Owen Ansah glänzt trotz drohender Dopingsperre bei der Leichtathletik-DM in Wattenscheid: 100 Meter in 10,00 Sekunden
Publiziert 25/07/2026 um 21:35 GMT+2 Uhr
Owen Ansah deutete mit dem Finger in den Abendhimmel, er klemmte sich in den Startblock und sprintete dann ganz cool zum Titel. Der Mann, auf den bei der Leichtathletik-DM in Wattenscheid alle Augen gerichtet waren, wirkte bei seinem überlegenen 100-m-Sieg zwar äußerlich unbeeindruckt. Doch spürbar der Riesentrubel um seinen verweigerten Doping-Test. Für den Moment konnte er dies aber ausblenden.
Owen Ansah glänzt in Wattenscheid
Fotocredit: Getty Images
"Wenn ich auf die Bahn gehe, dann sind meine Gedanken völlig frei. Ich merke nichts, und das hat auch heute funktioniert", sagte der 25 Jahre alte Hamburger, nachdem er in 10,00 Sekunden zu seinem dritten 100er-Titel in Serie und nur um zwei Hundertstel an seinem deutschen Rekord vorbei gestürmt war: "Ich habe einen Super-Job geleistet. Ich kann stolz auf mich sein."
Viele Stars der deutschen Leichtathletik waren am Samstag im Einsatz. Vize-Europameister Julian Weber siegte souverän mit dem Speer, Rio-Olympiasieger Thomas Röhler wurde dabei nur Vierter. Ex-Europameisterin Gina Lückenkemper wurde lediglich Dritte über 100 m. Doch im Mittelpunkt des Interesses stand Ansah. Fragen zum unschönen Themenkomplex lächelte er weg, höflich, aber bestimmt.
Doch kurz vor den Europameisterschaften in Birmingham bleibt sein großes Problem, dass ihm eine mehrjährige Sperre droht. Eine Entscheidung in Ansahs Fall ist bis EM-Beginn nicht zu erwarten. Das macht das Thema zusätzlich kompliziert.
Ansah, der im Juni den deutschen 100-m-Rekord auf 9,98 Sekunden verbessert hatte, hatte einem NADA-Kontrolleur Anfang Juli die Abgabe einer Dopingprobe verweigert. Die NADA leitete darauf ein Verfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen ein. Ansah ist vorläufig nicht gesperrt, da kein positiver Test von ihm vorliegt.
Verweigerter Dopingtest: Ansah "war spät dran"
Er sei vor der Abreise zum Diamond-League-Wettkampf in Monaco von einem Kontrolleur überrascht worden, der "außerhalb" seines Zeitfensters geklingelt und "um die Abgabe einer Dopingprobe" gebeten habe: "Ich war spät dran und konnte so kurzfristig die Probe nicht abgeben." Ansah reiste ab, lief am Folgetag in Monaco, wurde dort auch getestet.
Im frisch renovierten Lohrheidestadion, wo in den Neunziger Jahren der Bochumer Stadtteilklub Wattenscheid 09 mit markanten Kickern wie Marek Lesniak und Souleymane Sane vier Jahre lang in der Bundesliga mitmischte, dominierten am ersten Wettkampftag neben Ansah auch die weiteren Favoriten und Favoritinnen. Weber setzte sich im Speerwerfen zum sechsten Mal in Folge durch, auch wenn seine Siegesweite von 82,60 m bestenfalls solide war. "90 Meter" - das sagte der Mainzer auf die Frage, was er sich für Birmingham vornehme.
Im Frauen-Sprint verpasste Lückenkemper ihren fünften 100-m-Titel in Serie und musste sich in 11,29 Sekunden hinter Jolina Ernst, Tochter der ehemaligen Topsprinterin Melanie Paschke, und Emma Goretzka (beide 11,26) mit Platz drei begnügen.
Das deutsche Topduell über 3000 m Hindernis fiel aus. Während Karl Bebendorf über seine Stammstrecke trotz eines Sturzes in 8:21:01 Minuten seinen siebten DM-Erfolg feierte, zog Europarekordler Frederik Ruppert den Härtetest über "flache" 5000 m vor und gewann dort aufgrund seiner immensen Spurtstärke nach einem Bummelrennen in 14:08,18 Minuten.
"Das war schon gut so", sagte Bebendorf, den mit Ruppert eine dicke Freundschaft verbindet, "es reicht, wenn wir dann bei der EM aufeinandertreffen."
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(SID)
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Quelle: Eurosport
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