Handball-EM: Deutschlands Silbermedaille in Dänemark nur der Anfang - DHB-Auswahl macht Gold-Versprechen für Heim-WM

Nicht mal 24 Stunden ist die bittere Niederlage im EM-Finale gegen Dänemark vorbei, da sprechen Deutschlands Handballer schon von der Heim-WM 2027. Eins ist klar: Gold soll in der Heimat her. Und die Zukunft sieht rosig aus. Elf Spieler im Europameisterschaftsteam sind 25 oder jünger, Altmeister Andreas Wolff denkt noch lange nichts ans Aufhören - und macht prompt eine Kampfansage.

Deutschland gibt sich das Gold-Versprechen für die WM

Fotocredit: Getty Images

Bei Rindfleisch, Pommes und Bier ließ der Silber-Schmerz von Deutschlands Handballern allmählich nach. Im gemütlichen Ambiente des Restaurants "HumleShok" ließen Torwart-Titan Andreas Wolff und seine Mitspieler die EM ausklingen - und leisteten sich einen Schwur: Nach der zweiten Silbermedaille hinter den unersättlichen Dänen binnen kurzer Zeit soll bei der Heim-WM Gold her!
"Wir kommen nächstes Jahr wieder, spielen bei uns zu Hause. Vielleicht haben wir da die eine oder andere vorteilhafte Situation auf unserer Seite – und schlagen dann die Dänen bei uns zu Hause im Finale", sagte Wolff. Das verlorene Endspiel in der Hölle von Herning (27:34) ist für das deutsche Team nur noch mehr Ansporn.
Diese "Lust auf mehr" betonte am Montagvormittag auch Julian Köster mit müden Augen nach einer kurzen Nacht. Für den Rückraumspieler war die EM eine Bestätigung dafür, dass Olympia-Silber 2024 "keine Überraschung, kein Ausrutscher im positiven Sinne war. Der Hunger ist nach wie vor groß, dass wir nochmal ganz oben angreifen wollen." In die Angriffslust mischte sich aber auch ein gewisser Stolz auf das erreichte.
"Heute Morgen sehen sie nicht so aus, als ob sie Silber gewonnen hätten, aber es fühlt sich so an", sagte Teammanager Benjamin Chatton. Die 12,8 Millionen Menschen, die das Finale im TV verfolgten, sorgten für zusätzlichen Rückenwind. "Gerade die Entwicklung im Turnier hat die Leute begeistert. Das nehmen wir mit auf die Reise in Richtung Heim-WM", sagte Chatton, bevor der Mannschaftsbus um 11:11 Uhr vom Parkplatz des Teamhotels in Silkeborg rollte und das deutsche EM-Abenteuer endete.

Kanzler Merz in der Kabine

Schon nach dem Kabinenbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz, der die deutsche Mannschaft am späten Sonntagabend in den Katakomben der Jyske Bank Boxen persönlich aufmunterte, kam der Glaube zurück.
Merz habe gesagt, "dass er stolz ist auf die Mannschaft, auf das Gesicht, das wir gezeigt haben", berichtete Juri Knorr. Der Handball sei in Deutschland inzwischen "wieder ganz cool anzuschauen. Aber wir müssen an uns arbeiten", so der Spielmacher: "Dänemark ist die Messlatte. Er ist die Messlatte."

Gidsel fürchtet Deutschland bei der WM

Mit "er" meinte Knorr Mathias Gidsel. Der Denker und Lenker der Super-Dänen führte sein Team zum Golden Slam des Handballs: Olympia-Sieg, WM- und EM-Titel.
Doch im Moment des maximalen Erfolgs zollte Gidsel dem deutschen Team nicht bloß Respekt, er sprach aus, was viele dachten. "Es macht mir ein bisschen Angst, dass sie den Heimvorteil haben nächstes Jahr", sagte der Bundesliga-Star von den Füchsen Berlin: "Ich glaube, jetzt ist die deutsche Mannschaft unser größter Gegner."
Diese Worte hört man beim Deutschen Handballbund (DHB) ein Jahr vor der Heim-Weltmeisterschaft (13. Januar bis 31. Januar 2027) gern. Der EM-Erfolg mit einer jungen Mannschaft schenkt Zuversicht.
"Das gibt einen super Rückenwind für die Heim-WM", sagte DHB-Sportvorstand Ingo Meckes: "Die Mannschaft ist gefestigt. Sie kann fünf, sechs Jahre so zusammenbleiben. Jetzt müssen wir schauen, dass von unten immer welche nachdrücken, dass ein Konkurrenzkampf entsteht, sodass wir über Jahre hinaus konkurrenzfähig sind und um Medaillen spielen können."

Deutschland mit goldener Generation

Bundestrainer Alfred Gislason registrierte nach EM-Siegen unter anderem gegen Spanien, Frankreich und Kroatien: "Wir waren von der Rangliste vor vier Jahren auf Platz sechs oder sieben. Nach diesem Turnier ist die Mannschaft auf zwei."
Die Entwicklung seines Teams freue ihn "extrem – noch mehr als die Silbermedaille", sagte der 66-Jährige. Wenn sein Team im kommenden Jahr konzentriert zu Werke gehe, "dann ist diese Mannschaft ein sehr großer Favorit, um mit um die Medaillen zu spielen".
Kapitän Johannes Golla sieht darin allerdings keinen Automatismus, auch wenn die DHB-Auswahl bei den vergangenen vier großen Turnieren zweimal das Finale und einmal das Halbfinale erreichte.
"Um die nähere Zukunft muss man sich keine Sorgen machen – wenngleich natürlich keine Garantie da ist, dass es so weitergeht", sagte der Kreisläufer, der wie Wolff ins All-Star-Team des Turniers gewählt wurde.
Elf Spieler im deutschen EM-Team sind 25 Jahre oder jünger - darunter Juri Knorr, Julian Köster oder die Junioren-Weltmeister um Renars Uscins. "Ich glaube, dass die Mannschaft eigentlich nur besser werden kann in den nächsten Jahren und dass man sich da noch auf einiges freuen kann", sagte Knorr.
Team-Oldie Wolff, der mit seinen 34 Jahren noch lange nicht ans Aufhören denkt, formulierte es noch offensiver. "Die Mannschaft hat so ein Entwicklungspotenzial, dass wir in zwei, drei Jahren vielleicht die Mannschaft sind, die es zu schlagen gilt", sagte der Schlussmann. Er ist überzeugt: "Wir werden noch öfters Finals gegen Dänemark spielen."
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(SID)
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Deutschland will im EM-Finale gegen Dänemark "Leben auf dieser Platte lassen"

Quelle: SID


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