WM 2026: Argentinien kämpft gegen den Weltmeister-Fluch, Stärken und Schwächen von Superstar Lionel Messi und Co.

Argentinien reist als Titelverteidiger zur WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA - und kämpft in Nordamerika gegen einen Fluch an. Sechsmal scheiterte der amtierende Weltmeister bereits in der Vorrunde, ein solches Schicksal möchte die "Albiceleste" tunlichst vermeiden. Der im Vergleich zu 2022 kaum veränderte Kader sowie das hohe Alter der Stammspieler könnten aber zum Knackpunkt werden.

Lionel Messi und Co. träumen von der Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft

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Die Ankunft der argentinischen Nationalmannschaft in ihrem Quartier in Kansas City war geprägt von einem Selbstverständnis, wie man es von der "Albiceleste" gewohnt ist.
An der Heckflosse prangte eine überdimensionale "10" zu Ehren von Lionel Messi, die drei Sterne für die 1978, 1986 und 2022 errungenen WM-Titel stachen sofort ins Auge. Die Flugnummer "1978" war ebenso bewusst gewählt - kurz vor dem Auftakt der Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA sollte noch einmal alles Positive heraufbeschworen werden.
Argentinien schickt sich mit 17 Weltmeistern in den eigenen Reihen zu nichts weniger als der Titelverteidigung an.
Auf diesem Weg muss sich die Mannschaft von Trainer Lionel Scaloni auch einem prominenten Fluch entgegenstellen.

Argentinien - der Schlüsselspieler: Sechster Tanz für Messi

Ob Emiliano Martínez, Nicolas Otamendi oder Rodrigo de Paul - auf dem Pfad zum WM-Titel in Katar wurde so mancher Nationalheld geboren. An einem Namen kommt man in Argentinien seit zwei Jahrzehnten nicht vorbei: Lionel Messi.
Die sechste WM-Teilnahme des 38-Jährigen bedeutet einen neuen Rekord. Trotz seines Alters und seines Wirkens abseits des europäischen Fußball-Fokus ist der achtmalige Weltfußballer aber nach wie vor Dreh- und Angelpunkt bei der Albiceleste.
In der Qualifikation, die Argentinien auf Platz eins und mit neun Punkten Vorsprung auf Verfolger Ecuador abschloss, bestritt Messi zehn von 18 Spielen. Auffallend: Während sich "La Pulga" (der Floh) früher vor allem durch sein temporeiches Dribbling vom Rest auf dem Feld abgehoben hatte, tritt er mittlerweile vor allem durch sein präzises Passspiel und seine Abschlüsse in Erscheinung.
In den jüngsten drei Turnieren - Copa América 2021, WM 2022 und Copa América 2024 - entfielen 21 Prozent der argentinischen Ballkontakte im letzten Drittel auf Messi, darüber hinaus kreierte er 28 Prozent der Chancen. Am Ende jedes Turniers stand der Titelgewinn der Argentinier.
Die Gefahr: Auch eine Legende wie Messi wird älter und verletzungsanfälliger. Eine solche Abhängigkeit kann auch fatal enden.

Argentinien - der Hoffnungsträger: Die Stunde des Álvarez

Umso besser, wenn eine Mannschaft weitere Hoffnungsträger birgt - unter anderem Stürmerstar Julian Álvarez.
Sein Stern war bereits vor vier Jahren in Katar unverhofft aufgegangen, sein Doppelpack sowie seine Vorlage im Halbfinale gegen Kroatien (3:0) verschafften ihm einen festen Platz in den Herzen der argentinischen Fans. Seitdem entwickelte er sich zum eiskalten Torjäger, der bei Atlético Madrid schon für den ein oder anderen großartigen Moment gesorgt hat.
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Julian Álvarez und Lionel Messi sind die großen Stars in der argentinischen Nationalmannschaft

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Durch seinen Elfmeter im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Arsenal vor eineinhalb Monaten knackte der 26-Jährige sogar einen Rekord von Landsmann Messi: Der Atlético-Star ist seitdem der Südamerikaner, der die Marke von 25 Toren in der Königsklasse am schnellsten geknackt hat.
In Nordamerika steht Álvarez nun unter deutlich mehr Druck als vor vier Jahren, neben den Führungsspielern Messi, Martínez und de Paul sind die Blicke auch auf ihn gerichtet.

Argentinien - die Story: WM-Fluch und Problem mit dem Alter

Im Vorfeld einer Weltmeisterschaft galt es stets als Tabu, im Nachhinein waren die Anzeichen jedoch immer klar ersichtlich: Der Fluch des Titelverteidigers beschäftigt natürlich auch Argentinien.
Italien (1950, 2010), Brasilien (1966), Frankreich (2002), Spanien (2014) und Deutschland (2018) sind als amtierende Weltmeister krachend in der Gruppenphase gescheitert. Alt, bequem und überheblich - das waren die großen Kritikpunkte an den zuletzt abgestürzten Champions. Bei Argentinien deuten sich ähnliche Schwierigkeiten an.
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Selbst mit 38 Jahren ist Nicolas Otamendi der Abwehrchef der Albiceleste

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Noch nie zuvor reiste die Albiceleste mit so wenigen Veränderungen im Kader im Vergleich zur vorangegangenen Weltmeisterschaft zum Turnier. Auf der einen Seite kann die Erfahrung von 17 Weltmeistern von großer Bedeutung sein, andererseits schleicht sich in solchen Mannschaften gerne auch das Gefühl der Selbstzufriedenheit ein.
Der wohl größte Knackpunkt ist jedoch das Alter: Mit Messi (38), Otamendi (38), Martínez (33), Nicolas Tagliafico (33), de Paul (32) und Leandro Paredes (31) haben viele Stammspieler die Altersgrenze von 30 Jahren überschritten.
Das Durchschnittsalter im Kader beträgt 27,6 Jahre, damit bewegt sich Argentinien im unteren Mittelfeld der WM. Immerhin: Vor vier Jahren bewegte sich die Zahl im selben Bereich.

Argentinien - die Stärke: Mehr als nur Messi

Einem der besten Spieler in der Geschichte den Ball zu überlassen, hat sich schon oft als vielversprechender Ansatz entpuppt. Der amtierende Weltmeister hat jedoch so viel mehr zu bieten.
Die Albiceleste tritt zwar in einer 4-3-3-Formation, durch ständige Rotationen im Mittelfeld erweist sich die Mannschaft aber als äußerst flexibel. Durch aggressives Pressing über die Außenbahnen - zuletzt oftmals durch Tagliafico und Nahuel Molina - wird der Gegner früh zu Fehlern verleitet.
Der aufopferungsbereite Einsatz im Mittelfeld seitens Führungsfiguren wie de Paul und Paredes zeichnen Argentinien ebenso aus wie die unglaubliche Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor: Sollte bei Messi und Álvarez Ladehemmung herrschen gibt es mit Inter-Star Lautaro Martínez einen dritten gefürchteten Torjäger.

Argentinien - die Schwäche: Sorgenkind Abwehr

Die Hintermannschaft könnte Argentinien derweil in Nordamerika Probleme bereiten. In der Qualifikation stellte der Weltmeister mit nur zehn Gegentoren in 18 Spielen zwar die zweitbeste Defensive, Verletzungsprobleme und Aussetzer sorgen kurz vor der WM aber für Sorgenfalten.
Innenverteidiger Cristian Romero kehrte nach einer Knieverletzung zurück, hinter einem möglichen Einsatz beim WM-Auftakt gegen Algerien (17. Juni, ab 3:00 Uhr im Liveticker) steht aber ein dickes Fragezeichen. Tagliafico stieß nach einer drei Spiele dauernden Rotsperre und drei weiteren Partien auf der Bank mit ungewöhnlich wenig Spielpraxis zum Nationalteam.
Zwischen den Pfosten unterlaufen WM-Held Martínez, der sich jüngst mit Aston Villa zum Europa-League-Sieger krönte, hingegen immer wieder Fehler. Hier stünde Juan Musso, Nummer zwei bei Atlético Madrid, aber als verlässlicher Ersatz bereit.
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Emiliano Martínez feiert den Finalsieg in der Europa League mit Aston Villa

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Argentinien - WM 2026: Die Prognose

Argentinien bringt auch vier Jahre nach dem Triumph von Katar nahezu alles mit, was einen Titelkandidaten auszeichnet: Eingespieltheit, Turniererfahrung und eine außergewöhnliche individuelle Qualität.
Dennoch erscheint die erfolgreiche Titelverteidigung als Mammutaufgabe. Die Geschichte zeigt, wie schwer sich amtierende Weltmeister bei der darauffolgenden WM tun, zudem wirft die Alterstruktur Fragen auf.
Sollte Messi verletzungsbedingt ausfallen oder die Defensive um Romero und Otamendi ins Wanken geraten, könnten die Schwachstellen schnell offengelegt werden.
Zum weiteren Favoritenkreis zählt die Albiceleste allemal, für den ganz großen Wurf muss jedoch vieles perfekt zusammenpassen.
Eurosport-Einschätzung: Aus im Viertelfinale.


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