Deutsche Nationalmannschaft: Julian Nagelsmanns selbstgemachte Probleme - Experimente und fehlende Struktur belasten DFB-Elf

Julian Nagelsmann experimentiert derzeit viel mit der deutschen Nationalmannschaft. Systemwechsel, ungewöhnliche Rollenverteilungen und ständige Umstellungen verhindern Stabilität und Automatismen. Spieler wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder Jamie Leweling werden nicht auf den passenden Positionen eingesetzt. Die Folge: Überschaubare Leistungen der DFB-Elf in den vergangenen Partien.

Nagelsmann: "Donnerstag lag noch alles in Schutt und Asche"

Quelle: Perform

Es war eine durchaus ungewohnte Atmosphäre: Als die deutsche Nationalmannschaft beim zweiten WM-Qualifikationsspiel in Köln zur Halbzeit gegen Nordirland (1:1) in die Kabine ging, begleiteten Pfiffe den Weg der Spieler.
Die DFB-Anhänger hatten genug von einem blutleeren Auftritt, der zu wenige Torchancen, kaum Spielfluss und erneut große Unklarheit im System bot. Am Ende stand zwar ein 3:1-Sieg, doch die Probleme traten deutlich zutage - und sie scheinen zu einem großen Teil selbstgemacht.
Das DFB-Team stand bereits nach dem 0:2 gegen die Slowakei in der Kritik. Im Zentrum ist hier auch Bundestrainer Julian Nagelsmann. Denn anstatt Kontinuität zu schaffen, erschwert der 38-Jährige der Nationalelf die Arbeit durch viele Experimente.
Systemwechsel, unklare Rollenverteilungen und Umstellungen prägen die Auftritte des Teams. Nicht nur die Niederlage gegen die Slowakei und der holprige Sieg über Nordirland, bei dem es lange an Torgefahr mangelte, sind sichtbare Symptome dieser Unruhe.
Besonders irritierend wirken die Positionsentscheidungen. Joshua Kimmich, der auf der rechten Seite zuvor in der Nationalmannschaft herausragende Leistungen zeigte, wird wieder als Sechser eingesetzt. Leon Goretzka durfte gegen die Slowakei im offensiven Mittelfeld auflaufen - eine Rolle, die nicht seinem Profil entspricht.

Chancen auf klare Strukturen vergeben

Auch andere Spieler müssen sich in Aufgaben einfinden, die ihren Stärken kaum entsprechen: Jamie Leweling etwa als Schienenspieler, obwohl er auf dem Flügel seine Qualitäten hat.
Die Konsequenz ist ein Spiel ohne klare Automatismen. Eine Nationalmannschaft hat ohnehin nur wenig gemeinsame Trainingszeiten und Spiele, weshalb wiederholte Umstellungen die Entwicklung erschweren.
Eine eingespielte Viererkette, eine funktionierende Doppelsechs und klare Abläufe im Angriff wären entscheidend, um Stabilität zu schaffen. Stattdessen sorgt der ständige Wechsel zwischen Vierer- und Dreierkette sowie die Neubesetzung zentraler Rollen für Unsicherheit.
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Was tun? Julian Nagelsmann

Fotocredit: SID

DFB-Team gegen Nordirland phasenweise einfallslos

Die Folge: Deutschland wirkte auch im Nordirland-Spiel über weite Phasen einfallslos und unkreativ. Natürlich hat Nagelsmann mit zahlreichen Ausfällen von Leistungsträgern zu kämpfen, dennoch verpasst es der Bundestrainer aktuell, eine Struktur und ein klares Spielkonzept zu installieren.
Das überrascht durchaus, schließlich war genau das der Punkt, in welchem der 38-Jährige die Nationalelf im vergangenen Jahr wiederbelebte.
Denn Fakt ist auch: Das Personal gibt es trotz der Verletzungen von Nico Schlotterbeck, Jamal Musiala und Kai Havertz durchaus her, ein klares System mit eindeutigen Rollen für die laufende WM-Qualifikation zu etablieren.

Matthäus bemängelt "immer wieder neue Abläufe"

Lothar Matthäus sagte dazu im Interview mit der "Bild": "Taktik und Aufstellung haben mich überrascht. Ich denke, die Grundformation sollte ein 4-2-2-2 sein, so wie es Nagelsmann zu RB-Zeiten auch teilweise spielen ließ. Es gibt bei ihm sehr viele taktische Änderungen, Verschiebungen während der Spiele, immer wieder neue Abläufe."
"Ich kann von einem Collins nicht im ersten Länderspiel erwarten, dass er gut agiert, wenn er sich komplett umstellen muss und Dinge in einem System verlangt werden, das er normal in Frankfurt nicht spielt."
Das Potenzial ist also da - es muss nur richtig genutzt werden. Ein Serge Gnabry, der beim FC Bayern in der Rolle hinter der Spitze überzeugte, könnte bei Deutschland Musiala ersetzen und zusammen mit Florian Wirtz jenes variable Offensivduo bilden, welches Musiala zuvor mit dem Liverpool-Star auf den Platz brachte.

Kimmichs Positionswechsel macht sich bemerkbar

Auf den Außenbahnen stehen passende Flügelspieler zur Verfügung, während die Doppelsechs wie schon bei der EM im vergangenen Jahr aus komplementären Typen bestehen sollte, um Balance zu schaffen.
Spieler wie Angelo Stiller und Robert Andrich bringen jenes Profil durchaus mit. Dass anstelle des zuvor überzeugenden Rechtsverteidigers Kimmich zunächst Collins und später Jamie Leweling als Schienenspieler eingesetzt wurden, sorgte für Veränderungen auf einer Position, die zuletzt eigentlich Stabilität vermittelt hatte.
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Unglücklicher Auftritt: Nnamdi Collins

Fotocredit: SID

Matthäus fordert Mentalitätsspieler

Matthäus erklärte in dem Zusammenhang: "Ich habe vor zwei Wochen eine Top-Elf gemacht, bei der mehr Spieler aufgestellt waren, die über die Mentalität kommen. Ich denke an Andrich, Anton, auch Schlotterbeck, wenn er fit ist. Das sind Mentalitätsspieler."
Mit klarer Rollenverteilung und weniger Experimenten könnte die Mannschaft ihre Leistung wesentlich konstanter auf den Platz bringen.
Julian Nagelsmann hat das Problem derzeit weniger in der Qualität seiner Spieler - das betonte er nach der Slowakei-Niederlage, als er sagte: "Vielleicht müssen wir auf weniger Qualität setzen, sondern auf Spieler, die alles reinwerfen." Er ergänzte zudem: "Ich kann dieses ‚Qualität, Qualität‘ nicht mehr hören!"
Will die DFB-Elf jedoch rechtzeitig Stabilität finden, braucht es weniger Systemwechsel, klare Rollen - und das Vertrauen darauf, dass die besten Spieler auch auf ihren geeigneten Positionen spielen.
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Nagelsmann spricht von "Hyänen im Busch"

Quelle: Perform


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