Andreas Wolff kann WM-Aus des DHB-Teams gegen Portugal nicht verhindern - Wut nach bitterer Pleite im Viertelfinale

Am Ende platzt die Wut aus ihm heraus: Auch Andreas Wolff kann mit seiner Weltklasse-Leistung das dramatische Ausscheiden der deutschen Handballer im Viertelfinale bei der Handball-WM gegen Portugal nicht verhindern. Das DHB-Team lag in der ersten Halbzeit deutlich zurück, kämpfte sich zurück ins Spiel, erreichte die Verlängerung und verlor dort wegen eines Treffers wenige Sekunden vor Abpfiff.

DHB-Team hadert mit WM-Aus: "Das tut schon richtig weh"

Quelle: SID

Die ersten Minuten nach Abpfiff dieses dramatischen Viertelfinales müssen brutal gewesen sein für DHB-Torwart Andreas Wolff. Erst der Siegtreffer der Portugiesen durch Martim Costa Sekunden vor Ende der Verlängerung. Dann Abpfiff, Turnier-Ende, aus der Traum. Aus Wolff brach es heraus, er schrie, er gestikuliert, er winkte ab - offensichtlich frustriert davon, dass es die deutsche Abwehr nicht schaffte, diesen letzten Angriff zu stoppen.
Direkt danach: der offizielle Teil mit der Ernennung des Spielers der Partie. Und das wurde Wolff. Mit Tränen in den Augen nahm er das Plakat mit der Auszeichnung entgegen, wahrte kurz die Contenance und pfefferte es dann einfach irgendwohin auf den Hallenboden.
Und alle, die Wolff da so sahen, fühlten mit. "Ich kann Andi Wolff voll verstehen", sagt Eurosport-Experte Pascal Hens. "Wenn du in einem Spiel 21 Paraden hast und deine Vorderleute nicht richtig die Zweite Welle gehen und diese einfachen Tore machen und einige Abpraller nicht bekommen, dann bringt dich das zur Verzweiflung."
Wolffs Paraden waren spektakulär und sie kamen genau dann, wenn das deutsche Team sie brauchte. Und eigentlich brauchte sie das DHB-Team immer. Wolff wurde im Gesicht getroffen, er parierte Tempogegenstöße, freie Würfe vom Kreis und aus großen Winkeln von außen. Wolff hielt die deutsche Mannschaft über 70 Minuten im Spiel.
Und trotzdem reichte es nicht, ein bitteres Aus für alle deutschen Spieler, die aufopferungsvoll gekämpft hatten. Aber für Wolff muss sich dieses Ausscheiden noch einmal härter angefühlt haben als für seine Mitspieler.
picture

Deutschlands Torhüter Andreas Wolff bei der Handball-WM 2025

Fotocredit: Getty Images

DHB-Team spielt schwache erste Halbzeit

An Wolff lag es nicht, so viel steht fest. Für Gislason hat das Ausscheiden gegen Portugal vor allem zwei Gründe: "Wir haben den Anfang des Spiels verpasst", sagte der 65-Jährige in der "ARD". "Und wir machen im Angriff natürlich zu viele Fehlwürfe und vor allem in der ersten Halbzeit zu viele technische Fehler."
In der ersten Halbzeit erwischte das deutsche Team einen rabenschwarzen Start. Deutschland spielte im Angriff nervös, warf Bälle weg, wirkte beeindruckt von der agilen und aggressiv verteidigenden Deckung Portugals. In der zehnten Minute traf Portugal zum 5:1. Gislason wechselte Juri Knorr ein und mit ihm kam mehr Durchschlagskraft in den deutschen Angriff.
Doch beim Vier-Tore-Rückstand blieb es bis zum Pausenpfiff. Portugal spielte im Angriff sehr dynamisch, vor allem mit Supertalent Francisco Costa hatte die deutsche Abwehr Probleme. Am Ende von vielen portugiesischen Täuschungen, Kreuzungen und kurzen Pässen stand häufig Portugals Kreisläufer Victor Iturriza frei.
"Wir sind 30 Minuten überhaupt nicht im Spiel", sagte DHB-Kapitän Johannes Golla in der "ARD". "Die Hypothek von der ersten Halbzeit war sehr groß."

Deutschland kämpft sich zurück ins Viertelfinale

In der zweiten Halbzeit spielte Deutschland besser. Die Abwehr stand besser, im Angriff hatte man zwar noch immer Probleme, Lücken zu finden. Aber immerhin die Rückraumwürfe saßen. Mehrfach traf Mittelmann Knorr sensationell aus großer Distanz.
Die deutschen Spieler warfen alles in diesen Handball-Krimi und holten auf. "Die Mannschaft hat großartig gekämpft und auch wirklich gut gespielt", sagte Gislason nach dem Spiel. "Wir haben uns brutal zurückgekämpft", sagte auch Lukas Zerbe, mit neun Treffern bester Werfer des Spiels.
In der 35. Minute kassierte Portugals Luis Frade für einen harten Gesichtstreffer gegen Renars Uscins die Rote Karte. Ab der 40. Minute war es ein packendes Spiel auf Augenhöhe, das nur folgerichtig in die Verlängerung ging.
"Wir kommen auch nicht gut rein in die Verlängerung, verwerfen ein paar Würfe und am Ende ist es eine unnötige Situation, was wir über 70 Minuten besser verteidigen", sagte Golla, der den letzten Zweikampf gegen Martim Costa nicht gewinnen konnte. "Das sind am Ende Kleinigkeiten."

Gislason: "Das ist sehr bitter für die JUngs"

Danach war die totale Leere. Die Spieler saßen noch lange nach Abpfiff auf der deutschen Bank. Komplett abgekämpft, komplett niedergeschlagen. "Das ist sehr bitter für die Jungs", sagte Gislason in der "ARD" . "Nach diesem Kampf und diesem Einsatz so in letzter Sekunde nicht weiterzukommen ist extrem bitter."
Die Bewertung der Turnierleistung der deutschen Mannschaft fällt schwer aus und kann kaum ohne ein "Aber" erfolgen.
Ein Viertelfinal-Aus gegen Portugal ist nicht der Anspruch der deutschen Nationalmannschaft. Aber Portugal spielt ein überragendes Turnier, hat sich mit Siegen gegen Norwegen oder Spanien in einen Rausch gespielt.
Das deutsche Team hatte einen überspielten Renars Uscins, der im Viertelfinale deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb, einen zwischenzeitlich von der Grippe ausgeschalteten Juri Knorr und einen mit Trainingsrückstand angereisten Julian Köster im Stamm-Rückraum. Aber über das gesamte Turnier schaffte es das DHB-Team nicht, die einfachen Fehler und die schwache Wurfquote in den Griff zu bekommen.
Die deutschen Handballer bewiesen wie bei Olympia Kampfgeist und arbeiteten sich nach Rückschlägen immer wieder in schwierige Spiele. Aber Siege gelangen nur in den Spielen, in denen das DHB-Team klarer Favorit war.

Keine WM-Medaille trotz Über-Wolff

Der Tenor aller Beteiligten nach dem Spiel war, dass das junge Team aus dieser Erfahrung lernen werde. "Wir kommen sicher wieder", sagte Golla und Zerbe ergänzte in der "ARD": "Wir sind alle gerade mega enttäuscht, aber aus Niederlagen lernt man am meisten."
Letztendlich konnte das deutsche Team in der Abwehr wie im Angriff nicht an die Leistung von den Olympischen Spielen im vergangenen Sommer anschließen. "Wir wirkten ein bisschen ängstlich im Angriff, haben gefühlt dieselben Sachen gespielt", sagt Eurosport-Experte Hens. "Wir haben keine richtige Bewegung reinbekommen und uns überhastete Abschlüsse genommen."
Nur einer erreichte konstant Weltklasse-Niveau: Andreas Wolff. Deswegen waren seine Enttäuschung, sein Frust und seine Wut so verständlich - und so symbolisch nicht nur für dieses Viertelfinal-Drama, sondern am Ende für das ganze Turnier. Wolff zeigte eine Über-Leistung, seine Vorderleute kämpften, aber am Ende fehlten die Kleinigkeiten, die es für den ganz großen Wurf braucht.
picture

Highlights: Dänemark lässt Brasilien keine Chance

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung