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DHB-Team nach EM-Aus - Christian Prokop: "Unser Nervenkostüm war nicht stabil"

Prokop nach EM-Aus: "Unser Nervenkostüm war nicht stabil"
Von SID

25/01/2018 um 08:49

Handball-Bundestrainer Christian Prokop spricht über die Gründe für Deutschlands vorzeitigen K.o. bei der Europameisterschaft in Kroatien. Zudem zieht er sein persönliches Fazit und erklärt, warum er einen Rücktritt ausschließt. Das Interview wurde nach dem DHB-Ausscheiden gegen Spanien (27:31) in der Mixed Zone der Arena in Varazdin geführt.

Christian Prokop, Deutschland hat 27:31 gegen Spanien verloren und ist bei der EM krachend gescheitert. War es der bitterste Moment in Ihrer Trainerkarriere?

Christian Prokop (Handball-Bundestrainer): Natürlich. Das ist gerade ein schwerer Moment, weil wir alle diese Chance ergreifen und ins Halbfinale wollten. Aber wir haben verdient verloren. Spanien war deutlich stärker.

Woran hat es gelegen, dass es im entscheidenden Moment nicht funktioniert hat?

Prokop: Unser Nervenkostüm war nicht stabil. Wir haben in der ersten Halbzeit trotz guter Abwehrleistung und auch guter Angriffsaktionen zu viele freie Bälle liegen lassen. Wir hätten uns noch mehr absetzen müssen. Das hätte uns Sicherheit gegeben, aber das haben wir nicht. Wir machen dann Anfang der zweiten Halbzeit leider vier, fünf unerklärliche, leichte Abspielfehler, die dann das Spiel vorentscheiden.

Die Erwartungen vor der EM waren riesig, es gab einen unheimlichen Druck. Wie fällt Ihr ganz persönliches Fazit aus nach ihrem ersten Turnier in neuer Rolle?

Prokop: Mit Sicherheit habe ich ganz viele wichtige Erfahrungen sammeln können, die für die Zukunft helfen werden. Ich bin enttäuscht, weil wir haben ein anderes Ziel gehabt, als das Halbfinale zu verpassen. Man muss aber neidlos anerkennen, dass andere Nationen es mehr verdient haben, weil sie anders aufgetreten sind.

Wie werden Sie das Ganze analysieren? Mit dem Trainerteam, mit dem Verbandsvorstand? Oder werden Sie das Gespräch auch noch einmal mit der Mannschaft suchen?

Prokop: Es wird an erster Stelle meine Aufgabe sein, die richtigen Schlüsse aus dieser EM zu ziehen. Die Spiele, die Eindrücke drumherum noch einmal zu analysieren und dann die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Deutschland vs. Spanien bei der Handball-EM in Kroatien 2018

Deutschland vs. Spanien bei der Handball-EM in Kroatien 2018Imago

Es gab während des Turniers hier und da Störfeuer, auch seitens der Verbandsspitze. Haben Sie das auch so gesehen?

Prokop: Ich habe versucht, mich auf den Sport zu konzentrieren. Aber natürlich muss man ehrlich festhalten, dass sehr viel drumherum berichtet wurde, was uns sicherlich nicht sehr geholfen hat. Aber wir sind eine Mannschaft, die zusammensteht. Wir wollten es sportlich zeigen, aber das ist uns nicht gelungen.

Können Sie für sich persönlich eine Kurzschlussreaktion ausschließen?

Prokop: Ja. Das kann ich ausschließen, weil ich etwas vorhabe. Ich möchte eine Mannschaft in Zukunft präsentieren, mit der man sich sehr gut identifizieren kann.

In Kroatien war der Druck als Titelverteidiger hoch. Nächstes Jahr ist die Heim-WM. Wie zuversichtlich sind Sie, dass da der Knoten platzt und es dann wieder um die ersehnten Medaillen gehen kann?

Prokop: Nochmal: Die Weltspitze ist extrem eng. Wir müssen uns aber schleunigst weiterentwickeln und die richtigen Schlüsse aus diesem Turnier ziehen, um auch der Erwartungshaltung zu Hause standzuhalten. Dafür habe ich wichtige Erkenntnisse sammeln dürfen. Alles weitere kann man jetzt nicht beantworten.

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