Als der Himmel über Le Mans kurz seine Schleusen öffnete, wollte sich Stefan Bradl höchstselbst in den Allerwertesten beißen. Als einziger Fahrer hatte der Zahlinger am Freitag freiwillig auf das erste Training verzichtet, das ebenfalls unter feuchten Bedingungen stattfand. Im Nachhinein verschenkte Bradl damit wertvolle Erfahrungen für das Rennen, doch im Ergebnis spiegelte sich das kaum wider: Mit dem achten Platz beim Großen Preis von Frankreich feierte der MotoGP-Pilot sein mit Abstand bestes Saisonergebnis.

"Es war schwierig. In der Startaufstellung, als es angefangen hat zu regnen, dachte ich mir noch, was bist du für ein Idiot, dass du das erste Training ausgelassen hast? Da habe ich mich ein bisschen in den Arsch gebissen", sagte Bradl bei "ServusTV".

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Doch die richtige Reifenwahl bescherte dem früheren Moto2-Weltmeister ein nahezu perfektes Rennen. Während mehrere Konkurrenten bei den schwierigen Streckenverhältnissen stürzten oder nicht ihren Rhythmus fanden, zeigte Honda-Pilot Bradl eine fehlerfreie Vorstellung. In seinem sechsten Einsatz als Ersatzfahrer für den verletzten Weltmeister Marc Marquez (Spanien) kam Bradl damit erstmals in die Punkte.

Vom vorletzten Startplatz aus nahm Bradl das Rennen in Angriff, schnell arbeitete er sich nach vorne. In der letzten Runde gelang Bradl auch noch ein Überholmanöver gegen den WM-Führenden Fabio Quartararo. Der Franzose in Yamaha-Diensten war von der Pole-Position aus in sein Heimrennen gestartet, kam mit den Bedingungen aber nicht zurecht und musste froh sein, ein paar Punkte mitzunehmen.

Danilo Petrucci feiert ersten Saisonsieg

Auf dem Podium kam es zum Debütantenball. Der Italiener Danilo Petrucci (Ducati) holte seinen ersten Saisonsieg, Bradls Teamkollege Alex Marquez, Bruder des Weltmeisters, kam als Zweiter erstmals in seinem Rookie-Jahr auf das Podium. Zudem war es für Honda der erste Podestplatz in diesem Jahr überhaupt. "Es ist toll für das ganze Team, dass wir das Ergebnis nach Hause gebracht haben", fasste Bradl das Ergebnis des gebeutelten Werksteams zusammen.

Die WM-Favoriten konnten sich unterdessen nicht in Szene setzen. Der Italiener Andrea Dovizioso (Ducati) mischte lange im Kampf um den Sieg mit, wurde am Ende aber nur Vierter. Damit verpasste Dovizioso es, die Lücke zu Quartararo deutlicher zu schließen. In der WM-Wertung führt der Franzose mit 115 Zählern vor dem Spanier Joan Mir (Suzuki/105) und Dovizioso (97).

In der Moto2 fuhr Marcel Schrötter erneut in die Top 10. Der 27-Jährige aus Vilgertshofen kam auf seiner Kalex zwar als Elfter ins Ziel, profitierte aber von einer nachträglichen Strafe gegen den Italiener Enea Bastianini. Im Kampf um den WM-Titel musste Luca Marini (Italien) einen Rückschlag hinnehmen. Der Halbbruder von MotoGP-Superstar Valentino Rossi blieb ohne Punkte, sein Vorsprung an der Spitze der Gesamtwertung schmolz auf 15 Punkte zusammen.

(SID)

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