Tadej Pogacar auf Rekordjagd: Der Weltmeister bei Lombardei-Rundfahrt auf den Spuren von Eddy Merckx und Fausto Coppi

Wenn Tadej Pogacar heute in Bergamo bei der Lombardei-Rundfahrt an der Startlinie steht, werden alle Blicke auf ihn gerichtet sein. Er ist der absolute Top-Favorit, er ist der Titelverteidiger und er trägt seit kurzem das Regenbogentrikot als neuer Weltmeister. Für den Slowenen geht es aber längst um mehr als um den Sieg bei einem Monument des Radsports: Für ihn geht es um historische Rekorde.

Il Lombardia : Tadej Pogacar incredible hat-trick (VI)

Quelle: Eurosport

Die einzigen Vergleichswerte für Pogacar liegen in der Vergangenheit, bei den Größten aller Zeiten. Bei Il Lombardia strebt er seinen vierten Sieg in Serie an. Das gelang vor ihm nur einem - Fausto Coppi, genannt "Il Campionissimo", der Champion aller Champions.
Von 1946 bis 1949 triumphierte er bei dem Herbstklassiker. Insgesamt gewann er das Rennen sogar fünf Mal. Das ist ein Rekord, den sich Pogacar für die Zukunft aufheben muss. Er kann dafür gleichziehen mit einer anderen italienischen Größe: Alfredo Binda gewann das Rennen vier Mal, zuletzt 1931.
Das "Rennen der fallenden Blätter" ist traditionell eine Zäsur - für die meisten Fahrer bildet es den Abschluss der Radsaison. Und was überragende individuelle Saisons angeht, ist das Jahr 2024 für Pogacar noch einmal eine eigene Kategorie wert, die am Samstag (live auf Eurosport, discovery+ und im Liveticker) im Ziel in Como gekrönt werden soll.
Der 26-Jährige steht aktuell bei 24 Siegen nach 56 Renntagen. Mit einem 25. Sieg würde er mit Alessandro Petacchi gleichziehen, der die Bestmarke aus dem 21. Jahrhundert hält. Der Italiener war 2005 der überragende Sprinter des Jahres, benötigte aber 79 Renntage für seinen Rekord.

Pogacar im Vergleich mit Merckx

Auch was die Leistungen über eine ganze Saison angeht, ist Pogacar besser mit den historischen Größen zu vergleichen als mit italienischen Sprintern. Eddy Merckx bescheinigte dem Slowenen zuletzt "über ihm zu stehen" - und Merckx ist immerhin der Größte aller Zeiten.
Insofern lohnt sich ein genauerer Blick auf die besten Saisons der "Kannibalen". 1972 gewann Merckx drei Monumente (Mailand-Sanremo, Paris-Roubaix, Il Lombardia) und zwei Grand Tours (Giro und Tour). Das kann Pogacar auch mit einem Sieg in Como nicht erreichen, er hätte dann "nur" zwei Monumente gewonnen nach seinem Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich im April.
Was allerdings beim 26-Jährigen hinzukommt, ist der Weltmeister-Titel. Den gewann Merckx 1972 nicht. Ein Monument zusätzlich zum "Triple" aus Giro, Tour und WM-Titel in einem Jahr zu gewinnen, ist für sich genommen also bereits einzigartig. Weder Merckx 1974 noch Stephen Roche 1987 konnten in jenen Jahren bei einem der fünf großen Eintagesrennen einen Sieg einfahren.
Pogacar könnte am Ende der Saison 2024 sogar zwei Monumente zum Palmarès hinzugefügt haben - und zusätzlich noch Siege bei Strade Bianche, der Katalonien-Rundfahrt, dem Grand Prix de Montreal und dem Giro dell'Emilia.
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Tadej Pogacar gewann Giro d'Italia, Tour de France und WM-Titel in einem Jahr

Fotocredit: Getty Images

Auch das Team kann Historisches schaffen

Für den UAE-Team-Emirates-Kapitän ist das "Rennen der fallenden Blätter" die nächste Gelegenheit, um in der Liste der Allzeit-Größen weiter nach oben zu klettern - er könnte mit Primoz Roglic (89 Erfolge) in Sachen Profisiege gleichziehen, der neun Jahre älter ist als er und selbst in einigen Rekordlisten steht.
Sein Team steht aktuell bei 80 Siegen, das gelang zuletzt dem Team Columbia im Jahr 2009 (85 Siege). Die Equipe hatte den Vorteil, die unglaubliche Sprinter-Phalanx aus Mark Cavendish (23 Siege), André Greipel (20) und Edvald Boasson Hagen (13) aufbieten zu können.
Sollte Pogacar gewinnen, wären alle fünf Monumente von nur zwei Teams gewonnen worden - UAE und Alpecin-Deceuninck. Das gab es noch nie. Einer der Hauptkonkurrenten, um Pogacar durch all diese Rekorde einen Strich durch die Rechnung zu machen, ist Remco Evenepoel. Er könnte seinerseits als erst zweiter Fahrer überhaupt ein Monument im gleichen Jahr mit dem Olympiasieg gewinnen (der andere ist der Schweizer Pascal Richard, der 1996 in Lüttich triumphierte).
Pogacars "Rivalen" sind Radsport-Dominatoren längst vergangener Tage. Aber der Slowene muss mit seiner Dominanz aufpassen. 1953 hätte Fausto Coppi selbst einige Rekorde mehr aufstellen können, aber er durfte nicht. Die Organisatoren der Tour de France luden ihn aus, "wegen zu großer sportlicher Überlegenheit".
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Tre Valli Varesine : Clip - Images of the protest of the riders

Quelle: Eurosport


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