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Nr. 10930 gibt nicht auf
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Publiziert 01/11/2009 um 23:41 GMT+1 Uhr
Eurosport-Mitarbeiter Dirk Lützig hat den Marathon in New York erfolgreich hinter sich gebracht. Seine Zeit: 3:19:47 Stunden. Hier schildert er seine Eindrücke.
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Fotocredit: Eurosport
Nach einer kurzen Nacht (Gott sei dank ist die Ostküste der USA in der Nacht auf Winterzeit gegangen und somit hatte ich eine Stunde "gewonnen") habe ich kurz aus dem Fenster geschaut und entschieden, bei dem Plan in kurzem Outfit zu laufen, zu bleiben (leichter Nieselregen). Um 4:20 Uhr war ich dann am Abfahrtsort des Busses und damit 40 Minuten zu früh. Allerdings wurde dieser schon gefüllt, denn ich war bei weitem nicht der Einzige, der so früh schon unterwegs war.
Die Fahrt nach Staten Island war interessant, denn wir sind die Brücke hochgefahren, die den Start des Marathons darstellt. Aus dem Bus konnte man schon erahnen, dass der Anstieg lange sein würde und ich konnte mich schon mal psychisch darauf einstellen. Da wir deutlich zu früh am Startplatz ankamen, war natürlich noch nichts aufgebaut. Nach kurzer Suche nach dem "blauen" Startdorf hieß es dann: schnell unter eines der beiden aufgestellten Zelte flüchten und sich vom Regen schützen. Ich wartete einfach der Dinge, die da kommen sollten. Rund herum um mich begannen Leute am Boden zu liegen und zu schlafen. Dabei hatten einige fast eine komplette Bettgarnitur dabei. Faszinierend!
Trockene Bagels und Japaner
Die Frühstücks-Versorgung war mit Kaffee, Tee, Energie-Riegeln und Wasser ausreichend. "Interessant" waren die trockenen Bagels ohne etwas drauf. Egal! Weißbrot ist "schnelles" Kohlenhydrat, also rein damit. Dazu Tee zum Aufwachen (Koffein), denn Kaffee entwässert. Allerdings schien das zumindest die Amerikaner nicht wirklich zu interessieren, denn sie kamen mit ihren Riesen-Kaffeebechern an, wie üblich.
Langsam füllte sich das Startdorf und es war schwer, einen Platz unter den Zelten zu bekommen bzw. zu behalten. Sobald man auf der Toilette war, war der Platz weg. Es war spannend zu sehen, dass Menschen aus der ganzen Welt an dem Marathon teilnahmen und in welcher Weise sie ihre Nationalität kenntlich machten. Einige waren in Landesfarben geschminkt aber die meisten verrieten sich durch ihre T-Shirts. In Erinnerung sind mir ein Teilnehmer aus Indien sowie zwei aus Südafrika geblieben. Europa war stark vertreten - vor allem mit Franzosen, Italienern und Spaniern. Japaner waren auch viele da (klassische Marathon-Nation). Positiv aufgefallen sind mir viele junge Frauen, was in Europa und speziell in Deutschland bei Marathons leider immer noch die Ausnahme ist.
Kurz vor 9:00 Uhr machte ich mich dann auf in meinen Startbereich F. Dort war wieder Warten angesagt, ehe es 20 Minuten später losging in Richtung Startlinie auf der Brücke. Nach der obligatorischen amerikanischen Nationalhymne und den Grußworten des Bürgermeister Michael Bloomberg wurde noch verkündet, dass man eine Chance sehe, dass es von den 42.000 Teilnehmer 40.000 ins Ziel schaffen und man damit einen Weltrekord aufstellen würde. Ich habe meinen Teil dazu geleistet, das sei schon mal verraten.
"Mein Körper lief wie eine Maschine"
Endlich Laufen: Der erste Kilometer war sehr hektisch und dicht gedrängt, wie eigentlich immer bei größeren Läufen. Nach dem langen Anstieg kam natürlich ein ebenso langer Abstieg, denn die Brücken in New York sind alle gewölbt. Ab da lief das Rennen wie geplant und meine Zwischenzeiten waren sogar besser als errechnet. Kurz noch ein Wort zu meiner Versorgung während des Rennens: Ich hatte fünf Gels dabei, die ich wie folgt einsetze: eines kurz vor Start, eines bei Kilometer 10, eines bei Kilometer 20, eines bei Kilometer 30 und eines bei Kilometer 35. Dazu einen Energie-Riegel kurz vor dem Start. Die Gels brauchen ungefähr 25-30 min bevor sie im Blut sind. Mit dieser Strategie hoffte ich die gesamte Zeit mit Gel im Blut zu laufen. Die Brücke zwischen Brooklyn und Queens, dem nächsten Stadtviertel auf unserer Route stellte die Halbmarathon-Distanz von 21,1 km dar. Diese nahm ich mit 1:34 und damit vier Minuten schneller als die 1:38 für den geplanten Schnitt. Mit einem Wort mein Körper lief wie eine Maschine. Keinerlei Probleme.
Aus Queens heraus ging es in Richtung Manhattan. Mittlerweile ist Kilometer 25 gefallen und ich bin immer noch deutlich schneller als gedacht. Kilometer 27 hielt eine überraschende Steigung bereit, die ich so nicht im Höhenprofil gesehen hatte. Allerdings war ich immer noch frisch genug, so dass auch dieses Hindernis nicht wirklich an der Zeit nagte. Danach ging es durch Manhattan in nördlicher Richtung, denn der letzte verbleibende Stadtteil New Yorks musste noch genommen werden: Harlem. Von dort ging es wieder zurück nach Manhattan in Richtung Central Park.
Dann war der Ofen aus
Dort allerdings begannen meine Probleme, denn es ging fast nur bergauf und kostete viel Kraft. Einige Läufer hatten diesen Anstieg auf der Rechnung, denn die flogen nun an mir vorbei. Ich denke hier spielte Erfahrung eine große Rolle, denn mit dem Wissen, welches ich jetzt habe, hätte ich ein paar "Körner" zurückgelegt. Ab Kilometer 35 war ich dann völlig platt, was sich mit der Zwischenzeit von 2:53 Stunden anstatt der erhofften 2:43 deutlich zeigte.
Die letzten Kilometer bergauf zogen sich wie Kaugummi. Endlich war der Eingang zum Central Park erreicht. Ich nahm an, dass es nun bergab gehen sollte, denn es ging lange genug bergauf doch falsch gedacht. Der nächste Anstieg wartete. Danach ein kleiner Abstieg und dann noch ein Anstieg, der sich ewig zu ziehen schien. Bei dem Schild "nur noch 800 Meter bis zum Ziel" war ich verzweifelt, denn 800 Meter sind normalerweise nicht der Rede wert. Hier schienen sie ewig zu sein. Der letzte Abstieg zum Ziel war eigentlich ein Geschenk, allerdings konnte ich nur noch ins Ziel wanken und diesen Vorteil nicht mehr nutzen. Ich rang mir noch ein Lächeln für das Zielfoto ab, aber dann war der Ofen aus. Die Uhr blieb bei 3:19:47 Stunden stehen. Wir bekamen die Finisher-Medaille ausgehändigt, einen isolierten Umhang umgehängt (gegen Auskühlung) sowie ein Verpflegungspaket (Wasser, Iso-Drink, Apfel, Energie-Riegel) in die Hand gedrückt.
Ich nahm die nächste U-Bahn ins Hotel und dann ging es erstmal unter die Dusche. Danach kurz was essen und nun, da ich den Bericht geschrieben habe, ab ins Bett. Im Moment habe ich außer müden Beinen und einer kleine Blutblase am rechten mittleren Zehen keinerlei Beschwerden. Wir werden sehen, wie das morgen aussieht.
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