WM: Michael Olise entschied sich gegen England, Algerien und Nigeria - darum spielt der Bayern-Star für Frankreich

Michael Olise startet mit Frankreichs Duell gegen Senegal in seine erste WM. Dass er das im blauen Trikot der französischen Nationalmannschaft tut, ist dabei nicht selbstverständlich. Denn der in London geborene Star des FC Bayern hätte auch für England, Nigeria und Algerien spielen können. Vor allem die Three Lions kämpften schon früh mit vollem Einsatz um Olise, wie sein Ex-Coach verriet.

Deschamps: Olise "strotzt vor Selbstvertrauen"

Quelle: Perform

Im Frühjahr 2019 feierte der damals 17-jährige Olise sein Profidebüt: FC Reading in der zweiten englischen Liga. Auch wenn die ganz große Bühne noch ein Stück entfernt war, bugsierte sich der Teenager schnell auf den Zettel einiger Beobachter.
Unter anderem auf jenen von Paul Simpson, damaliger Trainer der englischen U-20-Nationalmannschaft, die zu diesem Zeitpunkt Weltmeister war. Simpson wandte sich wenige Monate nach dem ersten Profieinsatz des Teenagers an einen, der um die Qualitäten von Michael Olise wusste: Reading-Coach Mark Bowen.
"Ich traf mich sofort mit Michael und sage ihm, dass Paul Simpson ihn nominieren will und dass dies eine einmalige Gelegenheit für ihn sei, mit der englischen U20 zu spielen. Ich legte ihm alle meine Argumente vor", sagte der 62-jährige Bowen exklusiv im Gespräch mit Eurosport Frankreich vor dem WM-Auftakt von Frankreich gegen Senegal (21:00 Uhr im Liveticker).
Die Begeisterung seines walisischen Trainers hatte Olise allerdings nicht angesteckt, wie Bowen erzählte: "Er schaute mich an und sagt: 'Nein, ich bin nicht interessiert, ich will für Frankreich spielen.' Ende der Diskussion."
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Michael Olise im Trikot des FC Reading Anfang 2021

Fotocredit: Getty Images

Olise und der Stolz, für Frankreich zu spielen

Eine bemerkenswert klare Aussage von Olise, der in England aufgewachsen ist, besser Englisch als Französisch spricht und sich seinerzeit längst nicht sicher sein konnte, es irgendwann wirklich in den Kader des damals amtierenden Weltmeisters zu schaffen.
An der Entscheidung dürfte vor allem seine Mutter großen Anteil gehabt haben, die mit ihrem Sohn konsequent Französisch sprach und ihm die Kultur der Grande Nation näherbrachte.
”Als ich klein war, kam ich hierher, ich hatte diese Verbindung zu Frankreich - ich bin stolz”, erklärte der Außenstürmer des FC Bayern bei den Olympischen Spielen 2024.
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Frankreichs Michael Olise war einst auch von England als Nationalspieler umworben

Fotocredit: Getty Images

Deutscher Trainer warb um Olise

Doch neben England und Frankreich wären zudem noch Nigeria väterlicherseits und Algerien mütterlicherseits Optionen für Olise gewesen.
Gernot Rohr, von 2016 bis 2021 Trainer der nigerianischen Nationalmannschaft, bemühte sich 2021 um Olise.
"Wir haben ihn damals getroffen, um ihn von Nigeria zu überzeugen, weil er neben seiner Schnelligkeit über einen starken Abschluss sowie einen fantastischen linken Fuß verfügt", sagte der deutsche Weltenbummler einst dem "kicker".
Mittlerweile Nationaltrainer in Benin: Gernot Rohr

Mittlerweile Nationaltrainer in Benin: Gernot Rohr

Fotocredit: SID

Nigeria blitzte bekanntlich ab, sodass der englische Verband mit Cheftrainer Gareth Southgate vor der EM 2024 noch einmal die Möglichkeit witterte, den Flügelspieler zu überzeugen – allerdings erneut ohne Erfolg.
"Er müsste seine sportliche Staatsangehörigkeit wechseln. Das Verfahren würde einige Zeit in Anspruch nehmen. Er ist natürlich ein großartiger Spieler, er wurde nicht in Frankreichs Kader aufgenommen und ist ein Spieler, der uns interessieren muss, weil er hervorragend ist - aber es besteht keine Chance, dass das rechtzeitig zur EM klappt", ordnete Southgate im Mai 2024 ein.

Frankreich-Legende Henry adelt Olise

Statt der großen EM mit England stand für Olise im Spätsommer 2024 das vergleichsweise kleinere olympische Fußballturnier an.
Auch dank des damaligen Sommerneuzugangs des FC Bayern spielten sich Les Bleus unter Trainer Thierry Henry bis ins Finale und mussten sich erst dort Spanien geschlagen geben.
Michael Olise verlor im olympischen Finale gegen die spanische Auswahl

Michael Olise verlor im olympischen Finale gegen die spanische Auswahl

Fotocredit: Getty Images

"Er hätte bei der EM mit England spielen können, doch er entschied sich, bei den Olympischen Spielen für Frankreich anzutreten. Man spricht von Fußballspielern, von ihrem mangelnden Ehrgeiz, von der Liebe zum Trikot, vom Geld. Sein Traum ist es, für die französische Nationalmannschaft zu spielen. Dafür habe ich enormen Respekt", schwärmte Henry damals.
Kurz darauf feierte Olise – folgerichtig – sein Debüt in der A-Nationalmannschaft und setzte der Rauferei um seine Gunst ein Ende. Mit der WM steht nun das erste große internationale Turnier für den 24-Jährigen an.
Die hochkarätig besetzte französische Mannschaft startet nun als Mitfavorit in die WM. Dass Olise in der beinahe aberwitzig gut besetzten Offensive um Kylian Mbappé und Weltfußballer Ousmane Dembelé dabei gesetzt sein dürfte, zeigt, welche Extraklasse der Franzose inzwischen hat.


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