WM 2025: DHB-Team gewinnt das dritte Vorrundenspiel gegen Tschechien deutlich und liefert dennoch einige Fragezeichen
Publiziert 19/01/2025 um 23:17 GMT+1 Uhr
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft gewinnt bei der WM 2025 auch das dritte Vorrundenspiel gegen Tschechien 29:22 (11:11) und zieht als Gruppenerster mit der Maximalausbeute von vier Punkten in die Hauptrunde ein. Das Spiel gegen Tschechien zeigt wie die beiden Partien zuvor: Das DHB-Team hat noch nicht die Form erreicht, mit der man den kommenden Gegner Dänemark gefährden kann.
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Erstes Etappenziel erreicht: Die deutschen Handballer sind als großer Favorit auf den Sieg in Gruppe A in das Turnier gestartet und haben alle drei Spiele gewonnen. Doch so richtig kommt noch keine Euphorie auf. Bundestrainer Alfred Gislason sagte am "ARD"-Mikro: "Es ist erstaunlich, wie oft wir uns das Leben selbst schwer machen."
Erstaunlich ist auch, dass das DHB-Team in allen drei Gruppenspielen dieselben Problemstellen zeigte.
Problem Nummer 1: Gegen Tschechien kam Deutschland erneut schlecht ins Spiel rein, wie schon gegen Polen und die Schweiz. Die gesamte erste Halbzeit war ausgeglichen, keine Mannschaft konnte sich absetzen. Erwartet hatte man das vom deutschen Team, stattdessen lag zumeist Tschechien in Führung.
In den vorherigen Partien drehten die Deutschen das Spiel jeweils kurz vor der Halbzeit auf 15:14. Dieses Mal ging es mit einem ernüchternden 11:11 in die Pause.
Die deutsche Abwehr steht noch nicht
Problem Nummer 2: Die Chancenverwertung war schlecht. Auch das gilt für alle drei Spiele. Gislason stellte das auch als zentralen Punkt seiner Kritik nach dem Spiel heraus. "Was wir besonders in der ersten Halbzeit an freien Chancen liegenlassen, ist nicht normal", haderte der Isländer.
In der zweiten Halbzeit verbesserte sich die Chancenauswertung der deutschen Mannschaft. Trotzdem: Wenn nur 29 von 42 Würfen gegen einen Gegner wie Tschechien ins Tor gehen, dann ist das kein gutes Zeugnis. Noch eklatanter war die Ausbeute vom Siebenmeterstrich mit drei Fehlwürfen.
Problem Nummer 3: Die Abwehrleistung. Auch das zog sich durch die ganze Vorrunde. Hier agiert das DHB-Team schlicht zu passiv. Die tschechischen Rückraumspieler konnten viele sogenannte einfache Tore erzielen: Bisschen Ballbewegung, bisschen Kreisläufer an der richtigen Stelle platzieren und dann steigt ein Rückraumspieler hoch und wirft aus der Fernwurfzone ins Tor.
Dominik Solak erzielte die meisten seiner sieben Treffer so, auch Stanislav Kasparek (vier Tore) kam immer wieder so zum Erfolg. Gislason sah im "ARD"-Interview eigentlich eine bessere Abwehrleistung als in den ersten beiden Spielen. "Wir sind sehr gut gestartet im Innenblock", sagte der 65-Jährige. "Aber Tschechien hatte extrem lange Angriffe, fast jeden Angriff bis ans Zeitspiel heran." Und dann habe der Ball am Ende doch irgendwie im Netz gezappelt. Manchmal kam der Block zu spät, manchmal kam er gar nicht.
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So war es im Endeffekt wie in den Spielen zuvor: Das DHB-Team brauchte eine starke Torhüterleistung. Dieses Mal war es David Späth, der seine Vorderleute mit teils spektakulären Paraden auf die Siegerstraße brachte. Sehr gute 14 abgewehrte Bälle und rund 50 Prozent Paradenquote konnte er am Ende vorweisen.
Der Torwart der Rhein-Neckar Löwen wurde zum Spieler des Spiels ernannt. "Ich bin froh, dass ich Akzente setzen konnte", sagte der 22-Jährige in der "ARD". "Wir haben uns ein bisschen schwergetan am Anfang, aber wenn wir ins Rollen kommen, sind wir schwer zu halten."
In der zweiten Halbzeit spielte das DHB-Team deutlich besser. Die Probleme in der Abwehr wurden von Späth übertüncht, durch dessen Paraden kam man häufiger ins Tempospiel.
Als Jakub Sterbe in der 39. Minute für einen harten Gesichtstreffer an Julian Köster die Rote Karte sah, nutzten die Deutschen die folgende Überzahl, um den Vorsprung auf beruhigende fünf Tore auszubauen.
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Deutschland muss sich gegen Dänemark steigern
Zwar zogen sich die zentralen Problemstellen durch alle Gruppenspiele (schwacher Start ins Spiel, fehlende Aggressivität in der Abwehr und eine mangelnde Chancenverwertung), doch das DHB-Team zeigte, dass es sich neben der überragenden Torhüterleistung von Späth oder Andreas Wolff auch auf ein druckvolles Angriffsspiel verlassen kann.
"Mit unserem Angriffsspiel bin ich eigentlich nicht unzufrieden", sagte Gislason. "Irgendwann hatten wir die Lockerheit für die riskanten Pässe. Die Spielübersicht von Knorr, die Wucht von Uscins, die Zweikampfstärke von Köster und die Qualität von Witzke von der Bank: Der deutsche Rückraum ist stark im Turnier. Aber dann müssen wir unsere Chancen auch nutzen."
Denn jetzt kommt Dänemark als erster Hauptrundengegner, die wohl beste Nationalmannschaft der Welt. "Wenn man gegen Dänemark so mit den Chancen umgeht, dann ist das Spiel zur Pause längst vorbei", sagte Gislason. Die Dänen sind amtierender Olympiasieger, gewannen die vergangenen drei Weltmeisterschaften, sind seit 31 WM-Spielen ungeschlagen und warfen in den drei Vorrundenspielen 47, 32 und 39 Tore.
Das letzte Aufeinandertreffen war das Olympiafinale im vergangenen Sommer in Paris. Deutschland verlor chancenlos 26:39. Spielt man so wie in den Gruppenspielen, könnte es ähnlich laufen. Macht das DHB-Team aus den Fragezeichen aber Ausrufezeichen, könnte es die Überraschung geben.
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