Da stand Spaniens frisch gekürter Europameister Gedeon Guardiola völlig abgekämpft in den Katakomben der Stockholmer Arena, die Goldmedaille baumelte um seinen Hals - doch der Handball-Hüne der Rhein-Neckar Löwen hatte ein Problem: Wegen des bevorstehenden Trainingsstarts musste Guardiola dringend telefonieren.

Und so glühten die Drähte zu Löwen-Sportchef Oliver Roggisch, der zugleich auch als Teammanager für die deutschen Handballer zuständig ist. "Ich habe Olli gefragt, ob ich noch ein bisschen länger frei bekomme", berichtete Guardiola. Er grinste übers ganze Gesicht.

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Die EM-Sause nach der erfolgreichen Titelverteidigung, den verdienten Lohn für die Schufterei der vergangenen drei Wochen und den glorreichen 22:20-Sieg im Finale gegen Kroatien mochte sich der Abwehrchef von Spaniens famoser Oldie-Truppe nicht entgehen lassen:

Wir wollen in Madrid noch ein bisschen feiern.

Guardiola steht für die vielen Bundesliga-Cracks, für die es nach der EM nach acht Spielen in nicht einmal zweieinhalb Wochen praktisch ohne Verschnaufpause weitergeht. Während der spanische Kreisläufer wie Kroatiens ungekrönter Handball-König Domagoj Duvnjak vom THW Kiel vermutlich zumindest bis Donnerstag frei bekommt, steigen viele EM-Stars schon am Dienstag wieder ein. Am Wochenende startet schließlich die Liga - und wie: Unter anderem empfängt der Zweite Hannover den Spitzenreiter aus Kiel.

Duvnjak unter der Woche schon wieder in Kiel im Training

"Das ist überhaupt kein Problem", versicherte der Kieler Duvnjak. Den so knapp verpassten ersten EM-Titel für sein Land hatte der beste Spieler des Turniers da gedanklich schon zur Seite gelegt, noch in der Nacht zu Montag ging es via Charterflug mit der kroatischen Mannschaft nach Zagreb, unter der Woche kehrt er beim THW ins Training zurück. "Wir haben ein sehr wichtiges Spiel gegen Hannover", sagte Duvnjak: "Ich hoffe, dass mein Körper das mitmacht."

"Der knallt das Ding in die Maschen!" Duvnjak packt den Hammer aus

Auch die deutschen Handballer hakten die EM-Strapazen schnell ab. "Andere Menschen müssen auch das ganze Jahr über arbeiten", sagte Hannovers Senkrechtstarter Timo Kastening: "So machen wir das auch. Es geht immer weiter." Und DHB-Kapitän Uwe Gensheimer versicherte:

Man kommt dann wieder mit den Teamkollegen im Verein zusammen, tauscht sich da ein wenig aus und hat dann wieder neue Ziele im Verein. Das kriegt man schon hin.

Guardiola will mit Spanien auch in Tokio eine Medaille

Und Guardiola? Der schmiedete schon die nächsten Titelpläne. Im Sommer will der 35-Jährige mit seinem betagten Team - der Europameister war die älteste Mannschaft des Turniers - bei den Olympischen Spielen in Tokio ein letztes Mal mit der Nationalmannschaft auftrumpfen. "Für viele von uns wird es das letzte Turnier sein. Wir wollen eine Medaille", sagte Guardiola, "aber es wird sehr hart."

Hart werden aber erstmal die kommenden Tage. Denn mit den Löwen möchte Guardiola, der seine letzte Saison bei den Mannheimern spielt, unbedingt noch in den Meisterkampf eingreifen. "Zum Glück hat unser Trainer viel rotiert. Ich fühle mich frisch", sagte Guardiola, "aber vielleicht bin ich erst einmal ein wenig kaputt wegen eines Katers."

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(SID)

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