Olympia 2024: Esther Henseleit holt erste olympische Golfmedaille für Deutschland - ein Triumph aus dem Nichts

Seit sechs Jahren ist Esther Henseleit als Profigolferin weltweit unterwegs und stellte ihr Talent schon unter Beweis. Der große Coup blieb ihr jedoch bislang verwehrt - bis zum vorletzten Wettkampftag der Olympischen Spiele 2024 in Paris. Dank einer fabelhaften Schlussrunde auf dem schweren Platz von Le Golf National gelang der 25-Jährigen mit Silber eine echte Sensation. Die Gründe.

Silber-Golferin Henseleit exklusiv: "Medaille oder nichts"

Quelle: Eurosport

Le Golf National ist ein Monster. Jahr für Jahr zerlegt es auf dem Golfplatz in Saint-Quentin-en-Yvelines, südwestlich von Paris, die Elite der DP World Tour, wenn sie zur Open de France antritt.
Auch die US-amerikanischen Ryder-Cup-Spieler, die durch die Bank zu den besten Golfern der Welt gehören, können ein Lied davon singen, wie unangenehm eine Runde werden kann, wenn Le Golf National seine Krallen ausfährt.
Phil Mickelson, immerhin sechsmaliger Majorsieger, sagte nach dem Ryder Cup 2018 in Paris: "Das ist kein Spaß hier. Wenn du die Fairways nicht triffst, kannst du eigentlich gleich wieder nach Hause gehen."
Vor allem die ersten beiden und die letzten vier Löcher sorgen regelmäßig für Puls bei den Spielern. Lang, eng, überall Wasser. Schlagverluste sind hier ganz normal.
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"Eine Legende wird unsterblich": Ko mit Birdie zur Goldmedaille

Quelle: Eurosport

Henseleit startet denkbar schlecht

Das musste auch Esther Henseleit gleich zu Beginn des olympischen Turniers der Frauen feststellen. Die 25-Jährige startete mit Doppelbogey, Bogey - drei über Par nach zwei gespielten Löchern. Ginge es nach Mickelson, hätte die Deutsche gleich umkehren können.
Doch Henseleit biss sich in die Runde und durchs gesamte Turnier. Bei Halbzeit lag sie auf Rang 22, vor der Schlussrunde auf Platz 13 mit fünf Schlägen Rückstand auf Bronze.
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Küsschen nach dem Birdie: Henseleit gewinnt Golf-Silber

Quelle: Eurosport

Fünf Schläge aufzuholen sind im Golf kein Ding der Unmöglichkeit. Angesichts der enorm starken Konkurrenz mit den Superstars Lydia Ko (NZL), Nelly Korda und Rose Zhang (beide USA), die vor Henseleit lagen, aber nicht wirklich realistisch. Zumal Birdies und Eagles, die es für eine Aufholjagd benötigt, auf dem Monsterplatz deutlich seltener gespielt werden als anderswo.
Henseleit setzte alles auf eine Karte und nagelte ihre Eisenschläge auf die Grüns der Löcher eins und zwei an die Fahne. Mit einem Birdie/Birdie-Start spielte sie sich in die Top 10 und immer näher ran an die Medaillen.
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Henseleit muss sich kneifen: "Werde ein paar Tage brauchen"

Quelle: Perform

Henseleit jubelt über Silber: "Es ist einfach unglaublich"

Nach zwei weiteren Birdies auf den Löchern neun und zehn lag die Hamburgerin erstmals auf einem Medaillenrang. Während einige Spielerinnen aus der Spitzengruppe, mit Korda auch die Nummer eins der Welt, Schlag um Schlag verlor, blieb Henseleit auf dem Gaspedal.
Auf der schweren 17 gelang ihr ein Meisterstück. Aus dem tiefen Gras schlug sie den Ball aus knapp 140 Metern Entfernung drei Meter an den Stock. Der Putt zum Birdie fiel und auf ihrem Schlussloch kannte Henseleit nur eine Devise: volle Attacke. Nach einem 250-Meter-Drive und einem starken Annäherungsschlag genügten ihr zwei Putts zu einem weiteren Birdie.
Mit einer 66 (sechs unter Par) spielte Henseleit eine überragende Schlussrunde und überholte damit fast die gesamte Konkurrenz. Lediglich die neue Olympiasiegerin Lydia Ko war nach vier Tagen zwei Schläge besser.
"Es ist wirklich unglaublich", sagte Henseleit nach ihrem Silber-Coup: "Ich wusste, dass ich etwas Besonderes leisten muss, um eine Medaille zu gewinnen. Ich habe es geschafft. Hier zu stehen, das Ding in meiner Hand zu halten, ist einfach unglaublich."
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Unfassbares Birdie! Henseleit schnappt sich die Medaille

Quelle: Eurosport

Dürrejahre nach dem Paukenschlag

Es ist der mit Abstand größte Erfolg der 25-Jährigen, die ihre Profikarriere 2019 mit einem großen Knall begann. Auf Anhieb gelangen ihr zwei Turniersiege, elfmal landete sie in den Top 10.
Nach zwei Dürrejahren gewann sie im Februar 2022 in Kenia ein zweitklassig besetztes Turnier - ihr dritter Toursieg. Weitere Triumphe blieben ihr verwehrt, die ersten Monate nach dem Wechsel auf die lukrative LPGA-Tour in den USA verliefen eher schleppend.
Anfang des Jahres belegte Henseleit Weltranglistenrang 108. Doch rechtzeitig vor Olympia kam sie in Form. Nach zwei Top-10-Platzierungen in Amerika wurde sie bei der Evian Championship in Frankreich, dem fünften und letzten Majorturnier des Jahres, geteilte Siebte.
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Henseleit schwärmt: "Gänsehaut und Tränen in den Augen"

Quelle: Eurosport

Dass Henseleit mit Silber in Paris als erste Medaillengewinnerin deutsche Golf-Geschichte geschrieben hat, kommt dennoch sehr überraschend.
Mit viel Courage und Nerven aus Stahl schockte sie die Superstars der Szene auf dem Ungeheuer Le Golf National mit einer Birdieserie am letzten Tag, an dem die Fahnen traditionell noch einmal extra schwer auf den Grüns verteilt werden.
Esther Henseleit darf Le Golf National jetzt verlassen - nicht aus Frust, sondern mit der Silbermedaille um den Hals.
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Henseleit im Medaillenglück: Golferinnen feiern bei Siegerehrung

Quelle: Eurosport


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