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WM 2026: Jürgen Klinsmann kann sich vorstellen, dass Lionel Messi auch 2030 dabei ist - Kritik am DFB-Team
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Publiziert 19/07/2026 um 12:07 GMT+2 Uhr
Jürgen Klinsmann hat die WM richtig Spaß gemacht. Beim Treffen im Adidas-Büro in New York lacht der frühere Bundestrainer viel, findet im Interview mit dem "Sport-Informations-Dienst (SID)" aber auch klare Worte. Der Weltmeister von 1990 ist nicht überrascht, dass Lionel Messi der WM erneut seinen Stempel aufgedrückt hat und kann sich vorstellen, dass der Argentinier auch 2030 wieder dabei ist.
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Deutschland sei eine negative Überraschung gewesen, betonte Klinsmann. Gleiches gelte für Brasilien und die Niederlande.
Mitgelitten habe er mit der englischen Mannschaft. Die Auftritte von Harry Kane und Co. hätten ihn fasziniert, so Klinsmann.
Jürgen Klopp sei der richtige Mann für das DFB-Team. Der mutmaßlich neue Bundestrainer habe aber einen harten und steinigen Weg vor sich.
Das Interview von Klinsmann mit dem "SID":
Mit welchen Gedanken und Gefühlen blicken Sie auf die Weltmeisterschaft in Ihrer Wahlheimat USA zurück?
Jürgen Klinsmann (Weltmeister von 1990): Es war eine faszinierende Weltmeisterschaft. Von Anfang bis zum Ende mit vielen Dingen, die wir diskutieren können, viele Dinge, die gut waren, ein paar, die schlecht waren. Aber ein Turnier, wo zum Schluss die Top vier der Welt zurecht im Halbfinale standen. Die Fans, egal aus welchem Fleck der Erde, waren restlos begeistert. Sie haben Amerika aufgesaugt, Mexiko aufgesaugt, Kanada aufgesaugt. Die Stadien waren voll, die Stimmung auf den Fanfesten war mega. Es war ein unglaubliches Fußballfest, diese fünfeinhalb Wochen, ein Marathon für die Mannschaften, es gab einige Überraschungen, aber im Großen und Ganzen war es ein Megaturnier.
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Gab es für Sie den einen WM-Moment?
Klinsmann: Ich glaube, es gibt viele Momente, die dieses Turnier charakterisiert haben. Natürlich die Art und Weise, wie Argentinien die Spiele noch gedreht hat im letzten Moment. Natürlich ein paar Schiedsrichterentscheidungen, die es zu diskutieren gibt. Schön war es, dass die Gastgeberländer Kanada, USA, und auch Mexiko in die K.o.-Phase eingezogen sind, dort dann aber wieder so ein bisschen zurechtgestutzt wurden. Es gab positive Überraschungen wie Norwegen und die Schweiz, die beide ins Viertelfinale kamen. Ich habe ein bisschen gelitten mit England, weil sie die Spiele bravourös gemeistert haben, wie jetzt in Mexiko in der Höhenluft. Die Auftritte von Harry Kane und Jude Bellingham haben mich fasziniert, das war toll. Die negativen Überraschungen oder Enttäuschungen waren sicherlich Deutschland, die Niederlande und auch Brasilien.
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Für Diskussionen sorgten die Themen Trinkpausen und auch die lange Halbzeit-Show im Finale. Müssen sich Fußballfans daran gewöhnen?
Klinsmann: Nicht unbedingt. Das Thema Hydration Break ist ein heißes und wird bei der FIFA auf den Tisch kommen. Das weiß ich auch, weil ich Teil der Technical Study Group bin. Ich glaube, dass dieses Thema wieder zurückgehen wird in die Hände der Schiedsrichter. Wenn es wirklich über 30 Grad sind, dann kannst du das machen, dann kannst du aber auch das Zeitlimit begrenzen auf 30 Sekunden oder 60 Sekunden, damit der Spielfluss nicht unterbrochen wird, dass es nicht zu einer Coaching Break wird. Das unterbricht natürlich das Spiel.
Die Argentinier haben einen Spirit, ein Herz, das ist phänomenal. Spanien ist sehr kontinuierlich durch das Turnier gezogen, sie verfügen über eine spielerische Klasse, bei der nicht der Einzelne der Superstar ist.
Und was sagen Sie zur 30-minütigen Halbzeitshow?
Klinsmann: Ich glaube, das ist etwas Amerikanisches. Es hat etwas mit dem Gastgeberland zu tun. Das kommt vom American Football, vom Super Bowl. Ich hoffe wirklich, dass es eine einmalige Show und es dann wieder zurückkommen wird auf den Boden, um das Ganze wieder auf die 15 Minuten runterzubrechen.
Drücken Sie im Finale einem Team die Daumen?
Klinsmann: Ich bin neutral. Die Argentinier haben einen Spirit, ein Herz, das ist phänomenal. Spanien ist sehr kontinuierlich durch das Turnier gezogen, sie verfügen über eine spielerische Klasse, bei der nicht der Einzelne der Superstar ist. Sie sind nicht so fokussiert auf einen Spieler wie Argentinien mit Messi. Es sind zwei verschiedene Arten, die jetzt aufeinandertreffen, aber beide haben es verdient, im Finale zu stehen.
Wie ist Ihr Tipp?
Klinsmann: Die Chancen stehen 50:50, aber ein klein bisschen tendiere ich zu Spanien.
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WM - Lionel Messi und Argentinien stehen im zweiten Finale in Folge
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Wie beurteilen Sie die Leistung von Lionel Messi, der mit 39 Jahren wieder das prägende Gesicht des Turniers war?
Klinsmann: Überrascht bin ich nicht, weil ich ihn ja Woche für Woche in der amerikanischen MLS sehe. Dort dreht er nach wie vor die Spiele und beeinflusst sie mit seiner Art und Weise. Egal was sich die Gegner sich einfallen lassen, auch wenn sie ihn in Manndeckung nehmen, findet er einen Weg und entscheidet das Spiel. Der hat einfach diese Finesse, er hat diese Spielintelligenz, er hat diesen Hunger, immer auch geduldig zu warten, bis sein Moment kommt und dann dreht er das Spiel in seine Richtung. Er hat natürlich auch mit der argentinischen Mannschaft ein Team, das total für ihn da ist. Die anderen rennen für ihn mit, dann kann er sich ein bisschen ausruhen, ein bisschen rumspazieren - und dann kommt er plötzlich wieder rein ins Spiel und dreht es. Das ist schon faszinierend.
Messi hat nun an sechs Weltmeisterschaften teilgenommen. Das Finale ist sein 34. WM-Spiel. Können Sie sich vorstellen, dass er bei der Endrunde 2030 noch immer dabei ist?
Klinsmann: Ich kann mir das vorstellen, so verrückt es klingen mag. Man sieht es ja auch in anderen Sportarten. Ein LeBron James spielt mit 41 Jahren noch in der NBA, die wirklich keine einfache Liga ist. Es gibt andere Sportarten, wo die Sportler bis 40 mit dabei sind, weil sie danach leben, weil sie sich auch so professionell verhalten über die ganzen Jahre hinweg, dass ihr Körper das mitmacht. Das ist bewundernswert. Wenn er es wirklich ganz, ganz ernst meint und entsprechend weiterlebt, wie er es bis jetzt gemacht hat, dann sehen wir ihn auch in vier Jahren.
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Mögen Sie zum Abschluss noch das deutsche Team bewerten? Fehlt der Mannschaft die Einstellung oder die Qualität? Kann man sich etwas abgucken von den Finalisten?
Klinsmann: Du kannst ja immer was abgucken von allen. Es ist wichtig, über die Grenzen zu schauen. Es ist wichtig, sich Informationen reinzuholen, was dort gemacht wird, wie dort gearbeitet wird, um das eigene Produkt wieder besser zu machen. Und da haben wir jetzt einen steinigen Weg vor uns. Wir müssen uns auch eingestehen, dass wir komplett versagt haben, und das jetzt das dritte Mal in Folge. Ich habe immer Scherze gemacht mit meinen italienischen Freunden, vielleicht ist es besser, gar nicht zur WM zu gehen, als sofort nach Hause zu gehen. Das ist schon brutal peinlich. Das tut schon weh, wo wir jetzt angekommen sind im Moment und deswegen ist die Hoffnung da, dass man jetzt sich von den anderen viele Dinge abschaut und wieder die gesamte Kultur ändert bei uns, um wieder anzugreifen. Aber wir sind weit, weit weg von der Weltspitze, der allererste Schritt ist es, das einzugestehen.
Ist Jürgen Klopp der richtige Mann für den Job?
Klinsmann: Wenn es einen gibt, dann auf jeden Fall Kloppo. Wenn man Kloppo haben kann, und er es machen will, dann wäre es natürlich wirklich toll. Da wäre ich tausendprozentig dahinter. Aber er hat dann natürlich auch viel, viel Arbeit vor sich.
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