Fritz: "Die Zeit ist reif"

Er war Welthandballer und Weltmeister, auch die Champions League hat Torwart Henning Fritz schon gewonnen. Exklusiv bei Eurosport spricht der 35-Jährige von den Rhein-Neckar Löwen über das Königsklassen-Duell mit seinem Ex-Klub THW Kiel am Sonntag (Übertragung ab 18:35 Uhr live bei Eurosport).

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Das Pokalfinale gegen den HSV Hamburg haben Sie mit den Löwen knapp mit 33:34 in der Verlängerung verloren. Wie steckt man so etwas weg?
Henning Fritz: Man muss das verdauen, und das braucht Zeit. Wir waren einfach zu dicht dran am Pott, um direkt wieder zum Tagesgeschäft übergehen zu können. Die Niederlage hat aber auch gezeigt, dass wir einige Schritte nach vorne gemacht haben, denn wir haben den Hamburgern in deren Halle Paroli geboten. Es war ein großer Schritt für unser Team.
Nun geht es im Viertelfinale der Champions League gegen de THW Kiel. Wie stufen Sie den deutschen Rekordmeister ein?
Fritz: Der THW ist natürlich eine Spitzenmannschaft, aber es war klar, dass es keinen leichten Gegner geben würde. Aber das gerade schon angesprochene Pokal-Final-Four macht mir Hoffnung, dass wir mit der absoluten Spitze mithalten können. Ich sehe den beiden Partien optimistisch entgegen. Favorit sind aber die Kieler, die nun mit dem höheren Druck umgehen müssen.
Betrachten Sie es als Nachteil, zuerst daheim und dann im Rückspiel in Kiel spielen zu müssen?
Fritz: Ach wissen Sie, im Europapokal ist es aus meiner Sicht fast egal, ob zuerst zuhause oder auswärts. Wenn wir jetzt in Mannheim vorlegen können, dann steigt der Druck beim THW, denn die müssen dann erstmal aufholen. Man kann das drehen und wenden wie man möchte. Bei den Rhein-Neckar Löwen haben wir einige Neuverpflichtungen integriert und wachsen zusammen - und deshalb denke ich auch, dass der Abstand zu Kiel nicht mehr so groß ist.
Von 2001 bis 2007 haben Sie selbst beim THW Kiel gespielt. Das Champions-League-Duell mit den "Zebras" ist also gerade für Sie keine Partie wie jede andere.
Fritz: Ja, denn ich habe mit vielen selbst noch zusammengespielt. Dann ist der THW aus sportlicher Sicht mit das Nonplusultra im Handball. Gegen so ein Team will man sich natürlich beweisen. Aber ich muss auch sagen: Wenn ich nach Kiel komme, ist das immer ein sehr herzliches Willkommen und es macht Spaß dorthin zu fahren. Nichtsdestotrotz fahren wir da nicht zum Spaß hin.
Wie sehen Sie Ihren Abschied aus Kiel im Jahr 2007?
Fritz: Nun, das war ja nicht ganz freiwillig und von daher schon sehr schade. Sportlich und privat habe ich mich dort sehr wohl gefühlt, das Drumherum war optimal. Im Nachhinein ist das aber auch wieder ein Stück Lebenserfahrung. Ich bin damals beim THW mit den Titeln in der Bundesliga, dem Pokal und der Champions League gegangen - mit einem weinenden und lachenden Auge, wenn Sie so wollen. Aber an der Reaktion des Publikums sehe ich auch heute noch, dass meine Leistung in Kiel respektiert wird.
Ihre erste Profi-Station war Magdeburg. Sie haben einmal gesagt, ohne das DDR-System wären Sie nie so gut geworden.
Fritz: Dieses Sportsystem war mit Sicherheit sehr wichtig, denn es war sehr ausgeklügelt. Es war ein systematischer Aufbau. Alle Schüler unterlagen einem Sichtungssystem, in dem geschaut wurde, wer welche Ambitionen und Talente hat. Man ging Schritt für Schritt vor, mit gezieltem Training und sehr guten Trainern. Aber natürlich hatte ich dann nach der Wende auch das nötige Quäntchen Glück, in der Bundesliga für den SC Magdeburg spielen zu können. Ich hatte Trainer, die mir die Chance gegeben haben.
Ihr größter Erfolg war dann der WM-Titel 2007 im eigenen Land. Denken Sie noch oft daran?
Fritz: Die Leute sprechen noch immer davon. Schon allein daran sieht man, welchen Stellenwert dieser WM-Titel hat. Ich habe ja damals beim THW Kiel nicht gespielt, saß auf der Bank. Aber Bundestrainer Heiner Brand hat mir die Chance gegeben. Nach bescheidenem Start ging es dann im Turnierverlauf stetig bergauf, die Euphorie wuchs. Die WM 2007 in Deutschland war für mich das absolute Highlight.
Im Nationalteam spielen Sie derzeit keine Rolle mehr. Haben Sie mit diesem Thema abgeschlossen?
Fritz: Wenn der Bundestrainer mich braucht, dann stehe ich zur Verfügung. Ich selbst versuche einfach, meine Leistung stabil zu halten. Gerade in der Bundesliga-Rückrunde ist mir das auch gelungen, denke ich. Alles andere lasse ich auf mich zu kommen.
Ein weiterer Höhepunkt war die Auszeichnung zum Welthandballer 2004.
Fritz: Ich war der erste Keeper, dem diese Ehre zuteil wurde. Man hat damals erkannt, wie wichtig Torleute sind. In den entscheidenden Phasen spielt der Torwart nun mal eine entscheidende Rolle. Ich bin schon stolz auf diese Auszeichnung.
Mit den Rhein-Neckar Löwen warten Sie noch auf den ersten Titel. Wie lange noch?
Fritz: Ich glaube, die Zeit ist reif dafür. Aber man darf nichts übers Knie brechen. Auch der HSV Hamburg hat lange gebraucht, um erfolgreich zu sein. Man muss mit einer qualitativ guten Mannschaft langfristig zusammenspielen und dieses Team dann gezielt verstärken - dann wird sich der Erfolg einstellen.
TV-Tipp:
Die Handball Champions League bei Eurosport. Verfolgen Sie die Partien der Bundesligisten THW Kiel, HSV Hamburg und RN Löwen LIVE im TV. Darüber hinaus zeigt Eurosport alle 148 Spiele der Saison 2009/2010 im Eurosport Player auf www.eurosportplayer.de.
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