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Häme für Maradona
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Publiziert 11/09/2009 um 16:55 GMT+2 Uhr
"Stellt Euch vor, es ist WM und Maradonas Millionäre fahren nicht hin!". So amüsiert sich Paraguay über die Pleiten der "Gauchos". Ganz Südamerika schüttelt den Kopf über den Trotz des argentinischen Nationalhelden, der immer noch nicht einsehen will, dass Arroganz noch kein WM-Ticket garantiert.
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Hey, Maradona, wir haben das WM-Ticket - und Du?". So lautete die fröhlich-hämische Headline in Paraguays Tageszeitung "Ultima Hora" am Morgen nach dem historischen Sieg im Stadion "Defensores del Chaco" - und repräsentiert damit den Spott in ganz Südamerika, den die Argentinier nach den beiden letzten Pleiten einstecken müssen.
Angeknackste "Hand Gottes"
"Paraguay hat mit Biss gespielt und den Gegner verspeist, der sich am Rande des Kollapses befand", malt die Zeitung begeistert das Bild des so lang ersehnten Triumphes nach. Die Schulkinder bekamen zur Feier des Tages schulfrei, und auf den Straßen Asuncions läuft nun erst recht jeder, der etwas auf sich hält, im Nationaltrikot umher und brüllt Spottlieder über die angeknackste "Hand Gottes!"
Sonderlich beliebt sind sie in ihren Nachbarländern nicht, die Kicker der "Albiceleste", was mit deren allgemeiner Arroganz und in Sachen Fußball sicherlich auch mit einer guten Portion Neid der anderen für lukrative Verträge in Europa zu tun haben mag.
Vor allem aber mit der umstrittenen Figur Maradonas, der in den Jahren vor seiner Berufung als neuer Nationalcoach Argentiniens nur noch mit Skandalen, Beinahe-Todesnachrichten oder Drogen-Exzessen und Entziehungskuren in den Medien auftauchte. Als man ihn dann in Argentinien zum Chef der "Albiceleste" berief, schüttelte der Rest der Fußball verrückten südamerikanischen Welt nur ungläubig den Kopf, mit der klaren Erkenntnis: Die spinnen, die "Gauchos"...
"Weine, leide, Maradona!"
Und jetzt? "Llora, Llora, Diego - weine Du nur, Maradona...", wird das Musical um Evita Perón in den Schlagzeilen fröhlich zitiert, und man reibt sich nicht nur in Paraguay begeistert die Hände, wenn Maradona selbst widerwillig zugeben muss: "Wir hätten Haedo Valdez und Cabañas besser decken müssen - das sind wirklich gute Spieler."
In Brasilien reagierte man ein wenig vorsichtiger - schließlich waren Dunga und Co. noch vor einem Jahr ebenfalls Opfer so manch böser Schlagzeile, als es nach schlechtem Start in die Qualifikationsrunde nach einem ähnlichen Debakel aussah.
Dennoch können sich auch im Lande der jetzt wieder bärenstarken Selecao nicht alle eine gewisse Schadenfreude verkneifen: "Leide nur, Don Diego", setzt die Zeitung "Diario Catarinense" über seinen Artikel in Sachen Argentinisches Dilemma.
Spanische Rückendeckung für Messi
Aus Spanien kommt eine Mischung aus Häme und Kopfschütteln: "Maradona, der gefallene Gott", oder "Maradona begräbt seinen eigenen Mythos". Barcelonas Mittelfeldspieler Seydou Keita spricht ganz frech das aus, was viele denken: "Den Maradona kann man doch zum Zeitungen verkaufen losschicken, aber sonst..."
Und auf Maradonas Seitenhieb ins Sachen Messi, "der muss aufhören den Superstar zu spielen und endlich ein Mann werden," kontert man in dessen Wahlheimat: "Messi, Barcelona ist Dein Zuhause".
Verteidigt wird die ehemalige Nummer 10 eigentlich nur von der "Iglesia Maradoniana", also der "Kirche Maradonas" - einer eigenartigen Gruppe, die ihn wie einen Gott verehrt und sich nun bitter beschwert, es gäbe ja wohl statt Fußball nun einen neuen Sport in Südamerika, "Maradona verhauen!". Hätten auch die Paraguayos nicht treffender formulieren können.
Seitenhiebe gegen satte Profis
Schon vor Beginn der Partie in Asuncion hatte der Dortmunder Nelson Haedo Valdez dem Gegner erklärt, "Wir sind ein echtes Team, wir verstehen uns gut und halten zusammen - das ist der Unterschied!" Und sein Kapitän, Torwart Justo Villar erklärte nach dem Sieg: "Die Farbe unseres Trikots und das Emblem darauf sind für uns viel mehr wert als irgendeine Summe an Geld, die man uns anbieten könnte!"
Auch das ein deutlicher Seitenhieb gegen die satten und seiner Meinung nach deshalb müden Krieger wie Messe, Tevez und Co. - aber auch ein Hinweis darauf, dass es Befürchtungen in Sachen Bestechung von Seiten der Argentinier gegeben hatte im eigenen Land.
Möglich ist so etwas durchaus in Südamerika - und prompt weist Villar die Äußerungen solch "böswilliger Menschen" weit von sich. Auch der Trainer Gerardo Martino sah sich gezwungen, die Unbestechlichkeit seiner Spieler zu betonen.
Aufbaugegner Peru
Er selbst ist Argentinier, war früher Mannschaftskollege von Maradona in der Nationalmannschaft und bei den Newell's Old Boys und hat bei aller Genugtuung über den Sieg der eigenen Truppe durchaus Mitleid mit dem Kollegen. In einem Radio Interview erklärte er gestern: "Mir wäre es am liebsten, wenn sich jetzt Argentinien und Chile direkt für die WM qualifizieren würden." Die Chancen für die Gauchos: nur 26 Prozent.
Und auch von anderer Stelle kommt ein wenig überraschend Trost für Maradona - aus Peru, vom nächsten Gegner der Argentinier! Hier schimpften die Zeitungen einhellig über die miserable Leistung der eigenen Nationalmannschaft, die zuhause mit 1:3 gegen Venezuela unterlag und Tabellenletzter der WM Gruppe in Südamerika ist. Prompt lautet hier die Schlagzeile: "Keine Sorge, Diego - jetzt geht's ja gegen Peru!"
TV-Tipp:
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