Nordische Ski-WM 2025 in Trondheim - Fabian Rießle exklusiv: "Deutsches Team hat sich im Winter sehr gut präsentiert"

Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2025 in Trondheim haben die Kombinierer und Kombiniererinnen die wohl besten Goldchancen im deutschen Team. Vor allem, wenn Vinzenz Geiger und Nathalie Armbruster "den Schwung mitnehmen", sei alles möglich, sagt 2018-Olympiasieger Fabian Rießle im Gespräch mit Eurosport.de. Die gesamte DSV-Mannschaft habe sich in dieser Saison "sehr, sehr gut präsentiert".

Geiger glänzt von der Schanze: Sieg im Kombinations-Springen

Quelle: Eurosport

Vinzenz Geiger und Nathalie Armbruster haben die letzten Rennen vor der WM gewonnen. Was dürfen wir von diesen beiden - und dem gesamten deutschen Team - in Trondheim erwarten?
Fabian Rießle: Es ist natürlich etwas anderes, wenn du mit einem solchen Erfolgserlebnis in die WM gehst, aber gerade die beiden waren ja auch im Vorfeld schon erfolgreich. Daher war es nicht so überraschend. Sie werden jetzt versuchen, den Schwung mitzunehmen und hatten auch Zeit, sich vorzubereiten und die ein oder andere ruhige Sprungeinheit zu absolvieren. Es ist vor einem Großereignis immer wichtig, nochmal aus dem Wettkampftrott rauszukommen. Generell hat sich das deutsche Team bei Frauen und Männern in diesem Winter sehr, sehr gut präsentiert - da kann man gespannt auf die WM schauen.
Die WM findet in Trondheim statt, die norwegische Auswahl ist traditionell stark. Mit wem muss man im Kampf um die Medaillen rechnen?
Rießle: Klar, dass da als erstes die Norweger zu nennen sind. Sie werden sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern die größten Konkurrenten sein. Die Österreicher haben sich zuletzt ein bisschen schwergetan, waren vor allem auf der Schanze nicht so konstant unterwegs. Aber ich gehe davon aus, dass sie sich mit einer WM-Medaille als Ziel anders präsentieren werden. Die Japaner, die in den letzten Jahren auch immer wieder Medaillen abgegriffen haben, haben sich bislang noch nicht so gezeigt. Aber vielleicht haben sie ja ein Mittel gefunden, um doch vorne mit eingreifen zu können. Wenn wir ins finnische Lager schauen, war Ilkka Herola sehr gut unterwegs. Für ihn würde es mich persönlich sehr freuen, weil es auch mit Blick auf Olympia wichtig wäre, wenn er eine WM-Medaille gewinnen könnte. Das wäre für die Sportart insgesamt gut.
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Highlights aus Seefeld: Armbruster macht Triple-Triumph perfekt

Quelle: Eurosport

Was braucht es, um bei der WM um die Medaillen mitkämpfen zu können?
Rießle: Eigentlich ist es immer der gleiche Wettkampf - egal, ob das bei den Olympischen Spielen, im Weltcup oder bei der WM ist. Aber es ist wirklich so, dass die Großereignisse häufig ihre eigenen Geschichten schreiben, weil die Favoriten dann ihre Leistung nicht abrufen können oder der Kopf ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Am Ende ist es wie so oft: Wenn man bei sich bleibt, mit Lockerheit und Entschlossenheit an die Sache rangeht und sein Potenzial entfaltet, fährt man damit oft am besten, auch weil die anderen vielleicht etwas Besonderes zeigen wollen. Aber das braucht es oft gar nicht.
Die Schanzen sind erst seit vergangenem Sommer sprungbereit, weil es Verzögerungen bei den Bauarbeiten gab - und die Norweger konnten einfach mehr Sprünge auf den Anlagen sammeln. Da würde ich schon behaupten, dass sie dadurch einen kleinen Vorteil haben.
Du hast selbst in Trondheim Siege gefeiert. Welche Besonderheiten, die dem einen oder der anderen in die Karten spielen, weisen Schanze und Loipe auf?
Rießle: Stimmt, in Trondheim habe ich auch mal gewonnen, aber das war noch auf der alten Schanze und im alten Langlaufstadion. Da wurde jetzt alles neu aus dem Boden gestampft, zwei neue Schanzen hingestellt - alles wirklich auf dem neuesten Stand. Ich bin die neuen Schanzen schon gesprungen. Die sind sehr cool, haben ein modernes Profil, das sehr weite Sprünge ohne großes Verletzungsrisiko zulässt. Der Vorteil ist da klar ein Heimvorteil: Die Schanzen sind erst seit vergangenem Sommer sprungbereit, weil es Verzögerungen bei den Bauarbeiten gab - und die Norweger konnten einfach mehr Sprünge auf den Anlagen sammeln. Da würde ich schon behaupten, dass sie dadurch einen kleinen Vorteil haben.
Beim Blick auf das Wettkampfprogramm der WM fällt auf, dass es dort zwischen Frauen und Männern Unterschiede gibt: Beide Geschlechter tragen in Trondheim einen Gundersen-Wettbewerb aus, als zweiten Einzelwettbewerb haben die Frauen dann allerdings einen Massenstart-Wettbewerb, während die Männer ein Individual Compact austragen. Zudem gibt es bei den Frauen keinen Teamwettkampf. Wie sehen Sie das?
Rießle: Aus meiner Sicht wäre es das richtige Zeichen, wenn Frauen und Männer die gleichen Wettkämpfe absolvieren würden. Für mich würde das bedeuten, dass dann beide jeweils einen Massenstart, einen Compact und einen normalen Gundersen-Wettkampf haben. In den nordischen Sportarten werden eher Wettkämpfe gestrichen, während zum Beispiel im Biathlon neue Formate aufgenommen werden. Da gibt es bei der WM jetzt mittlerweile sieben Medaillenchancen - und wir streichen weiter Wettbewerbe weg. Komisch ist auch, dass die Frauen einen Massenstart haben und die Männer einen Compact. Da weiß ich nicht, wer sich sowas überlegt.
Das Thema treibt viele Leute um und bringt nichts Positives mit sich. Es ist einfach ein Stück weit ungewiss für alle, weil dieses Gerede darüber, dass die Sportart für die Olympischen Spiele auf der Kippe steht, ja auch was mit dir als Athlet macht.
Lassen Sie uns den Blick in die Zukunft richten: Bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 gehört die Nordische Kombination als Sportart noch sicher zum Programm. Darüber hinaus ist die olympische Zukunft offen. Was bedeutet das für die Sportart und die Athletinnen und Athleten?
Rießle: Das Thema treibt viele Leute um und bringt nichts Positives mit sich. Es ist einfach ein Stück weit ungewiss für alle, weil dieses Gerede darüber, dass die Sportart für die Olympischen Spiele auf der Kippe steht, ja auch was mit dir als Athlet macht. Ich habe schon viele verschiedene Meinungen gehört - die reichen von "sicher dabei" bis "safe raus". Ganz sicher ist aber, dass es eine Zukunft nur mit Männern und Frauen geben wird. Wenn die Nordische Kombination 2030 noch olympisch sein möchte, gehören die Frauen dazu. Das hätten wir uns alle schon für 2026 gewünscht, aber das ist nicht eingetreten.
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Vinzenz Geiger, Fabian Rießle, Eric Frenzel und Johannes Rydzek (v.l.n.r.) holen 2018 Olympia-Gold

Fotocredit: Getty Images

Das Thema hat ja auch Auswirkungen auf die Junioren und Juniorinnen.
Rießle: Noch viel schlimmer ist es für den Nachwuchs. Ich habe selbst einen Neffen, der mit 13 Jahren ein junger, aufstrebender Kombinierer ist. Der feiert die Sportart, wie man das tun muss, wenn man erfolgreich sein will. Aber schon in seinem Alter geht ihm das Thema durch den Kopf, weil es der Traum eines jeden Sportlers ist, mal zu den Olympischen Spielen zu fahren. Für den Nachwuchs ist es ein fatales Zeichen, wenn immer wieder zu hören und zu lesen ist, dass die Nordische Kombination aus dem olympischen Programm fliegt. Damit nimmt man sich die Chance, den ohnehin wenigen Nachwuchs, den wir aktuell haben, zu motivieren und ihm ein Ziel und einen Traum zu geben."

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Geiger legt nach: Wieder Sieg im Kombinations-Springen

Quelle: Eurosport


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