WM-Qualifikation: Italien droht drittes Fiasko - Sorgen bei Squadra Azzurra vor Playoff-Halbfinale gegen Nordirland
Update 26/03/2026 um 12:24 GMT+1 Uhr
Zum ersten Mal seit der WM 2014 will die italienische Nationalmannschaft im kommenden Sommer wieder bei einer Weltmeisterschaft vertreten sein. Den ersten Schritt will die Squadra Azzurra am Donnerstagabend im Playoff-Halbfinale gegen Nordirland machen. Ein altbekanntes Problem bereitet dem viermaligen Weltmeister jedoch große Kopfschmerzen: Die Stürmernot könnte nämlich kaum größer sein.
Italien-Trainer Gattuso: "Wichtigstes Spiel meiner Karriere"
Quelle: Perform
Am Donnerstagabend in der New Balance Arena zu Bergamo (20:45 Uhr im Liveticker) steht nichts weniger als das Schicksal des italienischen Fußballs auf dem Spiel. Wieder einmal.
Zum dritten Mal nach 2018 und 2022 muss sich Italien in den Playoffs für die Weltmeisterschaft behaupten. Nach den schmachvollen Niederlagen gegen Schweden vor acht Jahren und Nordmazedonien vier Jahre später, soll nun im Halbfinale gegen Nordirland und in einem möglichen Endspiel gegen Wales oder Bosnien & Herzegowina endlich die Erlösung folgen.
Ausgerechnet vor diesem Showdown bereitet dem viermaligen Weltmeister aber ein altbekanntes Problem große Sorgen.
WM-Qualifikation
Conte bringt sich als italienischer Nationaltrainer ins Spiel
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In der Offensive vermisst Nationaltrainer Gennaro Gattuso schmerzlichst einen Stürmer, auf den im entscheidenden Moment Verlass ist.
Von Inazghi zu Kean: Wo sind Italiens Top-Stürmer?
Es ist eine Statistik, die besonders tief ins italienische Herz sticht: Das letzte K.o.-Spiel der Squadra Azzurra im Rahmen einer Weltmeisterschaft datiert auf den 9. Juli 2006. Seit dem im Elfmeterschießen gewonnenen Finale gegen Frankreich verkam die WM für die stolze Fußball-Nation zum wiederkehrenden Trauma.
Ein Blick auf jenen goldenen Abend in Berlin fasst die aktuelle Notlage vortrefflich zusammen. Vor 20 Jahren hatten die Azzurri mit Luca Toni, Filippo Inzaghi, Alessandro del Piero und Alberto Gilardino gefürchtete Stürmer in ihren Reihen. Heute gleicht die italienische Offensive einem zahnlosen Tiger.
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Mateo Retegui (Mitte) und Gianluca Scamacca (rechts) bereiten in der italienischen Offensive Sorgen
Fotocredit: Getty Images
In der Startelf gegen Nordirland werden aller Voraussicht nach Moise Kean und Mateo Retegui gesetzt sein. Etwas Besseres ist nicht drin.
Mit acht Toren in 25 Spielen ist Kean, der für das abstiegsbedrohte Fiorentina stürmt, der erfolgreichste italienische Stürmer in den Top-10-Ligen Europas und zugleich eine absolute Wundertüte. Retegui folgte im vergangenen Sommer dem Lockruf des Geldes und wechselte zu Al-Qadsiah in Saudi-Arabien.
Gianluca Scamacca gilt als einer der Lieblinge von Gattuso, der 27-Jährige fällt aber wohl aufgrund einer Adduktorenverletzung aus. Eine große Hilfe wäre er mit Blick auf seine momentane Form jedoch nicht gewesen: Im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Bayern tauchte der Atalanta-Star in beiden Spielen komplett ab (1:6/1:4).
Unterschiedsspieler im Sturmzentrum - es gibt sie zurzeit nicht.
Italien in Stürmernot: Das Retegui-Dilemma
Es ist ein altes Problem, welches durch den EM-Titel im Sommer 2021 kaschiert wurde. Die beiden einzigen Tore eines nominellen Stürmers erzielte Ciro Immobile in der Gruppenphase gegen die Türkei (3:0) und Wales (3:0). Danach sorgten die Flügelstars Federico Chiesa und Lorenzo Insigne für die Höhepunkte.
Völlig blenden ließ sich der damalige Nationaltrainer Roberto Mancini aber nicht. Händeringend suchte der Coach nach einer verlässlichen Tormaschine für seine Mannschaft - und musste dafür bis nach Argentinien gehen.
Dort hatte sich der bis dahin unbekannte Retegui zum Torschützenkönig der Primera División gekrönt und verdiente sich dank seiner italienischen Wurzeln im März 2023 seine erste Nominierung für die Nationalmannschaft. Beim Debüt gegen England (1:2) sowie drei Tage später gegen Malta (2:0) traf Retegui und bestätigte Mancini in seiner Entscheidung.
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Mateo Retegui steht bei der italienischen Nationalmannschaft schon seit Jahren im Fokus
Fotocredit: Getty Images
Im darauffolgenden Sommer wechselte er nach Genua, ein Jahr später ging es zu Atalanta. Dort machte er den nächsten Schritt und avancierte in der Saison 2024/25 mit 25 Treffern zum Torschützenkönig der Serie A - nur um im Juli 2025 Reißaus in Richtung Saudi-Arabien zu nehmen.
Verbandspräsident Gabriele Gravina konnte seinen Wechsel nicht nachvollziehen. "Es tut uns leid für Mateo und uns selbst. Wir verlieren einen Spieler, der einen wichtigen Beitrag für die Nationalmannschaft leistet", meinte er. Man werde ihn "im Auge behalten".
Alles deutete also darauf hin, dass Retegui keine Zukunft in der Squadra Azzurra haben werde. Doch weit gefehlt: Italien ist nun angewiesener denn je auf einen Stürmer, der sein Geld fernab der europäischen Top-5-Ligen verdient. Ein Armutszeugnis.
WM-Playoffs: Ganz Italien bibbert
Die akute Stürmernot ist aber ein Problem des Verbandes und seiner Nachwuchsarbeit - und keines, welches Gattuso während seiner seit Juni 2025 laufenden Amtszeit hätte beheben können.
Der Weltmeister von 2006 will aber keine Ausreden gelten lassen. "Unser Fokus liegt auf dem Spiel am Donnerstag, auf nichts anderem: Weder darauf, dass wir vier Weltmeistertitel gewonnen haben, noch darauf, dass wir seit 2014 nicht mehr bei einer WM waren."
Doch auch Gattuso ist bewusst, dass der Playoff-Pfad mit Nordirland, Wales und Bosnien alles andere als ein Selbstläufer ist. Daher zeigte er sich dafür dankbar, dass das Halbfinale in der kleineren New Balance Arena (ca. 23.000 Zuschauer) und nicht etwa im San Siro (ca. 75.000) ausgetragen wird.
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Gennaro Gattuso zittert mit der italienischen Nationalmannschaft um die Qualifikation für die WM 2026
Fotocredit: Getty Images
"Ich danke Präsident Gravina, dass er mich in dieser Angelegenheit unterstützt hat. In einem größeren Stadion entstehen schneller Unruhe und Spannungen, wenn es nicht läuft", merkte er an. Eine vielsagende Maßnahme, die unterstreicht: Selbst dem einstigen Leader zittern die Knie.
Bis zum Anpfiff wird Gattuso angesichts der Gefahr, zum dritten Mal in Folge zum Gespött des Weltfußballs zu werden, vor allem als Psychologe gefordert sein. "Die Jungs müssen lockerer werden", so der 48-Jährige, in dieser Drucksituation gehe es vor allem darum, die Sinne zu schärfen: "Wir müssen einen klaren Kopf bewahren und die Gefahr erkennen. Unsere Schwäche ist, dass wir die Gefahr oft nicht erkennen."
Und deswegen bibbert ganz Italien schon wieder um die WM.
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(mit SID)
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Quelle: Perform
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