WM 2026 - Analyse zu Nagelsmanns Kader-Nominierung mit unbequemen Entscheidungen: Was zählt, ist nur das Hier und Jetzt!
Update 21/05/2026 um 19:43 GMT+2 Uhr
Der Bundestrainer wiederholte bei der Präsentation des DFB-Kaders für die WM in Nordamerika seine Titelambitionen, sagte: "Wir wollen Weltmeister werden!" Verständlich: Nagelsmann sucht den kurzfristigen Erfolg. Es ist ein Kader für diesen Sommer, keiner für die Zukunft. Die Perspektive des Einzelnen, etwa von jungen Talenten wie El Mala oder Ouédraogo, kann ihm auch egal sein. Eine Analyse.
Nagelsmann verteidigt Sané : "Hohe Anerkennung im Team"
Quelle: Perform
Ein Bundestrainer hat's wahrlich nicht leicht. 62 Telefonate, so die selbst vorgenommene Schätzung von Julian Nagelsmann, musste er ab Anfang der Woche führen. Wenn die Zahl 62 stimmt, lautete die Quote: 36 Kandidaten hinterließ der 38-Jährige nach teils "ganz, ganz fiesen Gesprächen" enttäuscht, traurig und wütend zurück. Und 26 erfreut bis tanzend. Der Chefcoach des höchsten Amtes der deutschen Trainerzunft kann es eben nicht allen recht machen.
"Wir haben im Trainerteam diskutiert bis kurz vor knapp, haben nicht gewürfelt oder gelost", versicherte ein aufgeräumter Nagelsmann am Donnerstagnachmittag in der Futsal-Halle des Frankfurter DFB-Campus und bilanzierte die Auswahl der 26 Kandidaten für die WM im Sommer mit den Worten: "Meine Rübe war mehr als Matsche." So ein Mist, dieses Ausmisten.
Die Nominierung eines jeden Turnier-Kaders ist ein heikles Konstrukt. Es soll nach Leistung gehen, nach Form, nach Können sowieso. Die Skills, das sind die hard facts. Aber auch die soft facts, die integrativen Fähigkeiten eines jeden Kickers innerhalb einer Gruppe, spielen eine große Rolle. Wer also übernimmt diesen Sommer in Nordamerika, bei der längsten und wohl strapaziösesten WM aller Zeiten, die Rolle eines Thomas Müller, eines Lukas Podolski?
Die Antwort gab Nagelsmann an diesem Donnerstag: Deniz Undav. Der VfB-Stürmer habe die "riesige Fähigkeit, mit seinen lockeren Sprüchen, mit seinen Witzen, mit seinem Charme, die Stimmung aufzulockern und die Gruppe auf seine Seite zu ziehen". Gut, den Bundestrainer selbst konnte er bei den letzten Test-Länderspielen trotz seines Siegtreffers beim 2:1 gegen Ghana Ende März nicht für sich gewinnen. Nagelsmann kanzelte Undav, für den er lediglich eine Jokerrolle vorgesehen hat, verbal ziemlich rüde ab, entschuldigte sich später. Und nun bekommt der Angreifer des VfB Stuttgart, der mit 19 Treffern hinter dem Außerirdischen Harry Kane (bei der WM für England auf Titeljagd) Zweiter der Torschützenliste der Bundesliga wurde, eine Schlüsselrolle.
Wird Deniz Undav der neue Poldi, der Müller-Nachfolger?
Rein menschlich - als Kabinen-Kleber. Einer, der alle und alles zusammenhält, obwohl er nicht so viel zum Einsatz kommt. Wie etwa Thomas Müller, der bayerische Optimismusminister, bei der Heim-EM 2024. Oder eben Lukas Podolski, den der frühere Bundestrainer Joachim Löw auch dann noch nominierte, wenn der Gute-Laune-Garant sportlich längst über seinem Zenit war, etwa bei der EM 2016 in Frankreich.
Wenn man sich die Struktur des 26er-Kaders anschaut, darf Undav in Nordamerika wohl sogar seine Fähigkeiten als Fußballer unter Beweis stellen. Denn neben Kai Havertz, als spielstarke, hängende Neun bei Nagelsmann gesetzt, wurde kein reiner Stoßstürmer nominiert. Aus (guten) Gründen: Niclas Füllkrug hat nicht mehr die Form von einst, kam bei der AC Mailand in der Rückrunde auf zu wenig Spielzeit und – wenn er dann doch mal eingewechselt wurde - auf zu wenige Tore.
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Deniz Undav wird laut Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der WM nicht über die Jokerrolle hinauskommen
Fotocredit: Getty Images
Tim Kleindienst, den Nagelsmann gerne mitgenommen hätte, feierte erst am 34. Spieltag nach langer Verletzung bei Borussia Mönchengladbach sein Comeback - zu spät. Und Jonathan Burkardt fand bei Krisenklub Eintracht Frankfurt trotz ein paar Treffern nicht mehr in die Spur. Im Gegensatz zu Nick Woltemade, der in einer (unter-)durchschnittlichen Saison bei Newcastle United zahlreiche neue Erfahrungen gesammelt hat und kürzlich, erstmals seit Februar, sogar wieder ein Tor erzielte.
Der umstrittene Sané erhält die Rolle als Herausforderer
Kann man so machen, diese Offensiv-Auswahl von Nagelsmann, der neben den Vollstreckerqualitäten von Havertz und Woltemade (plus Joker Undav!) auf die Kreativität von Florian Wirtz und Jamal Musiala setzt, als Ass im Ärmel hat er Spielgestalter Nadiem Amiri in der Hinterhand.
Von der Bank aus lauern auf Einsätze: die Flügelspieler Maximilian Beier und Jamie Leweling (nominiert anstelle von Chris Führich und/oder Karim Adeyemi) sowie Lennart Karl und Leroy Sané. Beide sind dezidiert in der Rolle der Herausforderer.
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Leroy Sané fährt mit der deutschen Nationalmannschaft zur WM 2026
Fotocredit: Getty Images
Sowohl der 18-jährige Bayern-Profi Karl als auch der bei den Fans so umstrittene Sané, mittlerweile schon 30, können in Nordamerika nur überraschen. Ein Top-Dribbling, ein erfolgreicher Abschluss, sprich: ein entscheidender Impact in einem kniffligen Gruppenspiel oder in der Verlängerung eines K.o.-Runden-Duells - dafür sind Karl und Sané im Kader.
Nagelsmann setzt auf Erfahrung, nur ein Teenager im Kader
Speziell die Nominierungen von Amiri (29) und Sané (30) - dagegen muss der Kölner Shootingstar der Saison, Said El Mala (19), zu Hause bleiben - beweisen: Nagelsmann setzt auf Routine und Erfahrung bei seinen Auserwählten. Auch Mittelfeldspieler Pascal Groß (34) erhielt den Vorzug vor dem aufstrebenden Tom Bischof (20) oder dem - oft verletzten - Assan Ouédraogo (20/Leipzig).
Auch Antonio Rüdiger (33), in der Innenverteidigung nur noch Backup des Duos Schlotterbeck/Tah, steht mehr für die Vergangenheit als für die Zukunft. Bleibt Rüdiger ruhig trotz seiner Reservistenrolle, könnte er ein wichtiger Baustein des Kader-Puzzles sein. Ganz zu schweigen von der Aufgabe, die DFB-Rückkehrer Manuel Neuer mit seinen 40 Jahren als Oldie, aber auch als alte und neue Nummer eins erhält. Nagelsmann schwärmte von der "Aura" des letzten Weltmeisters von 2014, der nun - zwölf Jahre später - erneut mit zur WM reist.
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Nagelsmann begeistert: Musiala und Nmecha zurück in Topform
Quelle: Perform
Beim Blick auf diese 26er-Auswahl verfängt ein Eindruck: Nagelsmann, der in Frankfurt seine Titelambitionen wiederholte ("Wir wollen Weltmeister werden!") sucht den kurzfristigen Erfolg. Es ist ein Kader für diesen Sommer, keiner für die Zukunft. Die Perspektive des Einzelnen kann ihm auch egal sein. Denn das Abschneiden bei dieser WM wird am Ende trotz des Vertrages bis zum Sommer 2028 auch über seine Zukunft entscheiden. Also coacht er lieber im Hier und Jetzt.
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Deutschlands Nummer 1: Nagelsmann nimmt Neuer mit zur WM
Quelle: Perform
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