Keine wild umherhüpfenden Spieler, keine Champagner-Dusche für den Trainer: Emotionsloser hat der THW Kiel noch keinen seiner nun 21 Meistertitel gefeiert. Nach dem Abbruch der Handball-Bundesliga (HBL) ist der Rekordmeister zum ersten Corona-Champion ernannt worden.
"Aus sportlicher Sicht wäre es natürlich das Beste gewesen, die Saison fortzusetzen. Der Rahmen hat gesundheitlich, organisatorisch und wirtschaftlich aber nicht gepasst. Von den ungerechten Lösungen haben wir diese für die beste gehalten", sagte Bohmann und fügte an: "Es ist ein echter Schlag ins Kontor. Es ist ein hoher wirtschaftlicher Verlust." Der finanzielle Schaden wird auf rund 25 Millionen Euro geschätzt.
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Dennoch fand der Vorschlag von Bob Hanning nur wenige Anhänger. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin hatte angeregt, alle 18 Erstligisten im Juni an einem Ort innerhalb kürzester Zeit die verbleibenden Spiele zu absolvieren. "Geisterspiele sind schwer zu organisieren für Mannschaften außerhalb des Fußballs. Das blöde Virus einzudämmen, wäre bei jedem Fortsetzungsszenario schwierig geworden", erklärte Bohmann.

THW Kiel mit ersten Meistertitel seit 2015

Liga-Präsident Uwe Schwenker betonte, dass "ein Wiedereinstieg zu einem noch späteren Zeitpunkt nicht mehr machbar" gewesen wäre, "da das Zeitfenster, das uns bis zum 30. Juni bleiben würde, zu klein wäre, um den Spielern auch nur annähernd die Chance zu geben, sich im Trainingsbetrieb auf den harten Wettbewerb vorzubereiten". Der Abbruch sei daher zwar "sehr bitter, aber alternativlos". Hanning erklärte: "Der Beschluss der Liga ist gefasst, eine für alle gerechte Lösung wird es nie geben können."
Für Kiel ist es der erste Meistertitel seit 2015. Zudem hat sich der THW gemeinsam mit dem Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt für die Champions League qualifiziert. Der SC Magdeburg, die TSV Hannover-Burgdorf und die Rhein-Neckar Löwen spielen in der Euro League (ehemals EHF-Cup).

Der THW Kiel ist Deutscher Meister 2020

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Coburg und Essen steigen auf

Bei der Wertung der Spielzeit entschied sich das Präsidium gegen eine Annullierung und für die Anwendung der Quotientenregel, die Tabellenführer Kiel als bestes Team der Saison 2019/20 ausweist. Absteiger wird es nicht geben, Aufsteiger sind HSC 2000 Coburg und TuSEM Essen. Die HBL startet mit 20 Klubs in die neue Saison, in der es vier Absteiger geben wird und die mit dem Supercup zwischen Kiel und Flensburg in der ersten Septemberwoche beginnen soll.
"Wir müssen uns aber auch auf andere Szenarien vorbereiten", sagte Bohmann und prophezeite schwere Zeiten: "Die Krisenmanagement-Qualitäten müssen nach vorne gestellt werden. Jeder muss den Kopf über Wasser halten und die nächste Saison überleben. Existenziell entscheidend wird es nun sein, wann wir wieder in unseren Arenen vor Zuschauern spielen können."

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HBL hofft auf Unterstützung der Politik

Der Dauerkartenverkauf gestaltet sich schwierig, ebenso die Sponsorensuche. Großveranstaltungen sind mindestens bis zum 31. August verboten. Ob es danach wieder Spiele mit Zuschauern geben wird, ist völlig offen. Man werde befolgen, "was uns die Behörden vorgeben", so Bohmann, dem die Planungen für die neue Spielzeit "Kopfzerbrechen" bereitet.
Daher wünscht sich der HBL-Geschäftsführer Unterstützung aus der Politik. Es wäre schön, wenn sich die Politik den Sport hinter dem Fußball "vornehmen würde". Man brauche "vielleicht irgendwo die staatliche Unterstützung". Für diese Saison würde diese allerdings zu spät kommen.
(SID)
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