WM 2026 - England: Aufgebauschtes Drama zwischen Thomas Tuchel und Jude Bellingham - Trainer krempelt England um
Update 14/07/2026 um 23:45 GMT+2 Uhr
Thomas Tuchel steht mit der englischen Nationalmannschaft kurz vor der ultimativen Krönung, doch ausgerechnet rund um das WM-Halbfinale gegen Argentinien steht sein Verhältnis zur Mannschaft im Fokus. Das angebliche Drama mit Starspieler Jude Bellingham ist jedoch nicht mehr als eine aufgebauschte Geschichte - sondern vielmehr ein Beweis dafür, dass Tuchel in seiner neuen Rolle aufblüht.
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Quelle: Perform
Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
"Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter diesen Bedingungen gegen Erling Haaland, Ödegaard, Nusa, Sörloth zu spielen", erklärte Jude Bellingham nach dem hart erkämpften Viertelfinalsieg der englischen Nationalmannschaft über Norwegen (2:1 n.V.).
Ein plumper Konter auf eine aus dem Kontext gerissene Kritik seitens Trainer Thomas Tuchel - und das Drama ward geboren.
Ausgerechnet vor dem WM-Halbfinale gegen Argentinien (Mittwoch, ab 21:00 Uhr im Liveticker) geistert die melodramatische Seifenoper durch die Medien. Für Tuchel vielleicht sogar ein Glücksfall, da klar wird, dass selbst einstige Kritiker sich mittlerweile auf die Seite des Deutschen geschlagen haben.
Tuchel und Bellingham: Ein aufgebauschtes Drama
Klar: Bei seiner Antwort mag sich Bellingham im Ton vergriffen haben. Zur Wahrheit zählt jedoch auch, dass dem 23-jährigen Starspieler in der Mixed Zone lediglich der kritische Part von Tuchels Analyse serviert worden war.
Dessen Lobeshymne auf die beispiellose Mentalität der Mannschaft sowie seine Würdigung von Bellinghams außergewöhnlicher Leistung an jenem Samstag in Miami wurden einfach verschluckt.
Gepaart mit einem exzentrischen Weltstar, der durch seinen Doppelpack in einem WM-Viertelfinale mit Adrenalin überfüllt war, kann eine solche Fragestellung durchaus für emotionalen Frust sorgen.
"Das ist eine von bestimmten Medien aufgebauschte Geschichte, die auf Teufel komm raus nach Drama suchen", ordnete Pete Sharland, Fußball-Experte bei TNT Sports, den zweifelhaften Zwist ein. "Tuchel und Bellingham sind beide sehr intensive, ehrgeizige Persönlichkeiten, daher bin ich sicher, dass sie gelegentlich aneinandergeraten. Ich glaube aber überhaupt nicht, dass das ein ernsthaftes Problem ist."
Tuchel macht's anders als (fast) alle anderen
Zudem würde es in starkem Kontrast zum allseits bekannten Wesen des ewigen Perfektionisten stehen, wenn Tuchel nach einem knappen Viertelfinalsieg keine Verbesserungsvorschläge hätte.
"Wahrscheinlich sieht Jude das jetzt noch nicht ein, aber vielleicht in fünf oder zehn Jahren, wenn er über Exzellenz und Elite-Performance nachdenkt. Tuchel will aus seinen Jungs immer das Beste herausholen", ordnete Gary Neville bei "Sky Sport" ein.
Ohnehin hielt dank Tuchel eine andere Mentalität Einzug bei den Three Lions. "Wir haben schon so viele Nationaltrainer gesehen, die sich gedacht haben: 'Das sind nicht meine Spieler, also muss ich sie bei Laune halten und wieder glücklich nach Hause schicken'", führte Neville im Podcast "Stick To Football" aus. "Tuchel schert sich nicht drum. Und das ist der Grund, warum er diese Macht und Stärke hat. Deshalb haben sie ihn verpflichtet, dass er für Aufruhr sorgt."
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Quelle: MagentaTV
Um einen solchen Charakter auf der englischen Trainerbank zu finden, müsse man weit zurückblättern. So erinnerte sich Neville an Terry Venables, der England einst bei der EM 1996 im eigenen Land bis ins Halbfinale gegen Deutschland geführt hatte (6:7 n.E.).
"Er nahm sich große Persönlichkeiten wie Paul Ince oder Paul Gascoigne zur Brust und faltete sie sogar in der Halbzeitpause zusammen", so Neville. "Das ist Verantwortung auf allerhöchstem Niveau, wenn Leute einfach geradeaus sein können. Auch im normalen Leben muss man manchmal unangenehme Gespräche führen."
Kurioserweise zählte Neville in den vorangegangenen Monaten zu den Tuchel-Zweiflern in England. Die Bilder aus Nordamerika haben den Kritiker aber vom 52-jährigen Schwaben überzeugt. "Mit solchen Dynamiken in der Mannschaft habe ich gar keine Probleme. Es ist besser so zu sein als andersrum."
Tuchel vom historischen Druck befreit
Die Bilder aus der Kabine, auf denen Tuchel mit seinen Spielern Arm in Arm feiert und sich von seiner gelassenen Seite zeigt, attestierten jedenfalls eine harmonische Stimmung bei den Three Lions.
Hat die auffallende Gelassenheit des ehemaligen Trainers des FC Bayern München womöglich mit der Tatsache zu tun, dass er als ausländischer Coach von der nahezu unmenschlichen Last seiner Aufgabe befreit ist?
"Ich glaube schon, dass es hilft, wenn man nicht mit dem Druck aufgewachsen ist, in einem Land zu leben, das seit 1966 keine Weltmeisterschaft gewonnen hat", merkte Sharland ein. "Dadurch können ausländische Trainer die Aufgabe oft etwas nüchterner und rationaler angehen."
Tuchel ist nach Sven-Göran Eriksson (Schweden/2001-06) und Fabio Capello (Italien/2007-12) der dritte England-Trainer aus dem Ausland - und könnte in den USA dadurch Geschichte schreiben. In der 96-jährigen Geschichte der Weltmeisterschaft führte noch nie ein ausländischer Trainer eine Nation zum Titel.
Tuchel holt den WM-Titel - und dann?
In der Welt des Sports sind Träume erlaubt, daher ist die Frage nicht fern: Was passiert denn auf der Insel, wenn dank Tuchel und seiner Schützlinge der englische WM-Fluch gebrochen werden würde?
"Sollte England Weltmeister werden, wird Tuchel mit ziemlicher Sicherheit zum Ritter geschlagen und dürfte sich fortan Sir Thomas Tuchel nennen", blickte Sharland in die Zukunft. "Sehr wahrscheinlich bekäme er außerdem eine Statue vor dem Wembley-Stadion."
Naheliegend wäre auch die Benennung einer Straße nach dem Deutschen, "aber das gestaltet sich schon schwieriger, weil Tuchel nicht in England geboren wurde. Üblicherweise benennt die Geburtsstadt einer Person eine Straße zu ihren Ehren", erklärte er. "Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass in der Umgebung des Wembley-Stadions oder des englischen Nationaltrainingszentrums in St. George's Park irgendwann eine Straße seinen Namen trägt."
Bis dahin ist es aber noch ein Stück, zwei Spiele gilt es noch zu bestreiten, ehe derlei Gedankenspiele gerechtfertigt sind. Den nächsten Schritt wollen Tuchel und Co. am Mittwoch gegen Titelverteidiger Argentinien machen - und das fernab von irgendwelchen aufgebauschten Seifenopern.
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Quelle: Perform
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