Drei Dinge, die bei Deutschlands 4:3-Spektakel gegen die Schweiz auffielen: Große Momente kontern große Risiken

Deutschland zeigt gegen die Schweiz eine klare Spielidee, offensive Qualität und bemerkenswerten Teamgeist. Doch das hohe Risiko im System wird mehrfach bestraft. Während Florian Wirtz mit zwei Traumtoren glänzt, bleiben im Aufbau und in der Balance offene Fragen. Ein Auftritt der DFB-Mannschaft, der Zuversicht macht, aber auch zum Nachdenken anregt. Drei Dinge, die auffielen.

Florian Wirtz (l.) überragte für Deutschland gegen die Schweiz mit vier Scorer-Punkten

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Florian Wirtz stand im Mittelpunkt und ließ keinen Zweifel daran, warum. Mit zwei Treffern von außergewöhnlicher Klasse und zwei Vorlagen führte der Offensivspieler die deutsche Nationalmannschaft zu einem spektakulären 4:3 (2:2) gegen die Schweiz. 79 Tage vor dem Start in die WM-Mission weckt dieser Auftritt große Hoffnungen.
Doch der Abend in Basel war mehr als nur eine Wirtz-Show. Er war auch ein Spiel voller Brüche. Die deutsche Mannschaft geriet gleich mehrfach ins Wanken, offenbarte vor allem in der Defensive deutliche Schwächen. Dan Ndoye (17.) nutzte früh eine Fehlerkette zur Führung, nach dem Ausgleich durch Jonathan Tah (26.) brachte Breel Embolo (41.) die Schweiz erneut nach vorne.
Deutschland antwortete durch Serge Gnabry kurz vor der Pause zum 2:2 (45.+2), ehe Wirtz das Spiel mit seinem ersten Traumtor aus halblinker Position endgültig kippte (61.). Doch selbst danach blieb es wild: Joel Monteiro glich erneut aus (79.), bevor Wirtz mit seinem zweiten Geniestreich (86.) den Schlusspunkt setzte. Ein Spiel, das alles hatte: große Momente, große Fehler - und eben Wirtz.
Drei Dinge, die beim Spektakel der DFB-Elf gegen die Schweiz auffielen.

1.) Klare Idee - noch zu wenig Balance

Deutschland zeigt eine klare Spielidee. Das ist die wichtigste Erkenntnis des Abends in Basel. Die Mannschaft will dominant auftreten, früh pressen, den Gegner tief in dessen Hälfte binden und das Spiel kontrollieren. Die Innenverteidiger stehen hoch, die Abstände sind eng, viele Spieler schieben konsequent nach. Es erinnert stark an das System des FC Bayern.
Gerade im Offensivspiel wirkt es auch schon zunehmend abgestimmt. Vor allem im letzten Drittel entstehen immer wieder gefährliche Situationen. Die Offensivspieler rochieren viel, tauschen Positionen, kombinieren sich in engen Räumen durch. Das sorgt für Tempo und Unberechenbarkeit. Auch Standards entwickeln sich zu einer echten Waffe - das 1:1 durch Tah nach einer einstudierten Variante ist ein klares Zeichen für funktionierende Detailarbeit.
Und noch etwas: Diese Mannschaft kam nach Rückschlägen zurück. Der Teamgedanke ist sichtbar, nicht nur in der Körpersprache, sondern im Spiel selbst. "Wir haben uns viele Chancen herausgespielt und auch Nehmerqualitäten gezeigt. So zurückzukommen, ist gut. Insgesamt haben wir verdient gewonnen", bilanzierte Nagelsmann.
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Julian Nagelsmann muss die Balance zwischen Offensive und Defensive bei der deutschen Nationalmannschaft finden

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Alles super also, wäre da nicht noch eine Kehrseite. Die hohe Positionierung verlangt perfekte Abstimmung, die fehlte allerdings etwas. Nach Ballverlusten präsentierte sich die DFB-Crew mehrfach unsauber organisiert, der Zugriff kam zu spät. Gegen ein diszipliniertes Team wie die Schweiz mit Killerinstinkt wird das sofort bestraft. Und bei einer WM erst recht. "Ich mache mir keine Sorgen, weil wir eine gute Mannschaft haben. Natürlich wollen wir alle den Pokal nach Hause holen. Es wird ein harter Weg, aber wir müssen uns vor niemandem verstecken", sagte der überragende Wirtz.
Es bleibt ein Spiel auf Kante: offensiv attraktiv und mutig - defensiv jedoch anfällig, sobald die Präzision fehlt. Insgesamt verbreitet der erste Auftritt im WM-Jahr jedoch Zuversicht. Deutschland gehört zu den Favoriten auf den begehrten Titel. "Top-Favoriten sind aber andere Teams", bemerkte "RTL"-Experte Lothar Matthäus allerdings. Da ist auch etwas Wahres dran.

2.) Aufbau unter Druck: Schlotterbecks schwieriger Abend

Deutschland will das Spiel über Ballbesitz und sauberen Aufbau kontrollieren. Ausgerechnet hier offenbarte sich gegen die Schweiz die größte Unsicherheit. Immer wieder fehlte die Präzision im ersten und zweiten Pass, wiederholt entstanden aus eigentlich ruhigen Situationen plötzlich gefährliche Umschaltmomente. Meist mit dabei: Nico Schlotterbeck.
Der BVB-Innenverteidiger erwischte keinen guten Tag. Mehrere Fehlpässe im Aufbau, unsaubere Entscheidungen unter Druck und vor allem: Ballverluste in Zonen, in denen sie sofort bestraft werden können. Bereits vor dem 0:1 leitete ein fataler Fehlpass die Szene ein, auch beim zweiten Gegentreffer war sein Ballverlust Teil der Entstehung. "Tief und in der Box haben wir nicht so gut verteidigt", resümierte Nagelsmann. Diese Kritik schloss natürlich auch Schlotterbeck nicht aus.
Er weiß auch, dass das Problem dabei weniger der einzelne Fehler, sondern der Kontext ist. Deutschland spielt extrem hoch, die Innenverteidiger stehen oft nahe der Mittellinie, die Außenverteidiger schieben nach. In diesem System gibt es keine Absicherung für Ungenauigkeiten. Jeder Fehlpass öffnet Räume, die kaum noch zu verteidigen sind.
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Oliver Baumann (l.) und Nico Schlotterbeck (r.) nach dem 4:3-Sieg der DFB-Elf gegen die Schweiz

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Schlotterbeck steht damit exemplarisch für ein größeres Thema. Seine Stärken im Spielaufbau - Mut, progressive Pässe, Tempo - sind grundsätzlich wertvoll. Doch genau diese Risikobereitschaft wird zur Schwachstelle, wenn die Präzision fehlt.
Die Idee, ihn gemeinsam mit Tah einzuspielen, ist nachvollziehbar, auch als klares Signal in Richtung Antonio Rüdiger. Nach diesem Spiel bleibt jedoch die Erkenntnis: Für diese Spielweise braucht es maximale Sicherheit im Aufbau. Und genau die war an diesem Abend nicht gegeben. Glücklicherweise war es "nur" ein Test, doch der Eindruck bleibt eventuell auch bei Nagelsmann länger im Gedächtnis.

3.) Trust the Wirtz: Traumtore erklären alles

Es war die 61. Minute: Halblinke Position nach einer kurz ausgeführten Ecke, spitzer Winkel, etwas Raum. Eigentlich keine klassische Abschlusssituation. Aber dann macht Flo Wirtz genau das, was ihn so besonders macht: Er zieht ab. Nicht irgendwie, sondern gewollt, platziert. "Ich wollte ihn schon aufs Tor bringen, es war kein kompletter Zufall", schmunzelte der Matchwinner. In der 86. Minute legte er von der Strafraumlinie noch den Siegtreffer drauf. Oben rechts. Vier Scorerpunkte waren komplett.
Wirtz ist kein Spieler, der permanent das Spiel dominiert. Er taucht auch mal ab, bewegt sich zwischen den Linien, sucht Räume. Ist er aber am Ball, strahlt er Gefahr und Klasse aus. Die Traumtore in den Winkel waren sinnbildlich für seinen Spielertyp. Kein Dauerfeuer, sondern Präzision im richtigen Augenblick. So auch bei der Vorlage für Gnabry, die zum 2:2 führte. "Er war der beste Mann auf dem Platz", lobte Matthäus.
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Florian Wirtz (r.) trifft für Deutschland doppelt im Testspiel in Basel gegen die Schweiz - Fußball

Fotocredit: Getty Images

Gerade deshalb braucht Wirtz weiter das volle Vertrauen. Er ist kein Spieler, der über 90 Minuten jede Aktion fordert. Aber er ist einer, der Spiele entscheiden kann. "Das waren außergewöhnliche Tore. Wir wissen, dass er einen brutalen Schuss hat", lobte Nagelsmann.
Diese Qualität muss man nicht formen, sondern freisetzen und ihm die zentrale Rolle geben, die er sich mit solchen Aktionen verdient. Seine Entwicklung auf Klubebene beim FC Liverpool zeigt, wohin die Reise gehen kann. Mehr Verantwortung, mehr Einfluss, mehr Selbstverständnis. Wenn er diesen Weg im Nationalteam weitergeht, ist er bei der WM 2026 das, was er lange versprochen hat: ein Unterschiedsspieler. Solche Spieler entscheiden Turniere.
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Happy Birthday, Manu! Eine Hommage an den Welttorhüter zum 40.

Quelle: Perform


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