Handball-WM 2025: Darum sagt der Kader der deutschen Handballer gegen Italien mehr aus als das Ergebnis beim 34:27-Sieg
Publiziert 24/01/2025 um 08:31 GMT+1 Uhr
Die deutschen Handballer besiegen im zweiten Hauptrundenspiel Italien mit 34:27 (15:13) und feiern nicht nur einen Pflichtsieg, sondern auch den vorzeitigen Viertelfinaleinzug, weil anschließend Dänemark die Schweiz schlägt. Interessanter als das Ergebnis sind aber Kaderentscheidungen von Bundestrainer Alfred Gislason, die für den weiteren Turnierverlauf entscheidenden Charakter haben könnten.
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Quelle: Eurosport
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft musste das zweite Hauptrundenspiel gegen Italien gewinnen, um ins Viertelfinale einzuziehen. Und sie hat das Spiel gewonnen. "Das war extrem wichtig, wir wussten, dass wir bei einer Niederlage so gut wie draußen sind", sagte Bundestrainer Alfred Gislason nach dem Spiel im "ZDF". "Das war ein Endspiel um Platz zwei."
Letztendlich waren die gehypten Italiener, Überraschungsmannschaft und Lieblingsteam der Fans, dann doch eine Klasse schlechter als das DHB-Team. Trotzdem startete die deutsche Mannschaft wieder sehr nervös in das Spiel und produzierte viele einfache Fehler im Angriff. Das zieht sich durch bislang jedes WM-Spiel. Zur Pause führte Deutschland nur mit zwei Treffern Differenz.
Auch die Chancenverwertung war nicht gut, Italiens Torhüter Domenico Ebner war von Beginn an gut im Spiel und kam am Ende auf starke 16 Paraden. "Ich bin extrem unzufrieden mit unserer Chancenverwertung", haderte auch Gislason nach dem Spiel. "Wir hatten 19 Fehlwürfe, das wird uns viel kosten, wenn wir das nicht konzentrierter angehen."
Abgesehen davon stellte Deutschland eine gute Abwehr und hatte wieder einmal einen überragenden Torhüter Andreas Wolff (18 Paraden, zwei gehaltene Siebenmeter, Spieler des Spiels). Die Baustelle der ersten Spiele, dass man Rückraumwürfe aus dem Zentrum nicht gut verteidigte, scheint behoben zu sein.
Italien spielt wie Eisenach in der HBL
In der zweiten Halbzeit baute Deutschland sukzessive die Führung aus und steht nun, da im Anschlussspiel Dänemark die Schweiz mit 39:28 besiegte, im Viertelfinale. Da geht logischerweise schon jetzt der Blick auf die Runde der letzten Acht. Was kann Deutschland aus dem Italien-Spiel für den weiteren Turnierverlauf ziehen?
Spielerisch/taktisch gar nicht so viel. Zum einen, weil Italien nicht auf dem Niveau spielt wie die potenziellen Viertelfinalgegner Schweden, Spanien oder auch Portugal. Zum anderen, weil Italien ziemlich unkonventionell spielte.
Lange Zeit agierte die Federazione Italiana Handball mit vier Rückraumspielern, aber dafür ohne Kreisläufer. "Wir wussten, dass das echt schwer wird, wir kennen das aus der Liga von Eisenach, das war Eisenach 2", sagte Franz Semper am "ZDF"-Mikro. "Jeder weiß, wie ekelig das ist, wir hatten damit unsere Schwierigkeiten."
Insgesamt löste das DHB-Team diese Aufgabe aber ordentlich. Auch gegen sieben Feldspieler im Angriff oder offensive Deckungsvarianten in der italienischen Abwehr fand Deutschland immer Lösungen. Fazit: Das DHB-Team kommt mit einer unkonventionellen Spielweise zurecht. Übertragen kann man das aber auf andere Gegner wohl eher nicht.
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Deutschland im Duell mit Italien
Fotocredit: Getty Images
Semper feiert Einstand im Turnier
Deswegen lassen sich die spannenderen Erkenntnisse aus den Kaderentscheidungen Gislasons herauslesen. Das deutsche Team musste gegen Italien auf Juri Knorr und Rune Dahmke verzichten, die beide einen Infekt erwischt haben. Dafür spielte erstmals Franz Semper, der bei der WM aufgrund muskulärer Probleme bislang noch kein Spiel bestritten hatte.
Semper wurde kurz nach der Pause eingewechselt und spielte direkt stark. Der 27-Jährige lieferte sofort drei schnelle Tore, erzielte am Ende fünf Treffer und überzeugte im rechten Rückraum mit Wucht, Zweikampfstärke und Rückraumwürfen.
Auch Nils Lichtlein erhielt im Rückraum viel Spielzeit und steuerte vier Treffer bei. Beide erhielten ein Sonderlob von Gislason. "Heute haben in der zweiten Halbzeit die gespielt, die bisher weniger gespielt hatten", sagte der 65-Jährige. "Renars Uscins und Luca Witzke kamen nicht richtig ins Spiel rein, Semper und Lichtlein haben gut gespielt."
Auch wenn Uscins im rechten Rückraum weiterhin die erste Wahl sein wird, für Gislason ergeben sich jetzt mehr Wechseloptionen. Vielspieler Uscins sah man die Belastung gegen Italien an, auch in den Spielen zuvor überdrehte der 22-Jährige in manchen Phasen.
Verschnaufpause für Uscins und Köster
Mit einem starken Semper in der Hinterhand eröffnet sich nicht nur eine Wechseloption, sondern auch ein anderer Spielstil: Mehr Würfe aus größerer Distanz, Uscins sucht sehr häufig die Nahwurfzone.
Lichtlein bringt ebenfalls eine andere Komponente ins Spiel im Vergleich zu Knorr. Bei den Füchsen Berlin beherrscht er es überragend, den Ball im Rückraum schnell weiterzugeben. Knorr setzt seine Mitspieler ebenfalls gut in Szene, hält den Ball aber länger in der eigenen Hand. Bei Lichtlein haben die Halb-Angreifer mehr Aktionen.
Eine weitere neue Option ist übrigens Marian Michalczik, der vor dem Italien-Spiel in den 18er-Kader berufen wurde, aber noch nicht im Spieltagsaufgebot stand.
Im letzten Hauptrundenspiel gegen Tunesien geht es für Deutschland um nichts mehr. Der zweite Platz ist sicher, der Gruppensieg rechnerisch unerreichbar. Gislason kündigte zwei Dinge nach dem Italien-Spiel an: Er geht nicht davon aus, dass Knorr und Dahmke rechtzeitig fit werden und er wird Spielern wie Uscins oder Julian Köster mehr Verschnaufpausen geben.
Das bedeutet: Weitere Möglichkeiten für Semper und Lichtlein, für sich zu werben.
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Quelle: Eurosport
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