Wirtz, Musiala, Karl: Wie Bundestrainer Nagelsmann das DFB-Traumtrio bei der WM gemeinsam einsetzen kann
VonLuca Baier
Update 05/06/2026 um 20:37 GMT+2 Uhr
Der Test gegen Finnland gab einen Vorgeschmack darauf, wie die DFB-Offensive bei der WM aussehen könnte. Mit Florian Wirtz, Jamal Musiala und Florian Wirtz bot Bundestrainer Julian Nagelsmann gleich drei Spielmacher auf. Eurosport.de analysiert vor der Generalprobe des DFB-Teams gegen die USA am Samstag, wie die drei Zauberfußballer nun gemeinsam funktionieren können.
Florian Wirtz (l.) und Jamal Musiala beim DFB-Testspiel gegen Finnland.
Fotocredit: Imago
Vor der Europameisterschaft 2024 war die große Frage, ob Florian Wirtz und Jamal Musiala gemeinsam auf dem Platz harmonieren können: Die beiden Dribbler kommen am besten als Zehner zur Geltung, die sich frei übers Feld bewegen dürfen.
Zwei Jahre später gibt es mit Lennart Karl einen weiteren Spieler, der diese Charakteristiken mitbringt - allerdings droht der Bayern-Youngster nach einer im Abschlusstraining vor dem Test gegen die USA (Sa., 20:30 Uhr im Liveticker) erlittenen Verletzung für die WM auszufallen.
Im Test gegen Finnland bot Julian Nagelsmann alle drei Spielmacher zuletzt gemeinsam auf. Im nominellen 4-2-3-1 bildeten sie die Dreierreihe hinter Stürmer Deniz Undav. Dieses System gab es jedoch praktisch nicht zu sehen.
Da Rechtsverteidiger Joshua Kimmich zusammen mit den Innenverteidigern Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck eine Dreierkette im Aufbau bildete und Linksverteidiger Nathaniel Brown ins Mittelfeld vorschob, agierte Deutschland im 3-1-5-1. Musiala besetzte dabei die Position hinter der einzigen Spitze. Karl agierte rechts ganz klar vom Flügel aus, Wirtz teilte sich auf der linken Seite die Außenbahn und die linke Achterposition mit Brown.
Leverkusen-Style auf der linken Seite: Brown macht Wirtz den Grimaldo
Auffällig dabei war, dass die Abläufe auf der linken Seite sehr an Leverkusens Doublemannschaft aus der Saison 2023/2024 erinnerten. Damals agierte Wirtz zusammen mit Alejandro Grimaldo auf der Seite, im DFB-Dress nun eben mit Brown.
Ein Spieler zeigte sich immer an der Linie, der andere im linken Halbraum. Hier zeigten sich die unterschiedlichen Stärken der beiden Nationalspieler: War Brown breit an der Linie, machte Wirtz zwischen den Linien ein kurzes Angebot.
So konnte er entweder den Doppelpass mit Brown spielen oder aber selbst aufdrehen und Richtung Tor ziehen.
Agierte wiederum Wirtz aus der breiten Position, sah man immer wieder tiefe Laufwege von Brown aus der Halbposition. Die Folge: Der Raum im Zentrum wurde freigezogen, Wirtz konnte nach innen dribbeln und das Spiel verlagern oder aber Brown in der Tiefe finden.
Karl wie der junge Messi als Spielmacher von Rechtsaußen
Auf der anderen Seite hielt Karl dagegen fast durchgängig die Position an der Linie. Der Shootingstar zeigte sich zudem recht flach und nicht auf der letzten Linie. So konnte er oft in den Fuß angespielt werden und hatte das Spiel vor sich.
Wie der ganz junge Lionel Messi beim FC Barcelona konnte Karl so in Situationen gebracht werden, in denen er mit Gesicht zum Tor sofort losdribbeln konnte. Mal suchte er Anspiele in die Schnittstelle für Undav, mal verlagerte er das Spiel nach links und mal spielte er nur einen kurzen Doppelpass mit Felix Nmecha, der halbrechts unterstützte.
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Lennart Karl (l.) im Zweikampf mit Anssi Suhonen
Fotocredit: Getty Images
Karl kam dadurch in viele Positionen, aus denen er die letzte oder vorletzte Aktion starten konnte. Dass er dabei auch mal hängen blieb, fiel angesichts des guten Gegenpressings der DFB-Elf nicht ins Gewicht.
Dass Karl letztlich an fast allen torgefährlichen Situationen beteiligt war, zeigt die großen Vorteile dieser Rolle: Kann der Bayernstar Tempo aufnehmen, ist er kaum zu stoppen. Ließe man ihn hingegen in höheren Positionen statisch einen Raum besetzen, käme er öfter in Infight-Situationen, in denen er aufgrund der mangelnden Körperlichkeit sicherlich oftmals den Kürzeren ziehen würde.
Musiala in seiner Paraderolle mitten im Getümmel
Das Zentrum blieb aufgrund der Rollen am Flügel für Wirtz und Karl frei für Musiala. Der 23-Jährige hat in dieser Raumaufteilung hinter Undav alle Freiheiten und kann seine größten Stärken einbringen.
Gleich mehrfach ließ er sich im eigentlich komplett versperrten Raum vor der finnischen Abwehr anspielen und behauptete sich mit seinen unvergleichlichen Bewegungen gegen mehrere Gegenspieler.
Dies zieht logischerweise Aufmerksamkeit auf sich und öffnet Räume für die Mitspieler. Die meisten Mannschaften werden gegen das DFB-Team ähnlich tief und kompakt verteidigen wie Finnland – Musiala bleibt also enorm wichtig in dieser Rolle.
Doch auch in den wenigen Momenten, in denen der Gegner hoch presst, ist Musiala der Schlüssel: Aus der Zehnerposition heraus kann er oft der Überzahlspieler sein, der zurückfällt und bei dem es unklar ist, wer ihn in diesen Situationen verfolgt.
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Jamal Musiala findet so langsam zurück zu alter Stärke
Fotocredit: Getty Images
Nagelsmann braucht Zehner in der Box
Auffällig war zudem, dass Nagelsmann seinen Zehner offensichtlich nochmal dafür sensibilisiert hat, so oft es geht mit in den Strafraum zu gehen. Immer wieder tauchte Musiala in der Box auf, besonders in den Momenten, in denen Karl oder Wirtz nach innen dribbelten.
Mit seiner Abschlussstärke – auch aus mittlerer Distanz und mittlerweile auch per Kopf – bringt er noch einmal ein anderes Element ein als die anderen beiden Spielmacher.
Eurosport-Check: Es ist leicht zu sagen, dass Spieler wie Musiala, Wirtz und Karl sich zu ähnlich sind und man deswegen nicht mit allen gleichzeitig spielen kann. Ebenso leicht ist es die Meinung zu vertreten, dass Spieler dieser Qualität sowieso zusammen funktionieren müssen. Es kommt immer auf die Aufgabenverteilung und die Raumaufteilung an. Stünden alle drei nah beieinander zwischen den Linien, wäre das Spiel wohl zu ausrechenbar.
In der neuen Struktur, die Nagelsmann gegen tief stehende Gegner vorschwebt, haben alle drei Ballkünstler unterschiedliche Aufgaben und kommen ihren Stärken entsprechend zu Situationen.
Gelingt dies gegen die USA, wird das Trio ganz sicher auch bei der WM gemeinsam starten dürfen.
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Havertz lobt Undav: "Statistik spricht für ihn"
Quelle: Perform
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