Schults Rekord unerreicht

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Jürgen Schult hat alles erreicht, was ein Sportler erreichen kann: Olympiasieger, Welt- und Europameister, nationaler Titelträger. Und seinen Weltrekord hat eine ganze Diskuswurf-Generation seit 24 Jahren vergeblich attackiert.

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Fotocredit: Eurosport

Am 6. Juni 1986 segelte Schults Zwei-Kilo-Scheibe in Neubrandenburg auf 74,08 Meter - es ist der älteste Männer-Weltrekord der olympischen Leichtathletik, der perfekteste Wurf des Athleten vom damaligen SC Traktor Schwerin. Mit 26 Jahren war er bestens in Form, Gegenwind und eine zusätzliche Bö in der letzten Flugphase sorgten für den unglaublichen Flug des Wurfgerätes.
Der heutige Bundestrainer erinnert sich: "Nicht nur ich, Trainer, Club, Verband, Medien - alle waren euphorisch, ja, trunken.2 Dabei sei ihm klar gewesen: "Es war ein Glückswurf, der nur einmal im Leben gelingt. Unter normalen Umständen konnte ich damals um die 70 Meter werfen. Aber das wollte keiner hören." Schult - kürzlich 50 Jahre alt geworden - denkt aber schon seit langem nicht mehr an den Rekord. "Ich wäre sogar froh, wenn er endlich fallen würde", sagt er. Im Jahr 2000 hatte der Litauer Virgilijus Alekna die Bestmarke mit 73,88 Meter zumindest "angekratzt".
Dem Rekord folgte der Absturz
Dem Rekordflug von 1986 folgte wenige Wochen später jedoch der Absturz. Bei der EM in Stuttgart landete Schult nur auf Platz sieben. Prompt kam die ultimative Forderung des DDR-Verbandes, zur alten Technik zurückzukehren. Etwas Entscheidendes bewirkte der denkwürdige Wurf dennoch: Schult strotzte danach vor Selbstvertrauen. Von nun an gab es in puncto Leistungssport kein Wenn und Aber mehr, keine Entschuldigung, keine Nachlässigkeit.
"Wer gewinnen will, muss kompromisslos sein. Aber er muss sich auch Erholung gönnen", lautete das Credo des Ausnahmeathleten. Schult rackerte, stemmte Gewichte wie ein Tier oder warf den Diskus so oft, dass ihm die Hände bluteten. "Aber dann hat er auch mal einen drauf gemacht", sagt Gerd Wessig, Hochsprung-Olympiasieger von 1980, und heute Leichtathletik-Chef des Schweriner SC.
Gold in Rom
Nach dem Rekordwurf wird aus dem Trainingsweltmeister Schult ein wahrer Weltmeister: 1987 erobert er mit 68,74 Metern WM-Gold in Rom. Ein Jahr später legt er bei den Olympischen Spielen in Seoul im ersten Versuch 68,82 Meter vor, die niemand mehr übertraf. "Dieser Sieg ist für mich bis heute das Größte", sagt Schult, der insgesamt neun Medaillen bei Olympia, WM und EM errang.
Nach der Wende ging der Athlet andere konzeptionelle Wege, war quasi bis zum Karriereende 2000 sein eigener Trainer. Sportdiplom, Mitdenken sowie Wettkampferfahrung befähigten ihn dazu. So schaffte Schult noch zwei Olympia-Teilnahmen, hatte am Ende 15 Jahre die Weltspitze mitbestimmt. 2001 übernahm der erfolgreichste deutsche Diskuswerfer die Funktion des Bundestrainers im DLV.
Womit sich ein Kreis schließt. Schult hat nicht nur den Diskus weiter geworfen als jeder andere, er hat zugleich seine Sportart gelebt und dabei zu sich selbst gefunden: "Ich habe hier in Potsdam beste Bedingungen und mit meiner Lebensgefährtin einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden. Deshalb bin ich glücklich."
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