Handball-WM 2025: Deutsches Nationalteam kann Crunchtime, lässt die Grundtugenden gegen die Schweiz aber vermissen

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft gewinnt das zweite WM-Vorrundenspiel gegen die Schweiz dank einer guten Schlussphase mit 31:29 (15:14). Zuvor zeigt das Team von Bundestrainer Alfred Gislason in allen Mannschaftsteilen Schwächen bei den Grundtugenden, phasenweise sorgt Torwart Andreas Wolff fast im Alleingang dafür, dass das DHB-Team im Spiel bleibt und am Ende einen knappen Sieg einfährt.

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Quelle: Eurosport

Als die deutsche Handball-Nationalmannschaft den zweiten Sieg im zweiten Vorrundenspiel eingefahren hatte, da beteuerten alle Protagonisten pflichtschuldig, dass man die Schweiz auf keinen Fall unterschätzt hatte. Doch das unerwartet enge Spiel warf Fragen auf.
"Die Schweiz war viel besser als in den letzten Aufeinandertreffen", sagte Kapitän Johannes Golla am "ZDF"-Mikrofon. Und Torwart Andreas Wolff meinte: "Wir haben die Schweizer schon ernst genommen. Sie haben heute aber eine tolle Spielanlage gezeigt, Andy Schmid hat sie toll eingestellt."
Tatsächlich hatten alle Experten einen deutlicheren Sieg erwartet. Schließlich gewann Deutschland die vergangenen beiden Spiele deutlich. Bei der Heim-EM 2024 siegte das DHB-Team mit 27:14, im November gab es ein 35:26 in der EM-Quali. Dazu fehlte mit Manuel Zehnder vom SC Magdeburg der beste Schweizer Spieler.
Zudem hatte vor dem Spiel der Schweizer Coach Andy Schmid gesagt, er habe gar nicht so viel Lust, gegen Deutschland zu spielen. Vielleicht ein taktischer Kniff, wie auch immer: Die Eidgenossen waren nah dran am Überraschungssieg gegen den Silbermedaillengewinner von Olympia 2024. Und das war eine Überraschung

Handball-WM 2025: DHB-Team mit vielen Fehlern

Wie knapp dieser Sieg war, erkannte man zum einen an den verschiedenen Zwischenständen. Mitte der ersten Halbzeit führte die Schweiz mit 7:4, noch rund zehn Minuten vor dem Abpfiff stand es 26:25. Man konnte es aber auch an den Gesichtern der DHB-Spieler ablesen. Man sah eine Mischung aus Erleichterung und Sorgenfalten.
"Wir standen teilweise mit dem Rücken zur Wand", sagte Wolff, der mit überragenden 20 Paraden sein Team immer wieder im Spiel hielt. "Wir haben größtenteils nicht gut gespielt", ergänzte Trainer Gislason.
Der Grund für die Beinahe-Niederlage - und das dürfte am meisten beunruhigen - waren aber nicht taktische Finessen des Gegners oder überragende individuelle Leistungen der Schweizer. Das deutsche Team hatte vor allem Schwächen bei den Grundlagen.
Zwölf technische Fehler wies das Spielprotokoll des Welthandball-Verbands aus. Dazu kamen zahlreiche vergebene klare Torchancen, der Schweizer Keeper Nikola Portner sammelte 13 Paraden und entschärfte wie Wolff einige freie Würfe.
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Deutschland Schweiz

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HAndball-WM 2025: Probleme gegen Tempospiel

Die einfachen Ballverluste und vergebenen Großchancen verteilten sich auf viele deutsche Spieler. Rückraumspieler Renars Uscins erwischte nicht seinen besten Tag und traf einige falsche Entscheidungen. "Renars hat kein überragendes Spiel gemacht", sagte Gislason im "ZDF", aber auch Juri Knorr und Julian Köster unterliefen einfache Fehler.
"Ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit viel zu viele einfache Fehler, Verstolperer und technische Fehler hatten", sagte Golla im "ZDF". "Mit dieser Anzahl an Fehlern wird es gegen jeden Gegner schwer."
Noch beunruhigender sind allerdings die Schwächen in der Defensive. Zum einen wiederholte sich lange Zeit die Passivität im Zweikampfverhalten aus dem Spiel gegen Polen. So konnten die Rückraumspieler Lenny Rubin (sieben Tore) und Felix Alleen (sechs Treffer) immer wieder aus zu naher Distanz zum Abschluss kommen. Zum anderen bekam Deutschland das Tempospiel des Gegners nicht in den Griff. "Ich glaube, die Schweiz macht sieben von 14 Toren in der ersten Halbzeit über die Zweite Welle oder Schnelle Mitte", monierte Gislason nach dem Spiel.
Wenn Rubin die deutsche Hintermannschaft mit Tempo übertölpelt, dann läuft etwas schief. Rubin ist ein ganz starker Spieler, aber bestimmt nicht für sein riesiges Tempo bekannt.

Handball-WM: DHB-Team am Schluss stark

Fehlende Zuordnung beim Kreisläufer, Rückzugsverhalten nach eigenen Treffern oder Ballverlusten, verpatzte Pässe oder technische Fehler. Gegen die Schweiz mangelte es an den Grundlagen. "Wir hatten große Löcher in der Abwehr", sagte Gislason. Solche Fehler kaschierte zwar Wolff, der zum Spieler des Spiels ernannt wurde, ob das gegen Spitzen-Teams wie Dänemark, Frankreich oder Schweden ebenfalls gelingt, ist fraglich.
Ein weiteres Problem: In beiden WM-Spielen wie auch im Testspiel-Doppelpack gegen Brasilien erwischte das DHB-Team immer einen schwachen Start in die Partie. Auch das kann man sich gegen die Top-Nationen nicht erlauben.
Eine grundlegende mentale Schwäche beim deutschen Team sollte man daraus allerdings nicht ableiten. Denn wie auch gegen Polen steigerte sich Deutschland in der Schlussphase extrem. Gislason lobte zu Recht die letzte Viertelstunde. Köster übernahm Verantwortung, auch Knorr traf richtige Entscheidungen - und die spielentscheidenden letzten Angriffe der Schweiz parierte die deutsche Abwehr mit ganz viel Leidenschaft. "Die Crunchtime läuft gut", resümierte Kapitän Golla. "Trotzdem sollten wir uns darauf nicht verlassen." Es wäre auch nicht das erste Mal, dass erfolgreiche Turniere mit holprigen Spielen beginnen.
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Quelle: Eurosport


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