DFB: Nachwuchsförderung im deutschen Fußball steht nach frühem WM-Ausscheiden bei Experten wie Jürgen Klopp in Kritik

Weil an der Spitze die Weltklasse fehlt, beklagen zahlreiche Experten Versagen an der Basis. Zurecht? Seit 2024 gab es Umstellungen bezüglich der Trainingsphilosophie für die Nachwuchsabteilungen des DFB, bevor lange Zeit vor schwachen Jahrgängen im Nachwuchs gewarnt wurde. Inzwischen sind Nationen wie Norwegen und Belgien weiter als Deutschland. Jürgen Klopp fällt ein drastisches Urteil.

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Quelle: Perform

Sami Khedira ließ das Fallbeil herniedersausen. Perfekt ausgebildete Spieler seien am Ende "perfekt ausgebildete Loser", sagte der Weltmeister von 2014 nach dem deutschen WM-Fiasko.
"Wir dürfen die jungen Spieler nicht nur in Watte packen", fuhr er fort, "du brauchst auch die alten Tugenden. Wie Leidenschaft und Gier."
Da sind sie wieder, die deutschen Tugenden! Wo sich die alten Granden zu Wort melden, Lothar Matthäus, Michael Ballack, sind ihre Einlassungen grob darauf einzudampfen. Mentalität. Stärke. Führung.
Oder, mit Bastian Schweinsteiger: "Robustheit, Identität, Kampf." Eine Konstante im Vierjahresrhythmus missratener WM-Turniere.

DFB hat Trainingsphilosophie umgestellt

Muss Deutschland also ab dem Kindesalter fußballerische Kampfpanzerchen ausbilden, um erfolgreich zu werden? Wird Physis sträflich vernachlässigt? Schläft der Deutsche Fußball-Bund?
Der DFB hat die Ausbildung mit seiner "Trainingsphilosophie Deutschland" 2024 über alle Altersstufen umgestellt und massiv ins System eingegriffen.
Alles auf der Basis von "Freude, Intensität und Wiederholung": Je mehr Spielzeit und offensive bzw. defensive Fußballaktionen pro Spieler/Spielerin, desto besser. "Das Spielen auf Tore in kleinen Gruppen ist so wichtig wie das tägliche Wassertrinken", sagt Hannes Wolf auf der DFB-Homepage. Er ist der Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung.
Die Leitsätze stehen im "Flipbook" zur Trainingsphilosophie, das zum Download bereitsteht. "Wir entwickeln in jeder Minute des Trainings die einzelnen Spielerinnen und Spieler weiter!

Hannes Wolf: "Müssen schneller besser werden"

Wir trainieren mindestens zweimal pro Woche in kleinen Spielformen auf mehreren Feldern, damit jeder Spieler und jede Spielerin den Fußball hochdosiert mit einer hohen Nettospielzeit erlebt!"
Dabei soll der Spieler im Mittelpunkt stehen, nicht das Gerüst. "Die Taktisierung des Fußballs (...) und große Spielformen haben in den letzten Jahren verhindert, dass Spielerinnen und Spieler ihr individuelles Potenzial voll entfalten konnten", lautet ein Kernsatz.
Der DFB sieht sich auf dem richtigen Weg und hat dafür auch Argumente. Aber: "Wir müssen weiter besser werden", sagt Wolf dem "SID". Und schneller!
Denn es wird in der Breite gefördert, die "Dropout-Quote" der früh aufhörenden Fußballer soll gesenkt, aber auch die Spitze gestärkt werden. Die Lücke zwischen Nachwuchs- und Profibereich muss kleiner werden.

Modernere Trainingsmethoden mit 3-gegen-3

Und wo sind sie, die deutschen Tugenden?
Wer ein Kindertraining nach "Funino" auf vier Mini-Tore beobachtet, sieht das ultimative Zweikampfspiel. Ständig Körperkontakt, ständig Balleroberung, Dribblings, Suche nach dem richtigen Pass. Physis, Athletik, Robustheit sind explizit mitgedacht, die Übungen sind auf etliche Weisen variabel.
Es werden keineswegs softe Ballzauberer produziert, die dann "im echten Leben" weggeholzt werden. Problem: Wer seit zwei Jahren so trainiert, ist jetzt nicht 25 und haut Paraguay aus dem Turnier.
Im 3-gegen-3, rechnet der DFB vor, gibt es im Vergleich zum 7-gegen-7 viermal so viele Ballaktionen und "fußballspezifische Entscheidungen", dreimal so viele Zweikämpfe, fünfmal so viele Torschüsse. Das gebietet allein die Logik.
Im 11-gegen-11 sieht ein Stürmer vielleicht alle paar Minuten den Ball, schon beim 7-gegen-7 wird er viel häufiger gefordert sein. Den Ball verteidigen, abschirmen, abschließen. Das, so die Idee, summiert sich über ein Fußballerleben.

DFB ignoriert Warnungen vor schwachen Jahrgängen

Zudem sollen alle Spieler auf andere ihres Niveaus treffen. Viele kennen den viel weiter entwickelten Jungen aus der Mannschaft des Sohnes, der Slalom läuft und alle anderen frustriert.
Der oft gehörte Vorwurf, durch Verzicht auf Tabellen bei den Kleinsten sei das Leistungsprinzip abgeschafft, geht für den Verband ins Leere.
Die Revolution läuft, allerdings: mit Verspätung. Der DFB hat Zeit verschenkt, er hat Warnungen vor schwachen Jahrgängen lange ignoriert. Denn: "Oben" lief es ja. Weltmeister!
Andere, auch kleinere Länder wie Belgien oder Norwegen, sind weiter. Zudem kann der Verband im föderalen System nicht diktieren, er muss überzeugen, ausbilden, an die Vereine und Schulen gehen.

Klopp: Alles hinterfragen

Er muss Pünktchen auf der Deutschlandkarte setzen, die zu einem Netz wachsen. Das ganzheitliche Konzept des täglichen Bessermachens: es dauert.
Geduld ist im Profifußball eine seltene Gabe, das zeigt sich nie besser als nach Turnieren, wenn alle nach Konsequenzen rufen. Auch Jürgen Klopp sagt, "ab der U10" müsse beim DFB alles strukturell hinterfragt werden. Er wird wahrscheinlich der neue Bundestrainer.
(SID)
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Quelle: Perform


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