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Olympia 2024 in Paris - DLV-Sprinterin Gina Lückenkemper im Interview: "Ich bin eine ganze Ecke stärker geworden"
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Update 23/07/2024 um 09:51 GMT+2 Uhr
Gina Lückenkemper führt die deutschen Sprinterinnen bei den Olympischen Spielen in Paris an. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport verrät die 100-Meter-Europameisterin von 2022, wie es ihr gelang, noch einmal stärker zu werden und warum sie große Hoffnungen in die Staffel setzt. Gleichzeitig stellt Lückenkemper klar, dass sie wenig davon hält, Athletinnen über die persönliche Topzeit zu definieren.
Lückenkemper im Exklusiv-Interview: "Dann wird es schnell"
Quelle: Eurosport
Krafttraining war für Gina Lückenkemper eher eine Nebensache, bislang. Seitdem die Sprinterin aber bei Lance Brauman in den USA trainiert, hat sich das dramatisch verändert.
"Im Winter haben wir im Krafttraining noch mal eine Schippe draufgelegt, weil wir da die größten Reserven hatten", erläutert Lückenkemper im Interview mit Eurosport-Reporter Matthias Sandten.
In Paris wird die 27-Jährige über 100 Meter und in der Staffel über 4x100 m starten. Man habe "ein sehr harmonisches Team und eine coole Truppe", unterstreicht Lückenkemper, die bereits große Erfolge mit DLV-Staffeln feierte.
Das bislang erfolgreichste Jahr für die Leichtathletin war die Saison 2022 mit den EM-Titeln über 100 m und in der Staffel, dazu Staffel-Bronze bei der WM. Für Olympia in Paris hat sich Lückenkemper vor allem eines vorgenommen: "Ein sauberes Rennen mit möglichst wenig technischen Fehlern."
Was ist die größte Hoffnung, die Sie mit Olympia in Paris verbinden?
Gina Lückenkemper: Ich hoffe, dass ich nach dem Wettkampf einfach nur glücklich bin. Glücklich und zufrieden. Dann ist alles gut.
Nach Paris ist es ein Katzensprung. Wer aus dem Kreis von Familie und Freunden kommt denn mit?
Lückenkemper: Paris mag zwar um die Ecke liegen, aber die Leichtathletik-Tickets sind sauteuer, wirklich extrem teuer. Mein Freund wird zwar vor Ort sein, der muss dort aber auch arbeiten. Es ist ganz praktisch, dass wir das verbinden können. Meine Eltern kommen für die 100 Meter dazu, aber auch nur dafür, weil der komplette Zeitraum in Paris einfach viel zu teuer ist. Das können sie sich nicht leisten. Die Tickets in der Leichtathletik sind ekelhaft teuer. Das ist echt unverschämt.
Womit muss man rechnen?
Lückenkemper: Es gab eine Runde, wo meine Familie gezogen wurde, die konnten aber nur in Kategorie A Tickets kaufen. Da weißt du nicht, wo du genau sitzt im Stadion. Ich glaube, meine Eltern sitzen sogar auf der Gegengerade. Die günstigsten Tickets in dieser Kategorie A lagen, meine ich, bei 750 Euro oder so. Pro Person. Für eine Session. Also das ist wirklich extrem.
Ich finde das immer ein bisschen schwierig, dass in Deutschland die Aktiven in der Leichtathletik oftmals nur an ihren Bestzeiten ausgemacht und definiert werden.
Wie stehen Sie zum Medienrummel, können Sie das mitunter auch genießen?
Lückenkemper: Es kommt immer ganz darauf an. Ich finde es nicht schlimm. Manchmal mache ich es ganz gerne, aber es kommt darauf an, wer die Fragen stellt und wie. Mitunter gibt es Zeitgenossen, die sind nicht so angenehm.
Und die Fragen wohl auch nicht.
Lückenkemper: Richtig blöde Fragen sind so etwas wie: 'Warum bist du denn seit 2017 keine persönliche Bestzeit gelaufen?' Ich finde das immer ein bisschen schwierig, dass in Deutschland die Aktiven in der Leichtathletik oftmals nur an ihren Bestzeiten ausgemacht und definiert werden. Dabei zeigt sich dabei eigentlich nur das Potenzial, das in ihnen schlummert. Für mich definiert eine persönliche Bestzeit niemals einen Athleten oder eine Athletin, das macht der Top-10-Schnitt. Das ist viel wichtiger, man kann die Zeiten so besser in eine Perspektive setzen.
Gibt es in Ihrer Herangehensweise Veränderungen, haben Sie Ihr Training umgestellt im Vergleich zu den vergangenen Jahren?
Lückenkemper: Im Winter haben wir im Krafttraining noch mal eine Schippe draufgelegt, weil wir da die größten Reserven hatten. Die Sprinttechnik hat sich zwar auch verbessert, aber ich bin jetzt eine ganze Ecke stärker geworden. Bevor ich in die USA gegangen bin und mich der Trainingsgruppe um Lance Brauman angeschlossen habe, habe ich kaum Krafttraining gemacht. Dahingehend bin ich also noch sehr unverbraucht. Lance sagt, dass ich zwar 27 Jahre alt bin, aber in Athletenjahren bin ich ein paar Jahre jünger, weil mir dieses ganze Krafttraining gefehlt hat. Da haben wir dieses Jahr ordentlich was drauflegen können.
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Gina Lückenkemper jubelt über EM-Gold bei den European Championships 2022 in München über die 100 Meter
Fotocredit: Getty Images
In der Zeit vor dem Wettkampf baut sich dann sicher der Druck auf. Empfinden Sie das als anstrengend oder eher als schön?
Lückenkemper: Ich finde das schön und nehme das nicht so wahr, dass sich dadurch Druck aufbaut. Ich bin sogar ganz dankbar dafür, dass ich noch mal Zeit habe, ein bisschen trainieren zu können, diesen letzten Feinschliff im Training zu holen. An gewissen Aspekten kann ich jetzt arbeiten. Das genieße ich viel mehr, als dass ich mich dadurch irgendwie gestresst fühle.
Das größte Risiko ist bei mir tatsächlich, dass ich zu sehr gegen die anderen Athletinnen rennen möchte und dann so ein bisschen hektisch werde. Dadurch entstehen Fehler.
Wenn man Zeiten und Ergebnisse mal außen vor lässt, welche Aufgabe haben Sie sich in Paris persönlich gestellt?
Lückenkemper: Ein sauberes Rennen mit möglichst wenig technischen Fehlern, denn dann wird es schnell. Das ist eigentlich relativ simpel.
Welche Gefahren gilt es dabei im Auge zu behalten?
Lückenkemper: Das größte Risiko ist bei mir tatsächlich, dass ich zu sehr gegen die anderen Athletinnen rennen möchte und dann so ein bisschen hektisch werde. Dadurch entstehen Fehler. Wenn man zu sehr damit beschäftigt ist, gegen andere zu laufen, anstatt sein Rennen zu machen, passieren schnell Fehler. Das wird dann teuer an der Stelle.
Die Konkurrenz kann aber auch pushen.
Lückenkemper: Man muss ja gegen die anderen laufen, aber man darf sich nicht darauf konzentrieren, was der Rest macht. Wenn man doch driftet und sich denkt, die will ich jetzt aber besiegen und es manchmal zu sehr möchte, geht der Schuss gerne nach hinten los. Ich hoffe nicht, dass mir das noch mal passiert.
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Tatjana Pinto, Alexandra Burghardt, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase feiern ihre Bronzemedaille über die 4x100 m bei der WM in Eugene
Fotocredit: Getty Images
Sie treten auch in der 4x100-m-Staffel an. Wie würden Sie das Team beschreiben im Vergleich zu den vergangenen Olympischen Spielen vor drei Jahren in Tokio?
Lückenkemper: Wir haben bei den letzten Spielen ein gutes Team auf der Bahn gehabt - und auch dieses Mal verfügen wir über ein gutes Team. Ich glaube nicht, dass sich da wirklich was geändert hat. Vielleicht und hoffentlich haben wir noch mehr Athletinnen, die in Topform sind. Derzeit deuten alle Anzeichen darauf hin. Wir haben ein sehr harmonisches Team und eine coole Truppe zusammen, um in der Staffel richtig angreifen zu können.
Ich höre mir auch Sorgen an oder Zweifel, wenn es die gibt. Oder ich spreche schwierige Themen bei den Trainern an, wenn jemand sich das vielleicht nicht traut.
Braucht es die Harmonie unbedingt oder kann auch ein schlecht zusammenhaltendes Team performen?
Lückenkemper: Performen ja, weil am Ende kommt es darauf an, dass jeder seinen Job kennt. Man muss nicht Best Friends mit jedem sein, der in der Staffel dabei ist. Entscheidend für mich ist, dass gegenseitiger Respekt da ist. Solange das gegeben ist, kann eine Staffel auf jeden Fall erfolgreich sein. Wobei ich sagen möchte, dass im aktuellen Team die Harmonie da ist. Das ist ein netter Bonus, den wir noch mit dabei haben.
Was glauben Sie, was die Teamkolleginnen an Ihnen besonders schätzen?
Lückenkemper: Ich glaube, dass sie mich jederzeit ansprechen können, egal um was für ein Thema es geht. Da gibt es keine dummen Fragen. Mich kann man alles fragen, seien es auch Kleinigkeiten, die einem banal vorkommen mögen. Ich hab für so was immer ein offenes Ohr. Ich höre zu, höre mir auch Sorgen an oder Zweifel, wenn es die gibt. Oder ich spreche schwierige Themen bei den Trainern an, wenn jemand sich das vielleicht nicht traut. Das sind, glaube ich, Dinge, die meine Staffelkolleginnen an mir schätzen.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Lückenkemper.
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Quelle: Eurosport
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