WM 2022 - Deutschland nach Aus am Boden: Thomas Müller stimmt Abschied an, Hansi Flick schonungslos - Reaktionen

Nach dem WM-Aus in Katar sitzt der Frust bei der deutschen Nationalmannschaft tief. Bundestrainer Hansi Flick brachte seine Enttäuschung über das erneute DFB-Debakel auf der großen Bühne zum Ausdruck und erklärte, dass der Mythos der Turniermannschaft endgültig verpufft sei. Thomas Müller stimmte indes Worte des Abschieds an. Die Reaktionen zum deutschen WM-Aus gegen Costa Rica.

Kai Havertz und Co. schieden in Katar aus

Fotocredit: Getty Images

"Ich war in der Halbzeit sehr sauer. Das habe ich der Mannschaft auch deutlich gesagt", gab Hansi Flick am "Magenta"-Mikrofon zu Protokoll und brachte seine Enttäuschung über den verpassten Einzug ins Achtelfinale zum Ausdruck.
Während der Bundestrainer und Oliver Bierhoff nun gemeinsam mit dem DFB die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft anpacken wollen, ließ mit Thomas Müller einer der Routiniers seinen möglichen Abschied anklingen.
"Ich weiß auch nicht genau, wie es weitergeht", erklärte Müller und richtete sich an die Fans vor den heimischen Bildschirmen. "Wir haben unglaubliche Momente zusammen gehabt. Ich habe immer versucht, mein Herz auf dem Platz zu lassen."
Kapitän Manuel Neuer will die große Enttäuschung hingegen erst einmal sacken lassen und wies etwaige Spekulationen über seine Zukunft von sich.
Die Stimmen zum WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft in der "ARD" und bei "MagentaTV":

Thomas Müller (Deutschland) über ...

... das Spiel gegen Costa Rica: "Am Ende war die Effizienz nicht gut genug, um das Wunder zu schaffen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht für die realisitischen Szenarien: Unentschieden und Sieg für Spanien. Es ist ein bisschen ein Ohnmachtsgefühl. Man kann der Mannschaft nichts vorwerfen. Das gesamte Unglück ist mit dem Spiel gegen Japan passiert."
... Spaniens Niederlage gegen Costa Rica: "Über Spanien brauchen wir nicht zu diskutieren. Das ist am Ende völlig egal. Wir können das Spiel von Spanien nicht beeinflussen. Man kann sich bei einer Weltmeisterschaft nicht so einfach ein 7:0 wünschen." "Das ist alles Schall und Rauch. Die Enttäuschung ist enorm."
... zu seiner Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft: "Es ist eine absolute Katastrophe. Ich weiß auch nicht genau, wie es weitergeht. Falls das mein letztes Spiel für Deutschland gewesen sein sollte, möchte ich noch ein paar Worte an die Fans richten, die mich jahrelang unterstützt haben. Es war ein enormer Genuss. Liebe Leute, vielen Dank. Wir haben unglaubliche Momente zusammen gehabt. Ich habe immer versucht, mein Herz auf dem Platz zu lassen. Manchmal gab's Freudentränen zu meinen Aktionen, manchmal hatten die Zuschauer auch Schmerzen im Gesicht. Ich hab's mit Liebe getan, da könnt ihr euch sicher sein. Alles weitere muss ich jetzt erst einmal sehen."

Niclas Füllkrug (Deutschland) über...

... sein WM-Fazit: "Gegen Japan hatten wir viele Probleme, die dazu geführt haben, dass wir noch verloren haben. Das war wahrscheinlich auch der entscheidende Spieltag. So stehen wir mit komplett leeren Händen da. Es tut extrem weh. Das ist sehr schwierig zu verdauen. Und es dauert wahrscheinlich lange, bis wir das verarbeitet haben."
... die Stimmung in der deutschen Kabine: "Still."
picture

Kai Havertz und Mario Götze (r.)

Fotocredit: Getty Images

Kai Havertz (Deutschland) über ...

... das Spiel gegen Costa Rica: "Nach dem 1:0 hatten wir das Gefühl, dass da mehr geht. Aber wir haben es nicht geschafft. Wir sind mit einem positiven Gefühl in die Halbzeit gegangen. Dass es so unglücklich läuft, hatten wohl wenige erwartet. Aber so ist Fußball. Wir haben es uns selbst zuzuschreiben, weil wir gegen Japan zwei Gegentore in acht Minuten kassieren - die man nicht kassieren darf."
... den Wert des deutschen Fußballs: "Zweitklassig ist der deutsche Fußball nicht. Dass die Jungs von 2014 als Turniermannschaft bezeichnet wurden, ist selbstverständlich, wenn man die WM gewinnt. Jetzt fliegen wir zum zweiten Mal in Folge raus. Dann ist die Lösung, dass wir einfach keine Turniermannschaft mehr sind."
... mögliche Konsequenzen beim DFB: "Was soll ich groß dazu sagen? Ich stehe auf dem Platz. Die anderen müssen diese Entscheidungen treffen. Wir haben alles gegeben. Es hat einfach im ersten Spiel und gegen Spanien nicht gereicht."

Manuel Neuer (Deutschland) über ...

... das Spiel gegen Costa Rica: "Man muss sagen, dass wir heute nicht das Ausscheiden verbockt haben. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Ich glaube, die zweite Halbzeit gegen Japan war einfach unser Problem und hat den Ausschlag dafür gegeben, dass wir ausgeschieden sind."
... die Stimmung in der Kabine: "Das ist brutal für uns. Wir haben keine drei Sätze untereinander gesprochen. Jeder war für sich in der Kabine. Alle waren enttäuscht und frustriert. Wir haben alle darauf gehofft, dass es mit einem solchen Sieg für uns weitergeht. Das jetzt zu verarbeiten ist nicht so einfach."
... die Abschiedsworte von Thomas Müller: "Ich muss das natürlich sacken lassen. Daran (an einen Abschied; Anm. d. Red.) habe ich jetzt nicht gedacht."

Hansi Flick (Bundestrainer) über ...

... den Spielverlauf: "Ich war in der Halbzeit sehr sauer. Das habe ich der Mannschaft auch deutlich gesagt. Wir haben die Chancen liegengelassen und den Gegner wieder aufgebaut. Das war ähnlich wie im Japan-Spiel. Wir sind aber nochmal zurückgekommen und wollten die Chance für uns noch offenlassen, falls die Spanier noch ein Tor machen sollten. Aber es hat leider nicht geklappt."
... die Einstellung seines Teams: "Wenn du einen Fehler machst, dann schaukelt es sich hoch, dann kommt das eine zum anderen. Man hat dann Unsicherheit und Enttäuschung in der Mannschaft gespürt. Wir wollten ja vorlegen, wir wussten ja: Je mehr Tore wir schießen, desto mehr Druck machen wir auf Spanien. Aber das ist uns nicht gelungen. Dass andere Teams mehr brennen, ist absoluter Quatsch. Das sehe ich nicht. Die Mannschaft hat gewollt. Aber wir fahren jetzt nach Hause, und dazu haben wir einen großen Teil selbst beigetragen."
... den verpufften Mythos der Turniermannschaft: "Das stimmt, das konnten wir nicht unterstreichen. Jetzt geht es darum, dass wir das aufarbeiten und wieder nach vorne schauen."
... die Zukunft beim DFB: "Die Aufgabe, mit dieser Mannschaft zu arbeiten, motiviert mich. Aber nach dem Spiel ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu sprechen, wie es weitergeht. Mir macht es Spaß, wir haben eine gute Mannschaft und gute Spieler die nachkommen. An mir wird es nicht liegen."

Oliver Bierhoff (Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie) über ...

... das WM-Aus: "Die Enttäuschung ist riesig und die Wut auch. Auf uns alle. Wir sitzen alle in einem Boot, wir zeigen nicht mit dem Finger. Die Spieler haben alles gegeben und mitgezogen, am Ende muss man aber feststellen, dass es zu wenig war. Es zieht sich jetzt seit zwei, drei Jahren hin, dass wir Spiele eigentlich im Griff haben, sie aber hergeben und den Faden verlieren. Das war letztlich auch hier so. Wenn man die drei Spiele resümiert, dann hatten wir überall Möglichkeiten."
... die "One-Love"-Debatte: "Glauben sie wirklich, dass diese One-Love-Binde so eine Rolle gespielt hat? Das ist nicht gut gelaufen, das wissen wir, das ist aber in der sportlichen Analyse kein Aspekt. Ich bin für die Organisation zuständig, für die Zusammenstellung des Betreuerstabes. Wir hatten die Bindenthematik, die man kritisch sehen kann. Ansonsten hat mein Team rund um die Mannschaft hier eine gute Arbeit gemacht."
... die Ausbildung von Stürmern: "Wenn du einen guten Stürmer haben willst, fängst du die Ausbildung nicht mit 18 Jahren an, sondern mit 10 oder 12. Das sind Fehler, die wir vor zehn oder 14 Jahren gemacht haben und nicht vor zwei oder drei. Und das werden wir in den kommenden Jahren immer wieder zu spüren bekommen."
... Bundestrainer Hansi Flick: "Hansi ist ein Top-Trainer. Wenn man die Spiele anschaut, ist es so, dass wir viele gute Dinge gemacht haben. Am Ende war es auch eine enge Kiste. Die Konstellation war letztlich unglücklich, es war ein bisschen zu wenig. Hansi steht für mich aber außer Zweifel."
... seine eigene Zukunft: "Die Frage nach meiner Zukunft stelle ich mir momentan nicht. Natürlich weiß ich, dass diese Fragen kommen werden. Vielleicht schaut man sich meine ganze Bilanz aus 18 Jahren an, da mache ich mir nicht die großen Sorgen, da habe ich ein sehr gutes Gefühl für mich. Beurteilen müssen das natürlich andere. Natürlich habe nach drei schlechten Turnieren keine guten Argumente, die ich dagegen halten kann. Das muss ich akzeptieren."

Bastian Schweinsteiger ("ARD"-Experte) über ...

... das Aus der deutschen Nationalmannschaft: "Ich bin enttäuscht und schockiert. Natürlich hatten wir total viele Torchancen. Aber der Spielverlauf war sehr unruhig. Insgesamt war das Auftreten der Nationalmannschaft zu wenig und das reicht nicht. Deswegen sind wir ausgeschieden."

Sami Khedira ("ARD"-Experte) über ...

... das Aus der deutschen Nationalmannschaft: "Ich bin sprachlos, enttäuscht und wütend. Ich bin geschockt."

Michael Ballack ("MagentaTV"-Experte) über ...

... das Aus der deutschen Nationalmannschaft: "Wir hätten uns sicher von den Spaniern Schützenhilfe erwartet. Auch wenn es kein gutes Spiel war, haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Trotzdem sind wir ausgeschieden. Es ist ernüchternd und sinnbildlich, wie wir in den letzten Jahren Fußball spielen. Da gilt es anzusetzen, es gilt zu hinterfragen: Ist das die Art Fußball, die wir spielen wollen? Die letzten drei Turniere haben uns gezeigt, dass wir mit dieser Art Fußball nicht weit kommen. Wir sehen es an den Mannschaften, die weniger talentiert sind, die uns aber vor Probleme stellen."
picture

Suárez ohne Reue für Handspiel bei WM 2010: "Entschuldige mich nicht"

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung