Moralisches Dilemma bei Sponsoren wie Israel-Premier Tech oder UAE Team Emirates-XRG: Radprofis im Gewissenskonflikt

Die massiven Proteste der pro-palästinensischen Demonstranten während der Vuelta a España 2025 haben offenbart, welchen großen Einfluss die Sponsoren im Hintergrund auf die Wahrnehmung einer Équipe haben. Wie der französische Radprofi Guillaume Martin (Groupama-FDJ) in einem Interview mit "Ouest-France" erklärte, stellte ihn die Wahl seines Arbeitgebers daher schon vor ein moralisches Dilemma.

Hunderte Demonstranten auf der Straße: Peloton kommt nicht mehr weiter

Quelle: Eurosport

Mit dem massiven Einstieg von internationalen Konzernen und diversen Staaten halten auch politische und gesellschaftliche Themen vermehrt Einzug in den Radsport.
Keine ungewöhnliche Entwicklung, wenn man den Blick auf andere Sportarten wie Fußball, Tennis oder Golf wirft. Für einige Sportler spielt der Sponsor aber eine große Rolle, wodurch es bei der Zukunftsplanung zu moralischen Konflikten kommen könnte.
"An mehreren Momenten meiner Karriere stand die Wahl eines Teams im Raum", erinnerte sich Guillaume Martin. Als im Jahre 2019 sein Vertrag beim Wanty-Gobert Cycling Team zu Ende ging, öffnete sich eine Tür zu Bahrain-Victorious.
Aufgrund der besorgniserregenden Menschenrechtslage in Bahrain lehnte Martin jedoch ab. "Das war einer der Punkte, die die Entscheidung klar zugunsten von Cofidis beeinflusst haben", erklärte der Rundfahrt-Spezialist, der die Tour de France schon fünf Mal in den Top 15 beendete,

Martin: "Ein dickes rotes Kreuz"

Im vergangenen Sommer stand Martin erneut am Scheideweg. "Ich habe mir eine Liste aller ProTour-Teams gemacht, bei manchen stand ein dickes rotes Kreuz, bei anderen war es okay", führte der 32-Jährige aus.
Bleibt man beim Beispiel Menschenrechte, schränkt sich die Auswahl stark ein: Bahrain-Victorious, UAE Team Emirates-XRG (Vereinigte Arabische Emirate) und Jayco-AlUla (Saudi-Arabien) fallen durch.
Israel-Premier Tech wurde im Rahmen der Spanien-Rundfahrt Ziel scharfer Kritik aufgrund des Krieges in Gaza.
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Demonstranten blockieren Straße: "Geht in Bereich Gewalt hinein"

Quelle: Eurosport

Letzten Endes entschied sich Martin für Groupama-FDJ. Wie sein ehemaliger Agent Philippe Raimbaud erläuterte, ist der Franzose jedoch nicht der einzige Fahrer im Peloton, der seinem Gewissen folgt.
"Das war eine Frage, die ich meinen Fahrern recht offen gestellt habe", bezog er sich auf den moralischen Wert des Sponsors. "Ich erinnere mich an einen Fahrer, der mit Bahrain-McLaren in Kontakt war, dem ich sagte: 'Dir ist bewusst, dass das Regime umstritten ist und dass der Prinz laut NGOs verdächtigt wird, an Folter beteiligt gewesen zu sein?'"
Allzu großen Einfluss wollte er auf seine Klienten aber nicht ausüben. "Ich bin nicht da, um dem Fahrer vorzuschreiben, was er tun soll. Aber natürlich sprechen wir darüber", so Raimbaud.

Deal mit Israel? "Lieber höre ich auf"

Einer seiner Fahrer sei demnach von Israel-Premier Tech, das von Sylvan Adams, einem Vertrauten des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, finanziert wird, angesprochen worden.
"Er sagte mir: 'Lieber höre ich mit meiner Karriere auf, als dort zu unterschreiben'", meinte Raimbaud. "Auch wenn das Team nicht direkt vom Staat finanziert wird, fühlte er sich nicht wohl damit und wollte lieber aufhören - selbst wenn das bedeutet, nichts zu haben."
Zu viel Druck wolle er aber nicht auf den Schultern der Fahrer abladen. "Wenn man einen Kredit, eine Familie, Kinder hat … und vielleicht keine große Ausbildung, dann sind solche Vorstellungen schwerer umzusetzen", argumentierte er.
Letztlich müsse man den Einfluss solcher Kräfte aber akzeptieren. "Ich will nicht in die Hand beißen, die einen füttert - schließlich hält sich das System auf diese Weise am Laufen", befand Raimbaud. "Deshalb sind wir alle ein bisschen schizophren in dieser Sache."
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Etappe gecancelt! Schwere Proteste und Ausschreitungen in Madrid

Quelle: Eurosport


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