Red Bull-Bora-hansgrohe-Profi Florian Lipowitz besteht bei Paris-Nizza den Reifetest - wartet nun die Tour de France?

Florian Lipowitz hat erstmals auch als Kapitän bei einem wichtigen Etappenrennen seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Der 24-Jährige überzeugte als Gesamt-Zweiter der Fernfahrt Paris - Nizza - in seinem dritten Jahr in der WorldTour. Die Lernkurve des ehemaligen Biathleten ist steil und sein Team Red Bull-Bora-hansgrohe will sein Potenzial in diesem Jahr ausschöpfen.

Lipowitz in Nizza gefeiert: Neuer Meilenstein für Top-Talent

Quelle: Eurosport

Am Ende fehlten Lipowitz 1:15 Minuten zu seinem ersten Gesamtsieg bei einem einwöchigen WorldTour-Etappenrennen. Weit war er nicht weg vom neuen und alten Titelträger Matteo Jorgenson. Der Abstand kam letztlich nur auf zwei der sieben Etappen zustande.
Im Mannschaftszeitahren war Jorgensons Visma-Lease a Bike-Mannschaft eine Klasse für sich. Aber Lipowitz hielt sich mit seiner dezimierten Red Bull-Bora-hansgrohe-Equipe im Vergleich sehr gut. Er verlor 25 Sekunden auf Jorgenson und auf Jonas Vingegaard. Und schließlich setzte sein Team auf der Schlussetappe um Nizza früh alles auf eine Karte, konnte den US-Amerikaner im Gelben Trikot isolieren - aber der erwies sich als zu stark, attackierte seinerseits und der Deutsche konnte nicht mehr folgen.
"Für mich gibt es immer viel zu lernen, ich bin ja noch nicht so lange im Radsport", fasste Lipowitz seine erste Rundfahrt als Kapitän am Eurosport-Mikrofon zusammen. "Ich habe vom Team die ganze Woche über viel gelernt. Für mich war das was ganz Besonderes, als ein Leader hierher zu fahren"
picture

Unorthodoxe Attacke: Jorgenson greift als Gesamtführender an

Quelle: Eurosport

In die Kategorie "Erfahrung sammeln" gehört sicher auch seine Fahrweise und das taktische Geschick. Während er im Rahmen der vierten Etappe, als Visma das Feld auseinandernahm, war der 24-Jährige zur Stelle. An einigen Anstiegen dagegen sparte er seine Kräfte nicht auf, fuhr wenig erfolgsversprechende Tempoverschärfungen. "Ich kann etwas konservativer fahren und Kräfte sparen mit Blick auf die letzten Tage", sagte er selbstkritisch. "Da kann ich mich noch verbessern, aber ich denke, wir sind da auf einem guten Weg."

Vom Biathleten zum WorldTOur-Fahrer

"Lipowitz hat eine steile Entwicklung genommen in den letzten Jahren", sagte auch der Eurosport-Experte Jens Voigt über den 24-Jährigen. "Er kam als Quereinsteiger vom Biathlon zum Radsport und es ist kein Ende in seiner Entwicklung abzusehen."
Mit 18 Jahren gewann er den extrem anspruchsvollen Radmarathon im Engadin mit einem neuen Streckenrekord. Die ersten Erfahrungen in "echten" Radrennen sammelte er beim Nachwuchsteam Tirol KTM Cycling.
Bei Rundfahrten der Junioren zeigte sich schnell: Der Junge kann schnell radfahren - vor allem bergauf. Bora-hansgrohe sicherte sich die Dienste des Ex-Biathleten ab der Saison 2023. Nach einem Übergangsjahr in der WorldTour folgen die Ergebnisse: Dritter bei der Tour de Romandie 2024, dann Siebter bei der Vuelta a Espana als Edelhelfer von Primoz Roglic.
picture

Florian Lipowitz bei Paris - Nizza 2025

Fotocredit: Getty Images

Der nächste Schritt: Als Kapitän Resultate einfahren. Nach Paris - Nizza zeigt der Blick auf die To-Do-Liste: Check. Seine nächsten Ziele sind die Baskenland-Rundfahrt, wo er laut eigener Aussage als Helfer eingeplant ist, und die Dauphiné-Rundfahrt im Juni.

Neue Entwicklungsschritte für Lipowitz

"Man sollte ihn jetzt nicht direkt zum neuen deutschen Tour-Sieger erklären, sondern ihm einfach Zeit lassen", mahnte Voigt. "Es wäre ja schon großartig, wenn er eines der großen WorldTour-Etappenrennen wie Paris - Nizza gewinnen könnte - wann gab es das zuletzt in Deutschland? Lasst den Jungen sich in Ruhe entwickeln."
Neben taktischen Finessen sieht der Experte Entwicklungspotenzial vor allem in Sachen Radbeherrschung und Technik - die körperlichen Voraussetzungen sind schon da.
"Beim Langlauf kamen ja ähnliche Anforderungen auf ihn zu, was Ausdauer, Erholung et cetera angeht", erklärte Voigt. "Diese Seite hat er in der Theorie schon abgearbeitet. Die Probleme bei Quereinsteigern liegen meist eher in den Bereichen Radbeherrschung, Taktik und Technik. Ich bin so lange Rad gefahren, dass ich am Geräusch des Windes erkennen kann, ob ich mich im Windschatten befinde. Das könnte auch ein Manko bei Lipowitz sein, auch zu erkennen, wann ein Fahrer attackieren wird, einfach aufgrund seines Verhaltens, das lernt man erst mit den Jahren."
Bei dem wichtigsten Vorbereitungsrennen auf die Tour de France ist er von Red Bull-Bora-hansgrohe wieder als Kapitän eingeplant. Weiter geht seine Rennplanung noch nicht.

Bei der Tour "in Roglic' Windschatten mitfahren"

Die Dauphiné dürfte aber als Fingerzeig Richtung Tour-Debüt gelten - dann wieder an der Seite von Roglic, "Die Tour als zweiter Mann hinter Primoz Roglic zu fahren ist eine gute Lösung", meinte der Eurosport-Experte. "Der Druck liegt beim Slowenen und Lipowitz kann in seinem Windschatten mitfahren. Bei seiner Entwicklung könnte ich mir dann vorstellen, dass man ihn ihm nächsten Jahr eine Landesrundfahrt als Kapitän bestreiten lässt."
Die Kombination Roglic-Lipowitz war im vergangenen Jahr bei der Vuelta schon eine sehr erfolgreiche, bei Red Bull-Bora-hansgrohe hofft man, dass das auch im Juli wieder zu Topergebnissen führt.
picture

"Großartig gemacht!" Lipowitz verlangt Carapaz alles ab

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung