Drei Dinge, die beim Deutschland-Sieg gegen Luxemburg in der WM-Quali auffielen: Na bitte, es geht doch!
Update 11/10/2025 um 10:00 GMT+2 Uhr
Mit einem souveränen 4:0 (2:0) in der WM-Qualifikation gegen Luxemburg fährt die deutsche Nationalmannschaft in Sinsheim einen Pflichtsieg ein und überzeugt dabei wieder. David Raum, Joshua Kimmich (2) und Serge Gnabry treffen für ein DFB-Team, das Haltung zeigt, Struktur findet und Stabilität ausstrahlt. Das ist nicht zauberhaft, bringt aber eine wichtige Erkenntnis. Drei Dinge, die auffielen.
"Eigentlich im Tor": Kimmich scherzt über Positionsdebatte
Quelle: Eurosport
Ein Pflichtsieg mit Wirkung: Beim klaren 4:0 (2:0) gegen Luxemburg fand die deutsche Nationalmannschaft ihren Torriecher wieder - und ein Stück Normalität. David Raum, Kapitän Joshua Kimmich und Serge Gnabry trafen für das Team von Julian Nagelsmann, das nach der Blamage in der Slowakei endlich wieder Kontrolle, Spielfreude und Konsequenz zeigte.
Raum eröffnete mit einem direkt verwandelten Freistoß, Kimmich legte per Handelfmeter und nach einer Ecke nach, Gnabry traf aus dem Spiel heraus - ein wohltuendes Signal.
Die Partie war früh entschieden: Nach der Roten Karte gegen Luxemburgs Dirk Carlson (20.) spielte Deutschland über 70 Minuten in Überzahl und blieb erstmals in diesem Jahr ohne Gegentor. Vor 25.249 Zuschauern in der ausverkauften Sinsheimer Arena präsentierte sich die DFB-Elf dominant und diszipliniert.
Mit nun sechs Punkten sind die Chancen auf das direkte WM-Ticket weiter voll intakt. Doch Nagelsmann weiß: Sein zweijähriges Dienstjubiläum wird er nur entspannt feiern können, wenn seine Mannschaft am Montag (20:45 Uhr im Liveticker) in Belfast gegen Nordirland nachlegt.
Der Jahresabschluss führt die Nationalelf im November nach Luxemburg und zum Wiedersehen mit der Slowakei in Leipzig.
Drei Dinge, die uns in Sinsheim auffielen.
1.) Na bitte, es geht doch!
Julian Nagelsmann wollte ein anderes Gesicht sehen - und bekam es. Kein verkrampftes Arbeiten an der eigenen Erwartung, sondern ein entschlossener, gemeinschaftlicher Auftritt. Von Beginn an lag Energie in den Bewegungen, Selbstverständlichkeit im Passspiel, Ernsthaftigkeit in jeder Aktion.
"Die Intensität war immer ganz oben, der Sieg war völlig verdient, das hat Spaß gemacht. Die Art und Weise war überzeugend", lobte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger. Das Spiel wirkte nicht aufgesetzt, sondern organisch gewachsen. Die Mannschaft trat auf, als hätte sie verstanden, dass die Haltung stimmen muss. Das Spiel war kein Feuerwerk, aber es hatte Struktur und Biss. Das Gegenpressing griff, die Wege stimmten, die Kommunikation auf dem Platz war lauter, direkter.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/10/image-db04e268-6f25-4231-8c3d-612e15cbc90d.jpeg)
WM-Qualifikation: Die deutsche Nationalmannschaft um Kapitän Joshua Kimmich (Mitte) schlägt Luxemburg klar
Fotocredit: Getty Images
"Die Gier war gut. Das eine oder andere Tor hätten wir noch mehr machen können, aber es war natürlich ein verdienter Sieg", resümierte Nagelsmann. Jeder Ballverlust wurde kollektiv beantwortet - mit Laufbereitschaft statt Lethargie.
Nach den müden Phasen der vergangenen Spiele war dieser Unterschied fast greifbar. Nagelsmanns Idee, alle nominierten Bayern gemeinsam starten zu lassen, verlieh Stabilität. Der Ball lief sicherer, die Staffelung wirkte klar, es wurde keine Torchance zugelassen: "Es war wichtig, dass wir von Anfang an da waren. Wir waren griffig, wir waren scharf. Wir haben nichts zugelassen."
Besonders auffällig: die emotionale Disziplin. Keine Überhitzung, keine Nachlässigkeit nach der frühen Führung, sondern kontrollierte Konsequenz. Das Team spielte, als wolle es zeigen, dass Professionalität kein Widerspruch zu Leidenschaft ist. In diesen Minuten wirkte die Nationalmannschaft wieder wie eine Einheit.
Auch, dass Kimmich wieder rechts hinten agierte, passte sehr gut. Sinsheim war kein Ort des Triumphes, sondern des Vertrauens. Genau das hatte Nagelsmann gemeint, als er "Energie" forderte - nicht Hektik, sondern Überzeugung.
2.) Luxemburg ist kein Maßstab
So überzeugend der Auftritt war, so zwingend bleibt die Einordnung. Luxemburg spielte ab der 18. Minute in Unterzahl, verteidigte in zwei engen Linien und tat das, was kleine Nationen gegen große tun: den Raum verdichten, den Rhythmus brechen, das Spiel verlangsamen.
Dass Deutschland damit umgehen konnte, war Pflicht - kein Prüfstein. Und doch steckt in dieser Pflicht das Entscheidende: Früher tat sich die DFB-Elf gerade mit solchen Gegnern schwer, verlor Geduld, Tempo, Fokus. Diesmal nicht.
Die Partie blieb über weite Strecken einseitig, aber sie kippte nie ins Zufällige. Das spricht für Stabilität. Nagelsmanns Mannschaft kontrollierte, sie verwaltete. Das klingt nüchtern, ist aber Fortschritt. Denn hinter dem klaren Ergebnis steht etwas, das in den letzten Monaten gefehlt hatte: Berechenbarkeit im besten Sinne. Deutschland spielte nicht perfekt, aber verlässlich.
Und trotzdem: Wer dieses 4:0 überhöht, macht den Fehler, den Bastian Schweinsteiger im TV ansprach: "Wir dürfen Luxemburg nicht mit großen Nationen vergleichen."
Gegen Weltklassegegner wird die Dynamik eine andere sein - mehr Druck, weniger Raum, andere Prüfungen. Noch fehlt die kreative Schärfe, das instinktive Kombinieren auf engem Raum. Doch als Standortbestimmung war Sinsheim wertvoll: Kein Zauber, aber Kontrolle.
3. Zwei Gesichter: Gnabry glänzt, Woltemade sucht sich
Serge Gnabry war an diesem Abend die Verkörperung dessen, was Nagelsmann fordert: Mut, Stärke, Leidenschaft. Aber ohne Pathos, ganz pragmatisch auf dem Platz. Seine Laufwege aus der Zentrale heraus stimmten, seine Körpersprache war präsent, seine Aktionen zielstrebig. Beim 3:0 krönte er einen Auftritt, der zu seiner hervorragenden Form passt.
Und bemerkenswert: Auch gegen den Ball arbeitete er diszipliniert, sprintete weit zurück, schloss Passwege, half seinem Außenverteidiger - das Gesamtpaket eines Spielers, der wieder Verantwortung übernimmt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/10/image-a21c9bd1-079f-4526-b256-371cad1838bb.jpeg)
Serge Gnabry zeigt sich auch beim DFB-Team in bestechender Form
Fotocredit: Getty Images
"Er ist konstant auf hohem Niveau. In der zentralen Rolle fühlt er sich noch wohler, er ist einer bestechenden Form", lobte Schweinsteiger. Nach 68 Minuten durfte er raus, begleitet von Applaus. "Er war ein sehr gutes Vorbild, was Umschaltsituationen anging. Er bleib nicht stehen, geht im Sprint mit nach hinten, offensiv ist er sowieso super drauf", beobachtete Nagelsmann.
Nick Woltemade dagegen erlebte einen anderen Abend. Bemüht, einsatzfreudig nach seiner Erkältung, aber ohne Ertrag. Er suchte Räume, ließ sich fallen, wich auf die Flügel aus und zeigte damit, was ihn gleichzeitig stark und angreifbar macht: Er ist kein klassischer Mittelstürmer, sondern bleibt eher ein Verbindungsspieler.
Doch genau dort, im offensiven Halbraum hinter der Spitze, ist das DFB-Team gut besetzt - mit Florian Wirtz, der in Sinsheim zumindest etwas Selbstvertrauen tankte, momentan auch Gnabry, Aleksandar Pavlovic sowie Leon Goretzka und natürlich dem derzeit noch verletzten Jamal Musiala.
Die Frage drängt sich auf: Wo kann Woltemade in dieser Mannschaft am wertvollsten sein? Als spielintelligenter Neuner, der Lücken reißt, oder als Joker für spezielle Szenarien? Momentan spricht wenig für eine feste Rolle, eher für Geduld.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/10/image-d65dfb62-5816-4a42-8294-bff0761f6c30.jpeg)
Fleißig, aber torlos: Nick Woltemade gegen Luxemburg
Fotocredit: Getty Images
Seine Physis, seine Übersicht, seine Spielreife machen ihn weiterhin spannend, aber noch nicht unersetzlich. So erzählt der Abend von Sinsheim auch seine Geschichte: Der eine hat seinen Rhythmus zurück, der andere sucht noch die richtige Spur.
Und beide sind - auf ihre Weise - Teil eines Prozesses, den diese Nationalelf gerade endlich wieder sichtbar macht.
Das könnte Dich auch interessieren: Mit zwei Bayern-Stars: Frankreich siegt glanzlos gegen Aserbaidschan
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/11/image-40beca53-c491-431b-a67d-7a270452c2a0-85-2560-1440.jpeg)
DFB-Team als Spitzenreiter nach Belfast: Nagelsmann gibt klaren Auftrag
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung