Olympia 2024: Simone Biles kehrt auf die Olympia-Bühne zurück und möchte es mit Top-Leistungen nochmal allen beweisen

Turn-Königin Simone Biles kehrt auf die Olympia-Bühne zurück. Der Tiefpunkt von Tokio hat die viermalige Olympiasiegerin gestärkt. Jetzt geht sie mit einer riesen Portion Vorfreude in die Wettkämpfe. Außerdem betont sie, dass es ohne die Erfahrung von Tokio 2021 wohl keinen Auftritt von ihr in Paris 2024 gegeben hätte. Auch dank eines Tattoos ist die Motivation groß wie selten zuvor.

"Biles II" gestanden: US-Turnstar Biles schon in Olympia-Form

Quelle: Eurosport

Die tadellose Darbietung ihres Kunstwerks zauberte Simone Biles umgehend ein Lächeln ins Gesicht. Eine Radwende aufs Sprungbrett, ein Flicflac auf den Tisch, dann ein anschließender Doppelsalto rückwärts - den "Biles II", ihren "Signature-Sprung", zeigte die  Turn-Königin schon im Training in der Olympia-Arena in Paris Bercy.
Biles strahlte, klatschte glücklich mit ihren Trainern ab. Die Übung, so schwierig, dass sie von keiner anderen Athletin in Wettkämpfen geturnt werden kann, gelang ihr wie selbstverständlich in perfekter Ausführung. Der US-Star ist bereit für ein weiteres, abschließendes und versöhnliches Olympia-Kapitel. Am Sonntag steigt sie als Goldfavoritin in der Einzel-Qualifikation in die Wettkämpfe ein.
Biles turnt auf einem Top-Niveau, "wir würden den Sprung so sofort nehmen. Das war wirklich gut", sagte Biles' Trainerin Cecile Landi nach dem Training. Ihr Schützling fühle sich immer wohler mit ihrer Technik - "aber so etwas sehe ich trotzdem nicht jeden Tag", sagte Landi.
Was Biles im Training zeigte, war mehr als herausragende Technik, extreme Körperspannung und Tempo. Die Leichtigkeit ist zurück. "Ich habe die Liebe zum Sport wiedergefunden, seinen spielerischen Aspekt, die Freude, die er mir bereitet", sagte Biles der "L'Equipe". Für die nur 1,42 m große Ausnahmeathletin und Rekordweltmeisterin ist das ihr vielleicht größter Erfolg. Hinter ihr liegen tiefe Täler.

Olympia 2024: "Still I Rise"-Tattoo von Biles gibt ihr Kraft

Die Sommerspiele in Tokio vor drei Jahren waren ein Einschnitt. Der Druck war enorm, Raum für Fehler gab es nach vier Goldmedaillen 2016 in Rio keinen. Biles sollte Siege garantieren und Rekorde brechen. Es kam anders. Biles stieg nach Bronze auf dem Schwebebalken sowie Silber mit der Mannschaft mit Orientierungsstörungen aus und offenbarte mentale Probleme. Rückblickend spricht Biles von einer Vorahnung: "Wahrscheinlich wusste ich, dass ich in eine Depression geraten würde. Aber es gab einen Mechanismus in mir, der das ausblendete."
Biles verdrängt nun nicht mehr. Zwei Jahre bestritt sie keinen Wettkampf, kümmerte sich um ihre mentale Gesundheit, dient mit ihrem offenen Umgang mit ihren Problemen als Vorbild. "Ich war mit dem Turnen verheiratet", sagt Biles, "mittlerweile ist es nur noch ein Teil meines Lebens."
Ihr linkes Schlüsselbein ziert ein Tattoo. "Still I Rise", steht dort in schwarzer Tinte unter ihrer Haut geschrieben. Es ist ein Auszug aus dem wortgewaltigen Gedicht der Autorin Maya Angelou, Worte der Inspiration, Worte der Widerstandsfähigkeit, des Wiederaufstehens. Biles hat sie mit Leben gefüllt.

Olympia 2024: Ohne Erfahrung von Tokio würde es kein Paris geben

In Paris wird die 27-Jährige, die bei der WM 2023 in Antwerpen auf Anhieb wieder vier Mal Gold gewann, als älteste weibliche US-Turnerin bei Olympia seit Marie Hoesly 1952 in Helsinki antreten. Ohne das Tief von Tokio wäre es dazu wohl nicht gekommen. "Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich die Spiele in Paris nie in Betracht gezogen hätte, wenn ich nicht all diese Brüche erlebt hätte", sagt Biles.
Frei von Erwartungen steht sie auch in Paris nicht am Start. Beweisen will und muss Biles aber nichts mehr. "Ich habe immer noch sportliche Ziele, Dinge, die ich erreichen möchte. Aber ich glaube, dass ich nicht enttäuscht sein werde, wenn ich sie nicht erreiche", sagt Biles. "Was auch immer bei den Spielen in Paris passieren wird, es sind diese Eigenschaften, die ich während meiner persönlichen Reise entwickelt habe, die ich bewahren möchte."
(SID)



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