"Das passiert halt beim Feiern", sagte Frenzel, der seine dritte Medaillen-Party von Pyeongchang anders als noch zwei Tage zuvor unbeschadet überstand. Mit Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger begoss der Sachse zu später Stunde die kaum für mögliche gehaltene Olympia-Ausbeute der deutschen Kombinierer: Fünf von sieben Medaillen geholt, darunter alle drei goldenen. "Besser kann man ein Märchen nicht schreiben", sagte Rydzek, der wie Frenzel zweimal Gold mit nach Hause bringt.

Machtdemonstration der deutschen Kombinierer

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19/02/2018 AM 09:59

Wie schon bei der WM 2017 blieb das deutsche Team in allen Rennen unbesiegt. Der Macher dieses furiosen Siegeszuges genoss den Höhepunkt seiner Karriere eher still. Bundestrainer Hermann Weinbuch gönnte sich ein Bier und schaute mit großen Augen auf die Bildschirme, wo noch einmal die Bilder des überragenden Staffel-Triumphes gezeigt wurden.

"Das war eine Demonstration unserer Stärke. Wir wollten zeigen, dass wir wer sind und richtig viel drauf haben", sagte Weinbuch.

Seit 22 Jahren trainiert Weinbuch die Kombinierer, nun ist er auf dem Gipfel angekommen. Als "Superstar-Coach" war er auf der Pressekonferenz nach dem Dreifachsieg im Einzel vorgestellt worden war, Weinbuch lachte kurz auf. Zu viel Lob ist nicht das Ding des 57-Jährigen. Es passte ins Bild, dass Weinbuch in der Stunde des Sieges mahnend den Zeigefinger hob:

Die Mannschaft steht jetzt im Zenit. Aber der eine oder andere kippt vielleicht schon rüber. Wir müssen hellwach sein.

Weinbuch meinte damit wohl Frenzel (29), dessen Serie von fünf Triumphen im Gesamtweltcup in diesem Winter reißen dürfte, und Björn Kircheisen (34), der ganz offensichtlich erwägt, seine Karriere zu beenden. "Ich denke schon, dass wir noch das eine oder andere schöne Jahr miterleben dürfen", sagte Weinbuch. Aber danach? Hinter den großen Namen werde es dünn, mahnte er:

Im zweiten und dritten Glied brechen wir gerade ein bisschen weg. Wenn man nicht aufpasst, ist es in drei, vier Jahren vorbei mit der Herrlichkeit.

Die gute Nachricht: Frenzel, seit Juni 2017 dreifacher Familienvater, macht erst einmal weiter. Ob er bis Peking 2022 durchhält, ist derzeit aber offen. "Ich mache das davon abhängig, wie es funktioniert. Ob es noch einmal vier Jahre werden, werden wir sehen", sagte er am Donnerstag. Dem überragenden Kombinierer der vergangenen Jahre fehlt in seiner Titelsammlung nur noch Olympiagold von der Großschanze - ein Anreiz ist also noch da.

Zunächst einmal durften Frenzel, Weinbuch und die übrigen Kombinierer aber den Moment genießen. Denn allen Warnungen zum Trotz war sich auch Weinbuch sicher: "Das eine oder andere schöne Jahr haben wir noch vor uns."

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