Olympia 2024: Oliver Zeidler und Bob Hanning kritisieren Sportstrukturen in Deutschland - "Erbärmlich"

Die Olympischen Spiele sind vorbei und der deutsche Spitzensport reist aus Paris nicht nur mit 33 Medaillen, sondern auch mit reichlich Fragezeichen zurück. Der Medaillen-Negativrekord bietet nun aber auch die Möglichkeit, grundlegende Probleme anzusprechen. Genau das haben Handball-Funktionär Bob Hanning und Gold-Ruderer Oliver Zeidler jetzt getan. Wo sie die Probleme sehen und was sie fordern.

Tränen nach historischem Triumph: Zeidler erfüllt sich Gold-Traum

Quelle: Eurosport

Die Medaillenbilanz der deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen kann einen mit gemischten Gefühlen zurücklassen. Die Bilanz von zwölf Goldmedaillen gegenüber zehn in Tokio 2021 ist durchaus eine respektable Steigerung.
Dass mit insgesamt 33 Medaillen ein neuer Negativrekord - seit der Wiedervereinigung waren es nie weniger - aufgestellt wurde, legt die Probleme im deutschen Sport aber doch recht nachdrücklich offen. Das sehen auch zwei so, die direkt oder indirekt dafür gesorgt haben, dass die Bilanz nicht noch trister aussieht.
Bob Hanning sorgte als Handballfunktionär im vergangenen und zu Beginn dieses Jahrzehnts federführend dafür, neue Strukturen zu schaffen, nachdem die Weltmeistergeneration 2007 die Bühne verlassen hatte.
Belohnt wurde das bei diesen Olympischen Spielen mit der Silbermedaille für die deutschen Handball-Männer. Im Gespräch mit "Sport1" äußerte sich der 56-Jährige mehr als deutlich zur Ausbeute von Team Deutschland: "Wenn man bedenkt, wie viele Medaillen wir bei den vergangenen Spielen gewonnen haben, ist das natürlich erbärmlich für ein Land wie Deutschland", sagte Hanning.

Massive strukturelle Probleme

Vor allem Probleme in der Sportförderung wären der Auslöser für die triste Bilanz. "Die Italiener bekommen 180.000 Euro für eine Goldmedaille. Der deutsche Kanute bekommt 20.000 Euro und muss seine Reisen zu den Wettkämpfen teilweise auch noch selbst bezahlen", betonte Hanning bei "Sport1" und fügte an: "Da geht es primär gar nicht um Wertschätzung in Form von Geld, sondern um die Entwicklung der Sportler."
Gold-Ruderer Oliver Zeidler pflichtete Hanning bei "Sport1" bei und sprach explizit zwei Probleme an: Zum einen werde Leistung neben dem Sport "abgestraft" - so würden Sportler, die neben dem Sport mit ihrer Arbeit einen gewissen Betrag überschreiten, die Sportförderung mit einem Mal verlieren.
Zum anderen sei die Bürokratie für das schnelle Sportsystem zu träge. Auch wegen dieser Aspekte würden Spitzensportler, wie unter anderem Gina Lückenkemper und Zehnkämpfer Leo Neugebauer in den USA trainieren.
"In den USA gibt eine Uni mehr Geld aus für Sportförderung als ganz Deutschland. Das ist einfach überhaupt nicht vergleichbar", stellte Zeidler klar.

Zeidler fordert mehr Sichtbarkeit

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Oliver Zeidler holte in Paris eine von zwölf olympischen Goldmedaillen.

Fotocredit: Getty Images

All das überträgt sich auch auf die Situation der Sportstätten, die dem Top-Level mit einem Sanierungsstau von 31 Milliarden Euro abgeschlagen hinterherlaufen. "Wir haben in Deutschland viel zu wenige Sportanlagen. Das ist ein maximales Missmanagement", sagte Hanning zu "Sport1".
Neben der strukturellen Probleme mahnt Hanning aber auch die Arbeitsmoral der kommenden Athleten an. "Wir können nicht aus der Work-Life-Balance das Wort 'Work' streichen. So funktioniert Spitzensport nicht", betonte der ehemalige DHB-Vizepräsident.
Zu alledem ist das Thema der Fußball-Fokussierung in den Medien aktueller denn je. Außerhalb von Olympia finden Sportarten wie Rudern kaum mediale Aufmerksamkeit.
"Ich würde mir abseits der Olympischen Spiele etwas mehr Aufmerksamkeit durch die Medien wünschen. Ich verstehe nicht, weshalb im Fernsehen viertklassige Fußballspiele anstatt einer Weltcup-Regatta gezeigt werden", betonte Ruderer Zeidler.

Olympia in Deutschland als möglicher Wendepunkt

Parallel zum Negativrekord machen Gespräche über eine mögliche deutsche Olympia-Bewerbung immer wieder die Runde - Anlass für einen Medaillen-Turnaround?
"Wir haben jetzt eine Chance auf die eigenen Olympischen Spiele. Wir haben dann zwölf Jahre Zeit, dafür zu sorgen, dass wir keine zwölf Goldmedaillen, sondern 30 Goldmedaillen holen", sagte etwa Hanning im "Sport1"-Interview.
Die Probleme sind erkannt, die Lust auf eigene Olympische Spiele - etwa 2040 - wächst. Jetzt gilt es, an den besagten Stellschrauben zu drehen.
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Team D feiert im Party-Zug: "Völlig losgelöst"

Quelle: SID


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