zu spielen. Platz, Höhe, Ball ... alles ist schlecht."
Dabei spielte Neymar beim 0:0 Unentschieden im Estadio Hernando Sieles auf 'gerade einmal' 3660 m Höhe in der Hauptstadt La Paz. Jetzt müssen die Gegner nochmals weitere 500 Höhenmeter zusätzlich verkraften.
Bolivien sieht psychologischen Vorteil
Oscar Villegas, der Trainer von Bolivien, sieht in der Höhe kein Problem: "Beim Fußball geht es um Details. Wir gewinnen nicht automatisch, weil wir das Stadion gewechselt haben", erklärte er vor dem Spiel.
"Wir werden so intensiv wie möglich spielen und ihnen zeigen, dass wir hier unschlagbar sind", fügte der Trainer hinzu. "Der psychologische und emotionale Aspekt wird uns sehr helfen."
Damit sollte Villengas recht behalten. Nach dem schwachen Start in die WM-Qualifikation nutzt Bolivien den vermeintlichen Vorteil gegen Venezuela gnadenlos aus. Es wird sich zeigen, ob sich die Höhe auch in künftigen Spielen als Matchwinner erweist.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Historischer Moment: Ronaldo knackt irre Tormarke bei Portugal-Sieg
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung