Reizfigur Mesut Özil: Wenn die Schultern wieder hängen...

Mesut Özil schwebt aktuell zwischen Himmel und Hölle. Mit Rückenwind im DFB-Team, aber mit einem regelrechten Sturm im Gesicht beim FC Arsenal wird seine Welt vor dem WM-Quali-Spiel mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Norwegen mal wieder durcheinandergewirbelt. Vor allem der Kampf mit seinen Kritikern in England droht den filigranen Mittelfeldspieler langsam aber sicher zu zermürben.

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Am vergangenen Freitag waren sie total egal, obwohl sie auch dort zu sehen waren und unverwechselbar zur "Körpersprache" von Mesut Özil gehörten. 94 Prozent seiner Pässe kamen an, im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft, die Tschechien in der WM-Qualifikation mit 2:1 besiegte, war der 28-Jährige Dreh- und Angelpunkt. Mit feinem Fuß bereitete er das 1:0 von Timo Werner vor.
Keiner sprach und spricht vor dem Duell mit Norwegen (20:45 Uhr im Liveticker) von den ominösen "hängenden Schultern".
In England, dort wo Özil seit 2013 für den FC Arsenal kickt, sind sie in Presse und bei Experten hingegen das Dauerthema und gelten mittlerweile als Sinnbild eines Spielers, der sich in wichtigen Spielen versteckt, nicht bereit ist zu kämpfen. In diesen Tagen, in denen vor allem Enttäuschung im Umfeld der Gunners vorherrscht, mehren sich die negativen Schlagzeilen wieder besonders. Was Özil auch versucht, den Makel mit den Schultern wird er nicht los.

In die Offensive bei Instagram

Arsenal hat die Qualifikation für die Champions League verpasst, auf dem Transfermarkt keine Erfolge erzielt und den Saisonstart verbockt, ehemalige Spieler wie Thierry Henry nehmen Özil ins Kreuzfeuer. Der Druck ist immens.
Um die Wogen zu glätten, ging Özil am Samstag in die Offensive und veröffentlichte auf seinen Social-Media-Portalen ein 700-Wörter-Statement zur neuen Saison. Tenor: "Hört auf zu reden und unterstützt uns lieber!" Er sei die ewige Kritik an seiner Person leid und sowieso stolz, das Arsenal-Trikot zu tragen.
Es bedarf keiner spezifischen psychologischen Kenntnisse, um festzustellen, dass es schon lange in Özil brodelt. In diesem Zusammenhang fällt auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Manifests auf, der eindeutig kurz nach dem Ende der Wechselfrist lag. Warum kam das Bekenntnis nicht früher?
Seit einem halben Jahr will Arsenal gerne mit Özil verlängern, doch dieser blockte bislang ab. Noch am Freitag waren Gerüchte hochgekocht, der FC Barcelona, Özils Traumverein seit Kindertagen, wolle ihn "Last-Minute" verpflichten. Und laut "kicker" hatte es tatsächlich Gespräche zwischen Verein und Özil-Seite gegeben!
Am Ende soll der Transfer nur an den finanziellen Vorstellungen beider Vereine gescheitert sein. Özil ist in London noch bis 2018 unter Vertrag, dem Vernehmen nach wollte Barca nicht mehr als 50 Millionen Euro zahlen.

Warum unterschreibt er nicht?!

Dass Özil seinen Verein so lange hat zappeln lassen, wird ihm vor Ort verständlicherweise übelgenommen. In dieser Phase sehnen sich Fans und ehemalige Spieler, die Arsenal gelebt haben, nach Akteuren, die voll und ganz zu ihrem Verein stehen. Da passt ein "Schönspieler", der bis zuletzt sowieso hoffte, noch woanders unterzukommen, eben nicht ins Bild.
"Ein Spieler, der auf dem Rasen nicht wirklich seine Leistung abruft, tritt hervor, appelliert an andere und unterschreibt keinen neuen Vertrag. Das ist lächerlich!", sagte Arsenal-Ikone Ian Wright am Sonntag gegenüber "BBC Radio 5 Live" zum Reizthema Özil.
Wright kritisierte besonders die weiter ausbleibende Verlängerung des auslaufenden Vertrages. "Unterschreib' einen Vertrag, wenn es dich so sehr beschäftigt, wenn andere das Team kritisieren! Denn du bist wesentlich für den Erfolg von Arsenal. Wenn du so stark empfindest, warum unterschreibst du dann nicht?", fragte der 53-Jährige provokant.

Auf die Stärken besinnen

Es wird spannend zu verfolgen, wie Özil es in England schafft, vom Jungen mit den hängenden Schultern zum Mann mit der breiten Brust zu werden. Wie immer bei Fußballern geht es weniger über Statements, sondern nur über den Fußball, die Leistung auf dem Platz.
Mit seiner überragenden Technik kann er - wie in der Nationalmannschaft - den Unterschied ausmachen und ist eminent wichtig für jedes Team. Besinnt er sich auf seine Stärken, wird er auch bei Arsenal wieder Rückenwind bekommen.
Ist er jedoch nicht bereit, sich komplett auf die Aufgabe mit Arsenal mitsamt Gegenwind einzulassen, steht ihm eine schwere Saison bevor, an deren Ende er wohl komplett zermürbt das Weite suchen wird.
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