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FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnet WM-Kritik als "reine Heuchelei"
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Publiziert 19/11/2022 um 10:56 GMT+1 Uhr
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat Kritik an der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar scharf zurückgewiesen und den Medien Scheinheiligkeit vorgeworfen. "Diese einseitige Moralpredigt ist reine Heuchelei", sagte der 52-Jährige auf einer Pressekonferenz in Doha. Einen Tag vor dem Eröffnungsspiel holte der umstrittene Chef des Weltverbandes in einem einstündigen Monolog zu einem Rundumschlag aus.
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Quelle: Perform
"Es fällt mir wirklich schwer, diese Kritik zu verstehen", sagte Infantino, sie sei "zutiefst ungerecht".
So seien etwa Verurteilungen aus der westlichen Welt vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte unangebracht. "Für das, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren getan haben, sollten wir uns für die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, den Menschen moralische Lektionen zu erteilen", sagte Infantino.
Im Vorfeld der WM im Wüstenstaat wurden unter anderem die Menschenrechtssituation, Bedingungen für Arbeitsmigranten sowie fehlende Rechte für Frauen und der LGBTQ-Gemeinschaft angeprangert. Infantino drückte seine Unterstützung für diese Gruppen aus.
"Heute fühle ich mich katarisch, heute fühle ich mich arabisch, heute fühle ich mich afrikanisch, heute fühle ich mich schwul, heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Gastarbeiter", sagte der gebürtige Schweizer. Jeder und jede seien herzlich willkommen: "Wenn jemand was anderes sagt, ist das nicht die Haltung des Landes ? und es ist nicht die Haltung der FIFA", ergänzte er.
Medienberichte über angeblich "gekaufte" Fanparaden im Vorfeld der WM-Endrunde bezeichnete Infantino in seinen Ausführungen außerdem als fremdenfeindlich. "Das ist Rassismus, purer Rassismus - das muss aufhören. Jeder in der Welt hat das Recht, für wen auch immer zu sein", sagte er und fragte: "Kann jemand, der wie ein Inder aussieht, nicht für Deutschland oder Spanien sein?"
Infantino über Bier-Verbot: "Fans werden das überleben"
Infantino hat auch wenig Verständnis für die Aufregung um das Bier-Verbot in den acht WM-Stadien. "Ganz ehrlich: Wenn das unser größtes Thema bei der WM ist, dann werde ich das sofort unterschreiben, zum Strand gehen und bis zum 18. Dezember entspannen", sagte der Schweizer einen Tag vor dem Auftakt des Turniers in Doha.
"Ich persönlich finde: Wenn Fans für drei Stunden am Tag kein Bier trinken können, werden sie das überleben. Es gibt die gleichen Regeln in Frankreich, Spanien oder Schottland, wo auch kein Bier in den Stadien erlaubt ist", sagte Infantino bei seiner Auftaktpressekonferenz.
Auf Druck des Gastgebers Katar war nur zwei Tage vor der WM die Entscheidung widerrufen worden, in den Stadien Alkohol zu verkaufen. Geplant war es, nach den Spielen in speziellen Verkaufszelten alkoholhaltiges Bier anzubieten. "Es wird weiterhin acht oder zehn Fanzonen geben, wo man Alkohol kaufen kann", sagte Infantino. Dies gilt allerdings erst ab 18:30 Uhr Ortszeit.
Der FIFA-Boss betonte, dass er "versucht habe", den Verkauf auch in den Stadien zu erlauben. Dennoch gelte: "Jede Entscheidung bei dieser WM ist eine gemeinsame Entscheidung von Katar und FIFA." Gleichzeitig bedankte er sich beim exklusiven Bier-Sponsor Budweiser. "Partner sind Partner, in guten und schlechten Zeiten", sagte Infantino.
Infantino verteidigt Irans WM-Teilnahme
Infantino ist überzeugt, dass die verheerende Situation für Frauen und die Unterdrückung von Minderheiten im Iran keinen Einfluss auf den Sport bei der Fußball-WM in Katar haben wird. "Es spielen nicht zwei Regimes, keine zwei Ideologien gegeneinander, sondern zwei Mannschaften", sagte Infantino mit Blick auf das Duell des Iran am Montag gegen England.
Es sei "positiv und völlig selbstverständlich, dass die beiden in einem Fußball-Turnier gegeneinander spielen können", führte Infantino am Samstag bei seiner Eröffnungs-Pressekonferenz aus und fragte zurück: "Müssen wir alle ausschließen, weil ein paar Menschen schlecht sind?"
Auch in England gäbe es sicher einen "sehr geringen Anteil schlechter Menschen", entgegen Infantino auf die Frage eines englischen Journalisten: "Glauben Sie, dass alle Iraner Monster sind?" Derlei kritische Fragen führten nur zu noch mehr Spaltung. Sein Ziel sei, Leute durch Verständnis zusammenzubringen. "Fußball", so Infantino, "kann die Welt einen."
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(SID)
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