Die Ziele? Alfred Gislason stutzte. "Tja", sagte der Handball-Bundestrainer nach einer kleinen Pause: "Das Ziel ist traditionell bei uns, möglichst das Halbfinale erreichen. In dieser Konstellation glaube ich aber nicht, dass es realistisch ist erstmal."
Soeben hatte Gislason voller Tatendrang sein 20-köpfiges WM-Aufgebot mit vier Turnier-Debütanten benannt - doch mit großspurigen Kampfansagen für das bevorstehende Mega-Event in Ägypten (13. bis 31. Januar) konnte und wollte er nach den vielen Absagen im Vorfeld nicht dienen.
"Ich werde keine Ziele vorgeben, weil wir eine komplett neue, teilweise unerfahrene Mannschaft haben", sagte Gislason und wirkte drei Wochen vor dem Start ins WM-Abenteuer fast so, als würden ihm diese Sätze körperliche Schmerzen bereiten. Man werde nun erstmal von Spiel zu Spiel schauen.
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Gislason, der Mann der Titel und Triumphe, der Trainer, der mit dem THW Kiel über Jahre hinweg alles gewonnen hat, was es im Handball zu gewinnen gibt, muss vor seinem ersten Turnier als DHB-Coach erstmal kleinere Brötchen backen.

Gensheimer und Wolff führen DHB-Aufgebot an

Statt mit voller und eingespielter Kapelle nach den Medaillen zu greifen, gilt es für den Isländer, in Rekordzeit ein neues, schlagkräftiges Team um Kapitän Uwe Gensheimer formen.
"Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe", sagte Gislason bei der virtuellen Kader-Bekanntgabe und sprach von "einigen unerfahrenen, aber hochtalentierten" Spielern. "Natürlich braucht es einige Zeit, aber es ist eine sehr schöne und kreative Arbeit." Er sei "sehr gespannt, was diese Mannschaft bringen kann. Trotzdem ist mir bewusst, dass ziemlich viel Arbeit vor uns liegt."
Mit Gensheimer, den beiden Keepern Johannes Bitter und Silvio Heinevetter sowie sechs 2016-Europameistern (Andreas Wolff, Julius Kühn, Christian Dissinger, Kai Häfner, Tobias Reichmann und Jannik Kohlbacher) stehen noch immer etliche etablierte Stammkräfte bereit. Doch Juri Knorr (zwei Länderspiele) und Marcel Schiller (9) sowie die beiden DHB-Novizen Sebastian Firnhaber und Antonio Metzner haben noch keinerlei Erfahrung bei einem internationalen Großereignis, und auch David Schmidt kommt erst auf neun Länderspiele.

Wiencek, Pekeler, Lemke und Weinhold sagten coronabedingt ab

"Wir haben momentan vielleicht nur wenige Weltstars dabei, aber wir haben eine breite Spitze", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. Der Verband setzt auf die Olympischen Spiele als zusätzliche Motivationsspritze. In Abwesenheit von etlichen Stammkräften (Wiencek, Pekeler, Lemke, Weinhold sagten coronabedingt ab, Wiede nach Verletzung) hätten die Spieler laut Kromer schließlich "die Chance, ihre Visitenkarte persönlich übergeben zu können".
Zudem öffnete Kromer den freiwillig verzichtenden DHB-Stars am Montag ein Hintertürchen. So hätten alle Spieler die Chance, im weiteren Verlauf zum Team zu stoßen. Dazu habe man vom Weltverband IHF grünes Licht erhalten. Insgesamt kann Gislason während der WM fünf Wechsel in seinem Kader vornehmen, bei bisherigen Turnieren durften die Trainer nur dreimal tauschen.
In die unmittelbare WM-Vorbereitung am 3. Januar in Neuss starten jedoch erst einmal die 20 am Montag nominierten Spieler. Für sie geht es nach zwei EM-Qualifikationsspielen gegen Österreich (6. und 10. Januar) am 12. Januar nach Ägypten. In der WM-Vorrunde warten dann zunächst Uruguay (15. Januar), Kap Verde (17. Januar) und Ungarn (19. Januar).

Das WM-Aufgebot der deutschen Handball-Nationalmannschaft:

Tor: Andreas Wolff (KS Vive Kielce/POL), Johannes Bitter (TVB Stuttgart), Silvio Heinevetter (MT Melsungen)
Linksaußen: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen), Marcel Schiller (Frisch Auf Göppingen)
Rückraum links: Julius Kühn (MT Melsungen), Paul Drux (Füchse Berlin), Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf), Christian Dissinger (RK Vardar Skopje)
Rückraum Mitte: Philipp Weber (SC DHfK Leipzig), Juri Knorr (TSV GWD Minden), Marian Michalczik (Füchse Berlin)
Rückraum rechts: Kai Häfner (MT Melsungen), David Schmidt (Bergischer HC), Antonio Metzner (HC Erlangen)
Rechtsaußen: Tobias Reichmann (MT Melsungen), Timo Kastening (MT Melsungen)
Kreis: Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen), Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt), Sebastian Firnhaber (HC Erlangen)
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