Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Primoz Roglic und Red Bull geben Rosa gerne ab und Steinhauser ist bereit

Die 8. Etappe des Giro d'Italia hat für großes Spektakel gesorgt. Zwar blieb ein echter Schlagabtausch unter den Favoriten auf den Gesamtsieg aus, trotzdem aber knabberte Juan Ayuso eine Sekunde vom Polster von Primoz Roglic ab. Im Mittelpunkt auf dem Weg nach Castelraimondo stand indes der extrem harte Kampf um den Etappensieg, an dem auch Georg Steinhauser mitwirkte. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Führungswechsel im Rosa Trikot – Steinhauser belohnt sich nicht

Quelle: Eurosport

Acht Tage hat es gedauert, bis die Ausreißer bei dieser 108. Italien-Rundfahrt ihre erste echte Chance auf den Etappensieg wittern durften.
Dementsprechend hart war zu Beginn der 8. Etappe der Kampf um die Plätze in der Spitzengruppe des Tages.
Mehr als 80 Kilometer dauerte es, bis erstmals eine Gruppe mehr als 30 Sekunden Vorsprung herausfahren konnte - und mit dabei war ein Deutscher: Georg Steinhauser (EF Education-EasyPost).
Der 23-Jährige prägte das Geschehen an der Spitze des Rennens dann auch lange mit und machte 360 Tage nach seinem Giro-Etappensieg am Passo Bronco 2024 Hoffnung, dass er einen ähnlichen Coup in den kommenden zwei Wochen noch einmal wiederholen könnte.
An der Spitze des Rennens reichten Primoz Roglic und seiner Mannschaft Red Bull-Bora-hansgrohe das Rosa Trikot an den Italiener Diego Ulissi und das Team XDS-Astana weiter, waren darüber aber gar nicht mal so unglücklich. Und auch Roglics großer Konkurrent Juan Ayuso (UAE-XRG) zeigte sich in Castelraimondo zufrieden.
Drei Dinge, die auf der 8. Etappe auffielen:

1. Roglic und Red Bull geben Rosa gerne ab

Der Radsport ist eine komplexe Welt. Da verliert jemand die Gesamtführung der zweitwichtigsten Rundfahrt des Planeten, strahlt anschließend aber trotzdem und erweckt den Eindruck: Das war ihm und seinem Team eigentlich sogar sehr recht so.
"Es war ein harter Tag und am Ende mussten wir das Trikot loslassen. Die Jungs vorne waren einfach superstark. Aber es sind noch einige Tage", sagte Roglic am Eurosport-Mikrofon mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ihm war deutlich anzumerken, dass das Bedauern, das er inhaltlich sicher auch aus Respekt vor Sponsoren und dem Mythos 'Maglia Rosa' ausdrückte, nicht ganz so groß war, wie es seine Worte widerspiegelten.
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Analyse zur 8. Etappe: Roglic und Red Bull geben Rosa ab

Quelle: Eurosport

Denn mit dem Trikot gibt Red Bull-Bora-hansgrohe die per Ehrenkodex verankerte Verantwortung ab, die Kontrolle im Peloton zu übernehmen und Führungsarbeit hinter Spitzengruppen zu leisten. Diese 'Verantwortung' ist zwar ein antiquiertes Relikt und hat mehr mit Traditionen als mit sport-taktischer Sinnhaftigkeit zu tun. Aber der Radsport ist nicht nur komplex, sondern auch sehr traditionsverbunden. Und so fühlt man sich als Team des Gesamtführenden eben doch verpflichtet.
Deshalb erklärten auch der Sportchef des Teams, Rolf Aldag, und einer der Sportlichen Leiter, Bernhard Eisel, in ihren Rollen als Eurosport-Experten im Velo Club, dass der Ausgang des achten Teilstücks eigentlich nahezu ideal war: Man ist die Trikot-Verantwortung los, liegt in der Gesamtwertung aber trotzdem nur wenige Sekunden vom neuen 'Rosanen' Diego Ulissi (XDS-Astana) entfernt, den man fürs Hochgebirge ohnehin nicht fürchtet.
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Primoz Roglic

Fotocredit: Getty Images

"Mit Diego Ulissi im Trikot, das ist eigentlich perfekt gelaufen", sagte Eisel. Schon im Etappenverlauf hatte Red Bull-Bora-hansgrohe den Abstand zur Spitzengruppe auf rund fünf Minuten anwachsen lassen und immer in einem Bereich gehalten, durch den man das Trikot möglicherweise abgeben konnte, gleichzeitig aber nicht zu viel Zeit hergab.
"Du musst die Taktik immer anpassen. Da ist natürlich Dynamik im Rennen und Du musst immer überlegen, wer macht was warum. Aber das Wichtigste dabei ist, die direkten Gegner nicht aus den Augen zu verlieren. Und das ist ohne Zweifel Ayuso", sagte Aldag mit Blick auf den Spanier, der die 7. Etappe gewonnen hatte und für viele Experten als größter Konkurrenz von Roglic im Kampf um den Giro-Sieg gilt.
"Wenn in der Gruppe mehr Fahrer gewesen wären, die in der Gesamtwertung vorrücken könnten, dann hätte die Taktik schnell auch anders ausgesehen", erklärte Eisel. "Denn es macht morgen auf den weißen Straßen schon einen Unterschied, ob man Auto 1 oder Auto 8 in der Kolonne hat."
Am Sonntag steht nämlich in der Toskana eine knifflige Etappe über die berühmten, weißen Schotterstraßen auf dem Programm. Dort ist die Sturz- und Defektgefahr erhöht und so ist es wichtig, dass man im Fahrzeugkonvoi weit vorne platziert ist, um Fahrern schnell helfen zu können. Die Reihenfolge der Teamfahrzeuge wird durch die Reihenfolge der bestplatzierten Profis jedes Teams in der Gesamtwertung bestimmt. Hinter XDS-Astana fährt Red Bull am Sonntag nun an zweiter Stelle, gefolgt von Ayusos UAE-Team.
"Ob wir Auto 1 oder Auto 2 haben ist nicht so entscheidend. Es ist ja nicht Auto 30", grinste im Zielinterview auch Roglic.

2. Steinhauser ist bereit

Georg Steinhauser war beim Giro d'Italia im vergangenen Jahr der deutsche Held neben Simon Geschke. Während Geschke bei seinem Abschieds-Giro in die Top 15 der Gesamtwertung fuhr, zeigte sich Steinhauser immer wieder in Ausreißergruppen und landete dann auf der 17. Etappe am Passo Bronco den großen Coup: Etappensieg als Ausreißer, vor dem von hinten heranstürmenden Dominator Tadej Pogacar.
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Georg Steinhauser beim Giro d'Italia

Fotocredit: Getty Images

Klar, dass der 23-jährige Allgäuer bei seiner Rückkehr zur Italien-Rundfahrt einer der Hoffnungsträger für die deutschen Fans ist und sich auch selbst viel ausgerechnet hat. Zwar steht er in erster Linie im Dienst von Kapitän Richard Carapaz, doch Steinhauser hat sich in diesem Jahr noch expliziter auf den Giro vorbereitet und darf durchaus auf die eine oder andere eigene Chance zur Etappenjagd hoffen.
Nachdem ihn in der Vorbereitung aber Knieprobleme sogar zum Abbruch eines Höhentrainingslagers zwangen und die ersten Etappen beim Giro für ihn nicht gut liefen, musste man sich zunächst etwas Sorgen machen. Die hat Steinhauser nun auf Etappe 8 weggeblasen: Er schaffte es nach extrem harten zwei Stunden Anfangsphase in die Ausreißergruppe des Tages und bestimmte dort das Geschehen lange mit.
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Steinhauser: "Superhappy, dass ich die Beine wiedergefunden habe"

Quelle: Eurosport

"Ich bin superhappy, dass ich die Beine wiedergefunden habe, denn ich muss sagen, dass ich in der ersten Woche bisher ziemlich gelitten habe. Das war mental schwer, denn ich habe mich sehr gut vorbereitet, kam her und dann haben sich die Beine einfach nicht so gedreht, wie ich es wollte. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich heute etwas performen konnte", strahlte er nach der Etappe am Eurosport-Mikrofon und erzählte:
"Es war etwas komisch vorne, denn es waren Fahrer dabei, die die Chance hatten, in der Gesamtwertung vorzurücken. Deshalb habe ich es teilweise nicht verstanden. Ich hatte das Gefühl, dass manche Fahrer es etwas lockerer angegangen sind als andere. Daher habe ich einfach immer versucht, an der richtigen Stelle zu sein, gerade vor den Abfahrten. Und ich denke, ich habe es gut gemacht, war immer in der ersten Gruppe. Aber irgendwann waren die Beine einfach nicht mehr da."
Rund 50 Kilometer vor dem Ziel konnte Steinhauser den besten Vier aus der Spitzengruppe nicht mehr ganz folgen, kämpfte aber im Anstieg von Montelago und nach diesem weiter hartnäckig allein im Wind um den Anschluss, den er indes nicht mehr herstellen konnte. Im Ziel kam er 2:59 Minuten nach Sieger Plapp als Achter an. Trotzdem zeigte sich: Der Trend geht aufwärts und Steinhauser ist bereit, um an seine großen Fluchtversuche des Vorjahres - gerade in den Bergen - anzuknüpfen.

3. UAE versucht alles für jede Sekunde

Der große Angriff unter den Klassement-Assen blieb in den Hügeln rund um Castelraimondo und an den gefürchteten 'Muri', den 'steilen Mauern', die in dieser Region auch bei Tirreno-Adriatico gerne angesteuert werden, aus. Trotzdem aber kam es zwischen Roglic und Ayuso zu einer minimalen Verschiebung. Denn der Spanier machte auf der Zielgeraden eine Sekunde auf den Slowenen gut und verkürzte seinen Rückstand in der Gesamtwertung von vier auf drei Sekunden.
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Juan Ayuso auf der 8. Etappe beim Giro d'Italia 2025

Fotocredit: From Official Website

Damit setzte Ayuso seine psychologische Kriegsführung der vergangenen Tage fort: Vor der 6. Etappe hatte er angekündigt, das Rosa Trikot noch an diesem Wochenende übernehmen zu wollen und seinen Zeitverlust aus dem Einzelzeitfahren der 2. Etappe, als er nach einem Sturz am Vortag 16 Sekunden im Kampf gegen die Uhr auf Roglic verlor, damit wettzumachen. Auf Etappe 7 dann attackierte er bei der ersten Bergankunft der Italien-Rundfahrt in Tagliacozzo, kam vier Sekunden vor Roglic ins Ziel und gewann zusätzlich zehn Sekunden Zeitgutschrift für den Etappensieg.
Nun also der nächste Mini-Zeitgewinn. "Eine Sekunde ist besser als nichts, vor allem an so einem harten Tag", sagte Ayuso im Ziel und blickte voraus auf den Sonntag, auf den er sich mit den Schotterstraßen der Toskana besonders zu freuen scheint: "Jetzt heißt es gut zu regenerieren. Morgen ist ein Tag, der das Rennen entscheiden kann. Da muss das Glück auf deiner Seite sein, denn man kann im falschen Moment einen Platten oder ein technisches Problem haben - und dann läuft alles schief. Wir hoffen, dass alles glatt läuft und wir vorne ankommen."
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Große Vorschau aufs Schotterspektakel: Die 9. Etappe nach Siena

Quelle: Eurosport

Die Schotteretappe über die 'strade bianche' dürfte Ayuso liegen. Vor allem aber ist sie etwas, was Roglic nicht unbedingt liebt - gerade auch mit den Erinnerungen an die Tour de France 2024, als er und sein Team auf der Schotteretappe nach Troyes zwar am Ende keine Zeit verloren, früh aber arg im Hintertreffen waren und viel Kraft investieren mussten.
Mit Blick auf die Bedeutung der Teamstärke und der Positionierung betonte Ayuso noch einmal: "Ich glaube wir haben das stärkste Team in diesem Rennen, und ich bin froh, solche Teamkollegen an meiner Seite zu haben."
Dieses Team übrigens hat ihm wohl auch zum Sekundengewinn in Castelraimondo verholfen. Es war zwar nicht komplett im TV-Bild zu sehen, doch Ayuso kam mit einem kleinen Vorsprung aus der letzten Kurve auf die Zielgerade geschossen und setzte dort sofort zum langen Sprint an. Gleichzeitig rollten drei seiner Teamkollegen auf der Innenseite recht langsam aus der Kurve heraus und es schien nahezuliegen, dass sie hinter Ayuso auf die Kurve zugefahren waren - dann das Tempo drosselten und ihm so die Lücke verschafften, die Roglic von hinten kommend auf der Zielgeraden nicht mehr ganz schließen konnte. Bei UAE versucht man eben alles, für jede Sekunde.
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Giro-Strecke: Profil der 9. Etappe - Schotterpisten in der Toskana

Quelle: Eurosport


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